Acht Frauen und Männer werden verdächtigt, 130 Kilogramm Kokain aus Südamerika in Europa verkaufen zu wollen. Der Prozessbeginn in Tübingen gestaltete sich zäh.

Tübingen - Die Last der Beweise ist erdrückend bei einem der größten Drogenprozesse der vergangenen Jahrzehnte in Baden-Württemberg. Es geht um 130 Kilogramm Kokain im Wert von vier Millionen Euro. Dennoch liegen viele Abläufe bisher im Dunkeln. Ob sich dies im Zuge des Prozesses vor dem Tübinger Landgericht ändern wird, ist offen. Oberstaatsanwalt Bernhard Henn jedenfalls bat am Donnerstag die Anwälte der acht Angeklagten zu einer „informellen Unterhaltung“. Worum es dabei geht, sagte er auch. Entweder werde das Verfahren in „größtmöglicher Ausführlichkeit“ durchgezogen oder abgekürzt. Nämlich dann, wenn sich die Verteidiger und die Staatsanwaltschaft gleichermaßen vorstellen könnten, „was am Ende dieses Verfahrens steht“.

 

Die Richter hielten sich aus diesem Austausch heraus. Die Anwälte dagegen wechselten ihren eigenen Aussagen zufolge „manches ernste Wort“ mit ihren Mandanten, auch der Oberstaatsanwalt war in viele Gespräche verwickelt. Doch nach knapp fünf Stunden zeichnete sich nur in einigen Fällen ab, dass das Verfahren „geständig erledigt werden könnte“, wie der Jurist sagte. Viele Angeklagte wollten von einem Geständnis nichts wissen. Das mag sich am Freitag bei weiteren Gesprächen noch ändern. Danach besteht die Möglichkeit, dass über Angeklagte, die ihre Taten zugeben, getrennt und somit zügiger verhandelt wird.

Acht Angeklagte zwischen 24 und 76

Die Anklageschrift fällt vergleichsweise so kurz wie knapp aus. Die acht Angeklagten werden beschuldigt, sich im Sommer 2011 zum Zwecke des unerlaubten Rauschgifthandels in „nicht geringer Menge“ zusammengeschlossen zu haben. Der Älteste ist ein 76-jähriger Niederländer, die jüngste eine Kolumbianerin, die deutlich jünger erscheint als die angegebenen 24 Jahre. Als Hauptverdächtige gelten ein 44 Jahre alter Kolumbianer und ein in Albanien geborener 45-Jähriger. In mehreren Treffen – auch in Deutschland – sollen die acht festgelegt haben, wer sich um das Auftreiben des Kokaingemischs in Südamerika, den Transport und das Verteilen in den EU-Ländern zu kümmern habe. Wie vorgesehen, schmuggelte die Bande 130 Kilogramm des hochwertigen Rauschgifts im Dezember 2011 mit einem Containerschiff von Ecuador nach Antwerpen in Belgien.