Was haben Steuerdelikte in Millionenhöhe mit der Großrazzia gegen einen Drogenhändlerring zu tun? Das Finanzamt macht zurückhaltende Angaben.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Stuttgart - Eine Großrazzia mit 600 Polizeikräften hat am Dienstag einer Gruppe von Drogendealern das Handwerk gelegt. An dem Einsatz war die Steuerfahndung des Stuttgarter Finanzamts beteiligt. Vermutlich haben Hinterleute der Dealer Geld aus den Drogengeschäften verwahrt, ohne selbst in diese direkt verwickelt gewesen zu sein. Insgesamt wird gegen 27 Beschuldigte ermittelt, gegen 13 wegen Steuerdelikten.

Das Finanzamt sagt zum Schutz der noch laufenden Ermittlungen nichts Genaues darüber, wie das Geld zu den 13 Beschuldigten geflossen sein könnte, das die Steuerfahnder auf den Plan rief. Der Zusammenhang liegt aber auf der Hand: Die 13 Personen sollen „Einnahmen und Umsätze in erheblichem Umfang aus bisher unbekannten Quellen erwirtschaftet haben“, teilt die Pressestelle des Finanzministeriums mit. Diese Einnahmen von 2015 bis 2019 seien gegenüber den Finanzbehörden nicht angegeben worden. Da kann man vermuten, dass die Quelle eine unsaubere gewesen sein könnte. Eine Information der Polizei macht das plausibel: In dem Großeinsatz gegen 27 Beschuldigte sei es bei einem um Drogen- und Steuerdelikte gegangen.

Mehrere Hundert Kilo Drogen in die Stadt gebracht

Die Ausmaße werden deutlich, wenn man nicht nur weiß, dass der Drogenhändlerring über Jahre mehrere Hundert Kilo Rauschgift in die Stadt gebracht haben soll, sondern auch die Summe kennt, für die das Amtsgericht einen sogenannten Vermögensarrest erließ: Es sind 4,7 Millionen Euro. Dieses Geld wurde eingefroren, um die Erträge aus den Taten zu sichern und später einzuziehen. „Ob die Zahl der hinterzogenen Steuern höher liegt, kann noch nicht gesagt werden. Die Ermittlungen hierzu dauern noch an“, teilt das Ministerium mit.

Dass mit den Festnahmen der Drogenmarkt in Stuttgart unter Engpässen leiden werde, sei nicht anzunehmen, heißt es von der Polizei. „Wenn sich da Lücken auftun, rücken schnell andere Lieferanten nach“, sagt eine Pressesprecherin. Bei der Razzia in 35 Gebäuden wurde nur wenig Stoff gefunden. Dass der Händlerring mehrere Hundert Kilo im Laufe der Zeit aus Spanien ins Land gebracht haben soll, stützt die Polizei auf ihren Ermittlungen. Schon vor wenigen Wochen konnte das Stuttgarter Drogendezernat einen großen Erfolg vermelden, der aber mit dem aktuellen Verfahren nichts zu tun hat: Etwa 160 Kilogramm Marihuana wurden bei einer Übergabe Anfang November sichergestellt, die Beteiligten festgenommen.