Duftstoffe bei Haustieren Darum lieben Katzen Minze

Katzenminze hat einen euphorisierenden Effekt auf Katzen. Foto: imago stock&people/imago stock&people

Katzen flippen bei Katzenminze regelrecht aus, schnuppern und reiben sich das Köpfchen daran oder wälzen sich wild darin herum. Was das mit Endorphinen zu tun hat, und welche Schlüsse der Mensch daraus ziehen kann – ein Überblick.

Stuttgart - Katzen haben eine Schwäche für Katzenminze, eine zu den Lippenblütern gehörende Pflanze. Sie flippen vor Begeisterung regelrecht aus, wenn sie diese Pflanze riechen. Sie wälzen sich in ihren silbergrauen oder leuchtend-grünen Blättern und reiben den Kopf daran. Das ist auch Herstellern von Katzennahrung und -spielzeug nicht entgangen. Worauf eine Katze „abfährt“, das kauft man ihr gerne und ist bereit, auch etwas mehr dafür zu bezahlen.

 

Es gibt zum Beispiel Spielzeug, gefüllt mit getrockneten Blättern der Katzenminze und des Silberweins (stammt aus der Familie der asiatischen Strahlengriffelgewächse), an dem sich das Tier in einen euphorischen Zustand reibt. Das ist dann auch als Ablenkung in Stresssituationen gut geeignet, zum Beispiel für den Tierarztbesuch oder wenn der Besuch einen Hund mitbringt. Zum anderen wird Katzenminze auch in Nassfutter verarbeitet: Huhn, Pute, Fasan mit Katzenminze als i-Tüpfelchen – das füllt den Magen und wird wohl auch von sehr wählerischen Katzen gerne gefressen.

Pflanzenstoffe schützen

Aber warum ist Katzenminze bei Katzen so beliebt? Der euphorisierende Effekt von Katzenminze auf Katzen ist schon länger bekannt. Ähnliche Effekte gibt es auch bei anderen Pflanzen. In Japan wurde bereits vor Jahrhunderten eine Pflanze als Rauschmittel für Katzen eingesetzt. Sie heißt Matatabi, ist bei uns auch als Silberwein oder als Japanischer Strahlengriffel bekannt. Sie hat denselben Effekt wie Katzenminze. Doch was macht diese Pflanzen für Katzen so begehrlich, was löst sie in ihnen aus?

Ein Team japanischer Forscher und Forscherinnen unter Leitung von Reiko Uenoyama von der Iwate Universität ging dem nach. Es wollte genau wissen, warum Katzen so verrückt nach diesen Pflanzen sind. Die Forscher führten Experimente mit 25 Hauskatzen und 30 wilden Katzen durch. Es zeigte sich, dass die berauschende Wirkung bei Silberwein durch den Inhaltsstoff Nepetalactol und bei der Katzenminze von Nepetalacton ausgelöst wird. Die Ähnlichkeit der Namen ist kein Zufall. Beide Substanzen unterscheiden sich chemisch nur geringfügig, beide sind leicht flüchtig und gehören zu den Duftstoffen. Wissenschaftler bezeichnen sie als Iridoide.

Katzenminze sorgt nicht nur für Hochstimmung

Diese kommen beispielsweise auch in Spitzwegerich, Baldrian und Teufelskralle vor. Sie schützen die Pflanzen wegen ihres bitteren Geschmacks und ihrer giftigen Wirkung vor Fressfeinden, Bakterien und Pilzen. Bei Katzen aktivieren diese Duftstoffe einen sogenannten Opioidrezeptor – sie wirken also berauschend. Bei Versuchen mit Hunden und Mäusen zeigte sich übrigens kein Effekt.

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Dafür verfallen nicht nur die gemeinen Hauskatzen der Minze. Auch europäische Luchse und Jaguare sowie Amurleoparden finden die Pflanzen laut den Studienergebnissen sehr ansprechend. Blutuntersuchungen ergaben, dass Katzenminze und Silberwein den Endorphinspiegel ansteigen lassen – bei Silberwein sogar noch höher als bei Katzenminze. Endorphine sind körpereigene Hormone, die je nach Situation ausgeschüttet werden und Hochgefühle erzeugen. Man nennt sie auch Glückshormone.

Katzenminze ist aber nicht nur gut für die Stimmung der Tiere. Es kann ihnen auch Stechmücken und andere Insekten vom Leib halten. Diese mögen nämlich keine Katzenminze. In Verhaltensexperimenten konnten schwedische und amerikanische Biologen zeigen, dass Katzen, die mit Katzenminze in Berührung gekommen waren, auch Ameisen, Drosophila-Fliegen, Gelbfiebermücken und Malariamücken auf Abstand halten. Beim in Katzenminze enthaltenen Stoff Nepetalacton konnten die Forscher zeigen, dass es einen bestimmten Rezeptor auf den Nervenzellen von Stechmücken aktivieren kann. Daraus entsteht wiederum ein Schmerzreiz. Das bedeutet, der Kontakt mit Katzenminze und Silberwein ist für die Stechmücken schmerzhaft. Also machen sie einen großen Bogen um alles, was entsprechend duftet.

Der Mensch hat einen Wasabi-Rezeptor

Menschliche Nervenzellen haben ebenfalls diesen Schmerzrezeptor. Er reagiert bei uns auf Bestandteile scharfer Gewürze wie zum Beispiel Wasabi und wird deshalb auch Wasabi-Rezeptor genannt. Der Stoff Nepetalacton kann ihn aber nicht aktivieren. Der Kontakt mit Katzenminze und Silberwein bereitet uns deshalb keine Schmerzen. Die Industrie könnte von dieser Entdeckung profitieren: Ein Katzenminze-Extrakt oder ein Nepetalacton-Präparat wären womöglich eine günstige Alternative zu chemischen Insektenvernichtungsmitteln. In Ländern mit vielen Stechmücken, die auch noch Krankheiten übertragen, könnte dies interessant sein.

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