KommentarDrohende Theaterhaus-Insolvenz Brandbrief mit Folgen

Von Jörg Nauke 

Das Land und die Stadt Stuttgart werden nicht umhinkommen, dem Theaterhaus aus der Patsche zu helfen. Die Devise muss aber „Hilfe zur Selbsthilfe“ lauten, meint StZ-Autor Jörg Nauke.

Mittendrin statt nur dabei: Auch OB Fritz Kuhn und seine Frau Waltraud Ulshöfer schmücken sich gerne mit Eric Gauthier (Mitte) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Mittendrin statt nur dabei: Auch OB Fritz Kuhn und seine Frau Waltraud Ulshöfer schmücken sich gerne mit Eric Gauthier (Mitte) Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Eines vorweg: Das aus der Stuttgarter Kulturszene nicht wegzudenkende Theaterhaus mag zwar nach Ansicht seiner Verantwortlichen kurz vor der Insolvenz stehen. So jedenfalls steht es in dem Brandbrief, den die Macher an die öffentliche Hand geschrieben haben. Aber natürlich werden Land und Stadt nicht zusehen, wie die überregional bedeutende Einrichtung in die Pleite rauscht. Dafür sprechen mehrere Gründe: Das Defizit ist – Stichwort Staatstheater – etwas für die Portokasse, selbst wenn es nachher mehr als die geforderten 600 000 Euro beträgt. Das weiß man im Rathaus aus Erfahrung – womit wir beim benachbarten Varieté wären. Dessen kulturelle Bedeutung ist deutlich geringer, dennoch hat die Stadt Hunderttausende Euro in ein Rettungspaket investiert und mit einem Dauerzuschuss garniert. Und schließlich hat die Stadt mit Ausbauinvestitionen von 50 Millionen Euro gezeigt, wohin die Reise geht.

Der in Form und Inhalt in Teilen peinliche Brandbrief kann und wird für das Theaterhaus aber nicht folgenlos bleiben – vor allem, weil es dem Schreiben an eigenen Ideen mangelt, um das Loch zu stopfen. Sich alleine auf eine weitere Förderung zu verlassen, ist zu wenig. Das Varieté hat wenigstens seine Stühle vermarktet.

Das Bekenntnis zum Theaterhaus steht, aber es wird auch Kritik geben

Wenn sich die öffentliche Hand erst einmal in die Bücher vertieft hat, wird nicht nur die Frage aufgeworfen, wie man die Einnahmenseite optimieren könnte – es wird auch eine Ausgabenkritik geben. Dabei wird es auch um sehr grundsätzliche Fragen einer nachhaltigen Finanzpolitik in einem künstlerisch hervorragend arbeitenden Haus gehen.

Heute kann sich Eric Gauthier noch bei der Premiere mit seinem neuen Duoprogramm „Deuces“ feiern lassen, aber schon in der kommenden Woche dürften die Kosten für sein Ensemble im Mittelpunkt der Debatte stehen. Es gibt seitens des Gemeinderats und der Rathausspitze ein klares Bekenntnis zu Gauthier Dance und zum Theaterhaus. Dann müssen die Projekte aber auch auf soliden Beinen stehen.

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