Duale Hochschule Baden-Württemberg Master der praktischen Art sind gefragt

Der berufsbegleitende Foto: dpa
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Die Duale Hochschule stehe vor einem neuen Quantensprung, findet ihr Präsident. Mit einem groß angelegten berufsbegleitenden Masterprogramm läute man ein neues Zeitalter an.

Landespolitik: Renate Allgöwer (ral)
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Heilbronn - Mit einem groß angelegten Masterprogramm läutet die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) ein neues Zeitalter ein. „Das ist unsere Antwort auf die Anforderungen aus der Wirtschaft, besonders aus dem Mittelstand und seitens der Studenten“, sagte Reinhold Geilsdörfer, der Präsident der DHBW der Stuttgarter Zeitung. Die Bedeutung kann der Präsident gar nicht hoch genug einschätzen, „das ist ein Quantensprung für uns“, vergleichbar nur mit dem Schritt vor vier Jahren als die damaligen acht Berufsakademien im Land zu einer dualen Hochschule befördert wurden.

Die DHBW gilt wegen ihrer streng dualen Ausrichtung als ein Erfolgsmodell. Drei Jahre Ausbildung im Betrieb, kombiniert mit dem Studium an der Hochschule waren bisher der Königsweg für den hauseigenen Führungsnachwuchs mittlerer aber auch großer Unternehmen im Südwesten. Am Ende steht ein Bachelor.

Die ganz jungen Bachelor wollen alle weitermachen

Aber die Anforderungen an die duale Hochschule haben sich geändert, berichtet Geilsdörfer. Ehe die Berufsakademie 2006 auf Bachelor umstellte, strebten drei Prozent ihrer Absolventen nach höheren akademischen Weihen an der Uni, inzwischen satteln Geilsdörfer zufolge zehn Prozent einen Master drauf. In den Ingenieurswissenschaften seien es sogar 30 Prozent. Und von denen, die nun neu anfangen und die vielleicht schon im Alter von 20 Jahren Bachelor sind, wollen so gut wie alle weiterstudieren, sagt Geilsdörfer.

Auch die Unternehmen verlangten zunehmend nach einem Master von der DHBW. „Wir standen vor der Herausforderung dringend und schnell etwas zu tun. Täten wir nichts, wäre das Modell DHBW falsch“, beschreibt Geilsdörfer die Situation. Schließlich wollten die Unternehmen nicht, dass ihre DHBW-Studenten weggehen, um weiterzustudieren. Also wurde ein duales Masterprogramm entwickelt – streng praxisorientiert und berufsbegleitend. Mindestens ein Modul muss im Ausland absolviert werden. Zu den Alleinstellungsmerkmalen gehört das begleitende Kompetenzstudium – sei es zu Arbeitstechniken, zur Mitarbeiterführung oder zur Persönlichkeitsentwicklung. Jeder Student bekommt einen Tutor an die Seite gestellt, der entweder von der Hochschule oder dem Unternehmen kommt. 2500 Plätze hat das Wissenschaftsministerium genehmigt. Drei Jahre soll das Studium dauern und es ist als Weiterbildungsmaster voll kostenpflichtig.

Die DHBW rechnet mit bis zu 7000 Euro Kosten pro Master

Über den Solidarpakt, über den die Hochschulen zurzeit mit dem Ministerium verhandeln, „hätten wir das im Leben nicht finanzieren können“, stellt Geilsdörfer nüchtern fest. Die DHBW, die in den vergangenen Jahren hohe Zuwächse verbucht hat, ist schon froh, wenn das Land doppelt so viele ihrer Bachelorplätze wie bisher in die Regelfinanzierung übernimmt.

Die DHBW kalkuliert mit 6000 bis 7000 Euro Kosten für einen dualen Master der Sozialwissenschaften, im betriebswirtschaftlichen Sektor mit 15 000 bis 18 000 Euro und bei den Ingenieurwissenschaften mit bis zu 22 000 Euro. Am Anfang zumindest finanziere sich das nicht. Für den Einstieg steht die Dieter Schwarz Stiftung aus Neckarsulm gerade. Sie finanziert eine neue zentrale Mastereinrichtung, die als „Center of Cooperative Advanced Studies“ (CAS) in Heilbronn entstehen soll. Dort werden die Masterangebote gebündelt und weiterentwickelt. „Das ist, was wir immer wollten“, freut sich Geilsdörfer. Zudem sollen dort Kontaktstudien für die Absolventen der DHBW und anderer Hochschulen direkt nach dem Abschluss angeboten werden. Für die dualen Masterprogramme ist dagegen berufliche Erfahrung Voraussetzung. Auch die wissenschaftliche Weiterbildung soll im CAS zusammengefasst werden. In einem neuen Testzentrum werden die Zugangstests für das Studium und Eignungstests für die Unternehmen gemacht.

Der Ex-Minister Peter Frankenberg kehrt zurück

Einer der Gesellschafter der Stiftung ist der frühere langjährige Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Laut Geilsdörfer soll das CAS zum 1. Oktober 2014 gegründet werden. Geplant sei, die Hälfte der Studienmodule des dualen Masterprogramms in Heilbronn anzubieten, die andere Hälfte solle an den Standorten der DHBW im Land absolviert werden.

Nicht nur der DHBW-Präsident ist des Lobes voll über die gemeinnützige Stiftung. Auch die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) betont, „ohne die umfangreiche finanzielle Unterstützung der Stiftung wäre es nicht möglich gewesen, die zukunftsweisenden Hochschulvorhaben auf den Weg zu bringen“. Die Aufbauphase des CAS ist laut Bauer bis zum Jahr 2020 geplant. Danach solle sich das Zentrum aus Gebühren und Teilnehmerentgelten selbst finanzieren. Bis dahin übernimmt die Stiftung die Kosten.

Die Schwarz Stiftung nimmt keinen Einfluss

Bedenken, dass der Stifter auf die Programme Einfluss nehmen könnte, haben weder Bauer noch Geilsdörfer. Der Präsident verweist auf die bisherige Zusammenarbeit, auch auf Stiftungsprofessuren. „Es gab und gibt keinerlei Einflussnahme“, betont Geilsdörfer. Auch Bauer erklärt, es verdiene „höchste Anerkennung, dass die Stiftung stets die wissenschaftliche Unabhängigkeit respektiere und keinen Einfluss auf hochschulinterne Angelegenheiten nehme“. Auch auf die Angebote wirkt sich der Geldgeber nicht aus. Nicht etwa Logistik oder Einzelhandel stehen bei den Masterprogrammen ganz oben: „Wir werden bevorzugt technische Masterstudiengänge anbieten“, sagt Geilsdörfer.

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