Duden-Verlag Im Online-Duden wird künftig gegendert

Im Online-Duden soll künftig auch gegendert werden. Foto: imago images/Stefan Zeitz
Im Online-Duden soll künftig auch gegendert werden. Foto: imago images/Stefan Zeitz

Auch im Online-Duden soll künftig gegendert werden. Das gab der Duden-Verlag am Donnerstag in Berlin bekannt. So gibt es beispielsweise für „Arzt“ und „Ärztin“ bereits je einen eigenen Beitrag.

Berlin - Das Online-Wörterbuch des Duden-Verlags soll in gendersensibler Sprache verändert werden. Alle rund 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen sollten in der Weise geändert werden, dass es künftig statt eines Wortartikels zwei gibt, einen für die männliche und einen für die weibliche Form, bestätigte der Verlag am Donnerstag in Berlin. So gibt es beispielsweise für „Arzt“ und „Ärztin“ bereits je einen eigenen Beitrag. Zuerst hatte „Die Welt“ über entsprechende Änderungspläne berichtet. Mehrere Sprachwissenschaftler kritisierten die neuen Worteinträge und eine einseitige Ausrichtung der Duden-Redaktion.

Im Online-Duden ist ein Mieter nicht mehr „jemand, der etwas gemietet hat“, sondern eine „männliche Person, die etwas gemietet hat“. Ein Schüler wird definiert als „Junge, Jugendlicher, der eine Schule besucht“. Damit verschwindet faktisch das sogenannte generische Maskulinum bei Personenbezeichnungen von der Website www.duden.de. Ein „generisches Maskulinum“ ist ein Wort, das eine geschlechtsneutrale Bedeutung hat und sich auf Männer und Frauen gleichermaßen bezieht.

Potsdamer Linguist übt Kritik

Die sukzessive Überarbeitung des Online-Duden solle noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, so der Verlag. Zur Begründung gab der Duden-Verlag dem Bericht zufolge unter anderem an: „Die männlichen Formen waren nie geschlechtsneutral, wir präzisieren im Rahmen der kontinuierlichen redaktionellen Arbeit an unseren Inhalten lediglich die Bedeutungsangaben.“

Der Potsdamer Linguist Peter Eisenberg bezeichnet die neuen Worteinträge in der „Welt“ als „Irreführung des Lesers“. Wörter wie Mieter, Arzt, Schüler seien alle sowohl spezifisch männlich als auch generisch, also geschlechtsneutral verwendbar. Von der Sprachgemeinschaft würden sie auch so gebraucht. Die neuen Definitionen seien falsch, so Eisenberg. „Und das weiß der Duden auch.“

Auch die Münchner Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Leiss kritisierte das Umschreiben der Definitionen scharf. Es sei grotesk und absolut unverantwortlich zu behaupten, Wörter wie Schüler, Arzt oder Mieter hätten keine geschlechtsabstrahierende Bedeutung, sagte sie der Zeitung. Die Duden-Redaktion sei dem „aktuellen Gender-Unsinn“ offenbar vollends verfallen. Ewa Trutkowski, Sprachwissenschaftlerin an der Freien Universität Bozen, erklärte, die geänderten Definitionen bildeten nicht die sprachliche Realität ab. Der Duden unterschlage wesentliche Bedeutungsaspekte dieser Hauptwörter.

Duden-Pressesprecherin kontert

Eisenberg und Trutkowski sehen im Agieren der Duden-Redaktion einen Kampf gegen das generische Maskulinum. „Die Redaktion versucht, in der Öffentlichkeit das generische Maskulinum zu dezimieren. Nichts anderes passiert hier“, sagte Eisenberg. Mit dem Online-Wörterbuch versuche man nun, den allgemeinen Sprachgebrauch zu beeinflussen. Die Bozener Linguistin äußerte sich der „Welt“ gegenüber ähnlich. Der Duden missbrauche seine ihm häufig zugeschriebene Deutungs- und Definitionshoheit über die deutsche Sprache, um eine wissenschaftlich einseitige Sichtweise zu propagieren und die generische Lesart maskuliner Nomen formal verschwinden zu lassen, sagte sie.

„Der Dudenverlag orientiert sich in seinen Entscheidungen konsequent am allgemeinen Sprachgebrauch“, sagte dagegen Duden-Pressesprecherin Nicole Weiffen auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd). Das generische Maskulinum werde immer stärker hinterfragt, als nicht mehr zeitgemäß empfunden und häufig präzisiert durch Doppelformen wie „Ärztinnen und Ärzte“. Zahlreiche Studien belegten, dass das grammatisch maskuline Geschlecht im Deutschen bei Personen nicht geschlechtsneutral sei. Die generische Verwendung des Maskulinums werde auf duden.de auch nicht abgestritten, sie sei aber „nicht Bestandteil der lexikografischen Kategorie Bedeutung“.

Ob auch das gedruckte Wörterbuch gegendert werden soll, ist nach Angaben des Duden-Verlags noch nicht entschieden. Das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache, herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, bleibt ebenso beim generischen Maskulinum wie der Online-Wortschatz „Owid“ des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache und das Wörterbuch Wahrig.




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