Um Kindern die eigene Arbeit zu zeigen, hat das Deutsche Rote Kreuz in Waiblingen einen virtuellen Krankenwagen entwickelt, in dem man sich per Mausklick informieren kann. Das Projekt könnte nicht nur im Rems-Murr-Kreis Schule machen.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Die Idee ist ihr irgendwann kurz vor dem Einschlafen gekommen. Wenn das Jugendrotkreuz zu Besuchen in Schulen oder Kindergärten schon nicht physisch mit einem Rettungswagen vorfahren kann, warum dann nicht virtuell? Heidrun Hellmuth ist mit dem Einfall, die „Faszination Blaulicht“ auf diese Weise zur Nachwuchsgewinnung zu nutzen, am nächsten Tag zu ihrem Chef, Sven Knödler, gegangen – und bei dem Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Rems-Murr-Kreis auf Begeisterung gestoßen. Der Rest, sagt die Jugendreferentin der Lebensretter, sei ein wiederum „faszinierendes Teamwork“ gewesen.

Rotkreuz-Eule im „Magischen Rettungswagen“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Nina Siegle und dem Pressebeauftragten Christian Siekmann hat Heidrun Hellmuth eine Art Drehbuch für die „Rotkreuz-Eule im magischen Rettungswagen“ geschrieben, sich Drehorte und Darsteller überlegt. Und weil Nina Siegle künstlerisch begabt ist, hat sie das Maskottchen, das die beiden Jugendrotkreuz-Beauftragten als Handpuppe bei ihren Besuchen in Kindergärten immer dabei haben, gleich als Zeichnung umgesetzt und als solche in das Projekt eingebunden.

Während ein beauftragtes Unternehmen den Rettungswagen in allen Lagen in eine spezielle 3D-Software transferierte, wurden Texte erstellt und mit örtlichen Beteiligten und Experten Videos gedreht. Das Weinstädter Busunternehmen Dannenmann stellte dafür kostenlos eine Halle zur Verfügung, und auch die Rems-Murr-Kliniken machten mit, um eine Anfahrt in die Notaufnahme zu simulieren.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist buchstäblich kinderleicht zu handhaben. Der Betrachter kann sich am Monitor in allen Richtungen in einem Rettungswagen umschauen und per Mausklick nach eigenem Belieben genauer hinsehen. Bilder, Texttafeln und Videos klären an verschiedenen, mit der Eule markierten Punkten, über Details und die Arbeit der Lebensretter auf.

Dabei habe man sich bemüht, auf genau jene Kinderfragen einzugehen, die sich bei ihnen über die Jahre hinweg bei ihren Besuchen in Schulen und Kitas angesammelt hätten, sagt Heidrun Hellmuth.

Manchmal sind das vermeintlich banale: Warum braucht ein Sanitäter einen Einsatzhelm? „Eigenschutz ist wichtig!“ heißt es in einer Antwort über einem Bild, auf dem eine Sanitäterin zu sehen ist, über der, um es humorig plastisch zu machen, prasselnd eine Tüte Bonbons ausgeleert wird. Auf einem Video zeigen zwei Mädchen, dass Erste-Hilfe leisten nicht nur eine Aufgabe für Erwachsene sein kann. Ihre Aussagen werden wie viele andere auch parallel von einem Gebärdendolmetscher übersetzt. Und in einem Quiz wird auf spielerische Art weiteres Wissen vermittelt.

Eine erste Version des „Magischen Rettungswagens“ kann bereits online auf der Internetseite des Kreisverbands ausprobiert werden. Sie soll aber noch sukzessive weiter ergänzt und optimiert werden.

Ersten Härtetest bestanden

Das Projekt hat nämlich durchaus das Potenzial, über den Rems-Murr-Kreis hinaus Schule zu machen. Davon scheint jedenfalls nicht nur der DRK-Kreisverband selbst überzeugt zu sein. Eine Jury hat die Idee für den vom Bundesinnenministerium unterstützten Förderpreis „Helfende Hand für besonderes ehrenamtliches Engagement im Bevölkerungsschutz“ nominiert. Noch bis zum 5. Dezember besteht die Gelegenheit, den „Magischen Rettungswagen“ über das Publikumsvoting auf den ersten Platz zu befördern. Seinen ersten Härtetest hat der virtuelle Rettungsdienst übrigens schon bestanden, bevor er online gegangen ist: Er habe seinem achtjährigen Sohn die Betaversion daheim als einem der ersten zur eigenen Inaugenscheinnahme überlassen, sagt der DRK-Geschäftsführer Sven Knödler. Wohl wissend, dass der Filius in die Berufswelt seines Vaters bisher nicht ganz so tief eintauchen wollte. Das Ergebnis war, dass der Papa eine ganze Weile lang auf seinen Laptop verzichten musste, weil sich der Sohn begeistert durch den Wagen klickte.

Virtueller Rettungswagen und Voting: www.drk-rems-murr.de und www.helfende-hand-foerderpreis.de/publikumspreis

Das Rote Kreuz im Rems-Murr-Kreis

Verband
 Der DRK-Kreisverband Rems-Murr ist einer von 34 Kreisverbänden in Baden-Württemberg. Beschäftigt sind dort zurzeit rund 600 hauptamtliche Mitarbeiter. Unterstützt werden sie von zahlreichen ehrenamtlicher Mitgliedern in 26 Ortsvereinen.

Leitstelle
 Die Integrierte Leitstelle wird vom DRK in Waiblingen betrieben. Sie koordiniert die Einsätze der Notfallrettung und des Krankentransportes, die Alarmierung der Feuerwehren und Einheiten des Katastrophenschutzes im Rems-Murr-Kreis und ist auch für die Vermittlung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes zuständig. Jährlich werden knapp 150 000 Einsätze hier bearbeitet.