Dürre im Kreis Ludwigsburg Extremhitze schwächt Bäume

Bernhard Binder von der Freiberger Stadtgärtnerei bringt einen Wassersack an einem jungen Baum an. Foto: Werner Kuhnle

Im Landkreis Ludwigsburg wird es wieder heiß. Was können Menschen tun, um Bäume vor Dürre und Folgeschäden zu bewahren?

Ludwigsburg: Oliver von Schaewen (ole)

Schon wieder klettert das Thermometer am Mittleren Neckar in die Nähe der 40-Grad-Marke. Nicht nur für die Menschen bedeutet die Extremhitze vielerorts eine Qual, auch die Bäume im Landkreis Ludwigsburg leiden unter dem Druck. Als Folge des Hitzestresses drohen später Krankheiten und Fällungen. Gefragt sind daher nachhaltige Strategien im Umgang mit den Pflanzen, die in den Städten Schatten spenden und ihre Umgebung abkühlen.

 

Die Trockenheit ist in diesem Jahr so groß, dass die Baumschule Müller in Poppenweiler zum ersten Mal ihre Bäume auf dem Feld bewässern muss. „Bisher haben wir den Boden immer so locker halten können, dass eine Bewässerung nicht nötig war“, erklärt die Geschäftsführerin Carolin Averhagel. In dieser Woche werde man erstmals mit einem Wasserfass junge Bäume gießen, deren Wurzeln zu kurz sind, um in der Tiefe auf Nass zu stoßen. Die Baumschule werde wohl langfristig in Leitungen für eine Bewässerung investieren.

Mediterrane Gewächse rücken zunehmend ins Sortiment

Der Klimawandel verändere auch das Angebot der Baumschule, berichtet Carolin Averhagel. Mitteleuropäische Arten wie der Spitzahorn oder die Linde seien hitzeempfindlich. Bäume wie etwa der Japanische Schnurbaum oder mediterrane Gewächse rückten zunehmend ins Sortiment. Diese Gewächse bräuchten weniger Wasser. Bäume gegen Hitze wenigstens ein bisschen zu schützen sei mit einem weißen Anstrich des Stammes möglich. „Direkt hinter der Rinde kann es bis zu 50 Grad heiß werden, das wäre auch für uns Menschen kritisch.“ Das Baumweiß bringe etwa 10 Grad weniger. Beim Gießen sollte man Tröpfchenleitungen nehmen und nicht mit der Gießkanne schnell auf die Erde schütten. „Das ausgegossene Wasser würde zu schnell wieder verdunsten.“

Wenige Kilometer von der Baumschule in Poppenweiler entfernt wacht Stefan Erb darüber, dass Bäume in der Stadt Freiberg an der richtigen Stelle gepflanzt werden. Erb ist Leiter der Stadtgärtnerei und hat schon die Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 hautnah erlebt. „Wir mussten in den Folgejahren einige Dutzend Bäume fällen, die in Folge der Dürreschäden krank geworden waren.“ Dieses Jahr sei wohl genauso schlimm. Buchen und Ebereschen zählten zu den empfindlichen Sorten. Beim Kauf neuer Bäume folge die Stadt dem Rat der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (Galk). Gute Erfahrungen habe man mit dem Ginkgo und dem Hopfenbuche gesammelt. „Bei der Auswahl kommt es immer auf den Standort an: An den Straßen gibt es oft nicht viel Fläche.“

Ein wichtiges Mittel, um Bäume in Städten und Gemeinden vor dem Austrocknen zu bewahren sind Wassersäcke. Die Behälter mit 60 Litern laufen sehr langsam innerhalb von ein bis zwei Stunden aus und halten den Boden leicht angefeuchtet. So kann Gießwasser leichter eindringen. Etwa 200 der grünen Säcke werden zum Beispiel von der Stadt Bietigheim-Bissingen schon seit Jahren eingesetzt, berichtet Pressesprecherin Anette Hochmuth. Auch der Bauhof in Murr nutzt die Baumbäder. „Wir schützen damit vor allem Jungpflanzen“, erklärt der Bürgermeister Torsten Bartzsch. Die Verwaltung der 6700-Einwohner-Gemeinde kämpfe um jeden Baum, auch wenn sich Bürger an den Pflanzen störten und Fällungen verlangten. Die Kommune führe ein Baumkataster.

Bäume im Wald verlieren frühzeitig ihr Laub

Im Forst des Kreises Ludwigsburg seien die Folgen der Extremhitze noch nicht absehbar, teilt Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamtes Ludwigsburg, mit. „Bei den vergangenen Trockenphasen hatten vor allem Fichten und Buchen Probleme.“ Baumarten wie etwa Eichen, Kirschen und Kiefern würden als klimaresilienter gelten. „Einige Laubbaumarten verlieren bei großer Trockenheit vorzeitig ihr Laub und versuchten so, die Verdunstung zu reduzieren.“ Dies sei bereits bei vielen Bäumen zu erkennen.

Vorzeitig falle derzeit nicht nur das Laub, sondern auch Äpfel von den Bäumen der Streuobstwiesen, berichtet Bernd Gemmrich, Vorstandsmitglied des Streuobstvereins Beilstein-Ilsfeld-Oberstenfeld. Er schätzt die bleibenden Dürreschäden der rund 11000 Obstbäume auf zehn Prozent. „Wenn noch weitere Jahre so trocken sind, werden 50 Prozent der Bäume, vor allem in den besten Südlagen, kaputtgehen.“

Die Stabsstelle Umwelt- und Klimaschutz der Stadt Kornwestheim rät aufgrund der Knappheit des Grundwasserstandes nur mit aufgefangenem Wasser und dann nur Nutzpflanzen zu bewässern. Sollten die Regentonnen bereits leer sein, könne auch Wasser im Haushalt aufgefangen werden, das nicht, etwa durch Spülmittel, verunreinigt wurde. Dauerhaft können auch größere Wasserauffangsystem Abhilfe schaffen.

Der BUND im Kreis Ludwigsburg fordert vom Landratsamt und den Kommunen, das Grundwasser noch besser zu schützen. „Die Menschen sollen auf Rasenbewässerung verzichten“, teilt der Kreisvorsitzende Stefan Flaig mit. Der Schutz lokaler Wasserreserven für die Notversorgung werde immer wichtiger. Die 31 Wasserschutzgebiete im Kreis sollten konsequent geschützt werden.

Wasserentnahme ist verboten

Gewässer
 Das Landratsamt Ludwigsburg hat angesichts der Trockenheit die Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern verboten. Der Wasserstand in Bächen, Flüssen und Seen sei niedrig. Das wirke sich auf die Selbstreinigungskraft aus. Für Tiere und Pflanzen sei dies bedrohlich.

Ausnahmen
 Ausgenommen sind alle Wasserkraftanlagen, Wärmepumpen- und sonstige Wassernutzungsanlagen, die das entnommene Wasser nach Gebrauch wieder in das Gewässer einleiten. Auch der Neckar mit Kraftwerkskanälen und die Rems sowie der Gründelbach ab der Kläranlage Eglosheim sind ausgenommen.

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