Drohnenkrieg der USA Was ist Africom?

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Was ist Africom?

Das US-Militär hat die Welt in sechs Regionen aufgeteilt, in denen jeweils ein Kommando zuständig ist. Vier dieser Kommandos sitzen in den USA und zwei in Europa – beide in Stuttgart. Das für Europa zuständige Kommando Eucom operiert seit langem von den „Patch Barracks“ in Vaihingen aus.

Seit Oktober 2008 hat auch das Afrika-Kommando seinen Sitz in Stuttgart. Ihm sind weltweit rund 2000 Soldaten und Zivilisten zugeordnet, in den Möhringer „Kelley Barracks“ arbeiten rund 1500 Mitarbeiter. „Die Rolle des Afrika-Kommandos hat sich durch den Aufstieg von Terrorgruppen in Mali und Somalia, die mit Al-Kaida verbunden sind, gewandelt“, schrieb im April „Stars and Stripes“, das Magazin der US-Streitkräfte. „War es anfangs noch relativ unbekannt, so ist das Kommando heute ein zentraler Akteur der militärischen Anti-Terror-Bemühungen.“

Drohnenkrieg in Afrika

Drohnenkrieg in Afrika

Über „Camp Lemmonier“ in Dschibuti wickeln die USA seit vielen Jahren Geheimoperationen gegen Terrorverdächtige ab. Dazu gehörte nach Darstellung von Menschenrechtsorganisationen auch die Verschleppung von Menschen mit anschließender Unterbringung in Geheimgefängnissen. Seit dem Jahr 2007 verfolgt die US-Regierung eine zweite Strategie – die gezielte Tötung vor allem durch Drohnen. „Die Phase der Entführungen und Verschleppungen ist vorbei“, schreiben Fuchs und Goetz. „Wir befinden uns jetzt in der Phase der Hinrichtungen.“

Die meisten dieser Aktionen bleiben naturgemäß geheim. In ihrem Buch schildern die Autoren zwei Fälle genauer, die öffentlich bekannt wurden. In beiden Fällen soll Africom in Stuttgart die Fäden in der Hand gehabt haben: Im September 2009 stirbt der Kenianer Ali Saleh Nabhan in der Nähe der südsomalischen Stadt Baraawe nach einem Raketenangriff aus Hubschraubern. Für die USA war Nabhan der Anführer von Al-Kaida in Somalia, er soll unter anderem Drahtzieher von Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania gewesen sein. Im Januar 2012 wird der Brite Bilal al-Berjawi durch einen Drohnenangriff nahe der somalischen Hauptstadt Mogadischu getötet. Auch al-Berjawi gehörte nach Ansicht der Amerikaner zu Al-Kaida; er soll die afrikanische Terrororganisation al-Shabaab unterstützt haben.

Bilal al-Berjawi galt bisher als erster Mensch, der nachweislich durch eine US-Drohne in Afrika getötet wurde. Nach Darstellung von Fuchs und Goetz haben die gezielten Drohnen-Tötungen in Somalia jedoch schon im Jahr 2011 begonnen: „Seitdem soll das US-Militär mindestens neun Kampfdrohnen-Einsätze geflogen haben. Nach unterschiedlichen Angaben sind dabei bis zu 29 Menschen hingerichtet worden – unter den Opfern soll sich auch eine unbekannte Zahl unbeteiligter Zivilisten befunden haben.“