Göppingen - Nachdem die CDU-Fraktion im Göppinger Gemeinderat beantragt hat, die Machbarkeit einer Seilbahn vom Bahnhof zur Klinik am Eichert zu prüfen, ist das Thema Stadtgespräch. Vor allem in sozialen Medien wird leidenschaftlich über den Antrag diskutiert, die Meinungen reichen von „Aprilscherz“ bis „richtig gute Idee“. Dabei ist das Thema gar nicht so neu, immer wieder mal wurde über Seilbahnen in Göppingen diskutiert, auch der Vorschlag, Gondeln zum Eichert fahren zu lassen, ist schon älter. Und im näheren Umkreis gibt es noch mehr Seilbahnpläne.
Nicht weit von Göppingen gab es schon Ende der 1920er-Jahre eine Seilbahn: Sie wurde betrieben von den Holzheimer Jura-Ölschieferwerken und führte vom Kornberg nach Dürnau. Mit den Gondeln wurde gebrochener Kalkstein zur Verladestelle der Boller Bahn transportiert. 1965 wurde unweit von Weißenstein, in Degenfeld, der erste Sessellift der Schwäbischen Alb gebaut. Er brachte Skifahrer und Wanderer aufs Kalte Feld, vor knapp 20 Jahren wurde die Anlage abgerissen.
Auch ein Sessellift auf den Hohenstaufen ist diskutiert worden
Keine Chance auf Verwirklichung hatte hingegen die Idee aus dem Jahr 1969, den Hohenstaufen im Winter von Ottenbach aus mit einem Schlepplift zu erschließen. Der damalige Landrat Paul Goes hatte das Projekt als „Unfug“ bezeichnet, der Albverein und viele Privatpersonen liefen Sturm. Immer wieder wurde auch über einen Sessellift auf den Hohenstaufen diskutiert. 1977 tauchte die Idee als Aprilscherz in der NWZ auf, erst 2009 beschäftigte sich der Kreistag ernsthaft damit. Doch der damalige Landrat Franz Weber beendete die Diskussion mit den Worten: „Damit fangen wir gar nicht erst an.“
Schon ein Jahr später flammte die Debatte aber erneut auf, eine Interessengemeinschaft wollte die Burg auf dem Hohenstaufen rekonstruieren und mit einem Sessellift von Maitis aus erschließen. Das Projekt wurde nie verwirklicht, auch als 2015 wieder über einen Lift auf den Göppinger Hausberg diskutiert wurde, hieß es seitens der Stadt: „Da der Hohenstaufen ein Naturdenkmal ist, kommt eine in Bayern gängige Lösung, nämlich die Erschließung mittels Lift, allerdings wohl nicht in Frage.“
Die Debatte hat schon im Oktober 2020 Fahrt aufgenommen
Nun soll nach dem Willen der CDU-Fraktion also eine Gondelbahn zur Klinik am Eichert geprüft werden. Die Idee tauchte erstmals in einem Leserbrief von Walter Hauke vom Nabu auf: „Mit einem intelligenten Verkehrsleitsystem an den Einfallstraßen und gleichzeitigem Ausbau des Parkhauses kann der gesamte Verkehr bestimmt positiv gelenkt werden“, erklärte er im Juni 2018 zu einer Seilbahn auf den Eichert. Andere Leserbriefschreiber pflichteten ihm bei: „Eine einmalige Attraktion, die der Stadt gut zu Gesicht stehen würde“, meinte einer. Ein anderer schrieb: „Eine Seilbahn Klinik - Bahnhof wäre die Zukunft.“
Die Debatte nahm etwas Fahrt auf, als OB-Kandidat Stefan Horn bei einer Diskussionsrunde in der Kunsthalle im Oktober 2020 ebenfalls für die Bahn plädierte. Die CDU hat den Antrag nun eingebracht, der frühere Grünen-Stadrat Horn schrieb dazu gestern auf Facebook: „Ich freue mich, dass die CDU-Fraktion im Göppinger Gemeinderat mir im Wahlkampf gut zugehört hat.“
Zum Stuttgarter Waldfriedhof fährt seit Jahrzehnten eine Standseilbahn
Während die Diskussion in Göppingen erst begonnen hat, sind andere Kommunen schon weiter: Die Stadt Stuttgart hat bereits eine Machbarkeitsstudie erstellt, bis 2017 könnte eine 3,5 Kilometer lange Bahn im Stadtteil Vaihingen fertiggestellt sein. Zum Waldfriedhof fährt bereits seit Jahrzehnten eine Standseilbahn, wie auch in Künzelsau. Diese wurde 1999 eingeweiht. Die einen Kilometer lange „Künzelsauer Bergbahn“ verbindet die Kernstadt mit einem Neubaugebiet.
Pläne für eine innerstädtische Gondelbahn gibt es in Heidenheim. Hier wird überlegt, den Schlossberg – auch auf ihm steht eine Klinik – mit einer klassischen Seilbahn zu erschließen, OB Bernhard Ilg hält das für realistisch.
Ein weitaus größeres Projekt ist eine mögliche Seilbahn zwischen Oberkochen bei Aalen und Heidenheim. So will man die Verkehrssituation zwischen den beiden Städten in den Griff bekommen. Der Regionalverband Ostwürttemberg hat sich inzwischen der Sache angenommen, die Verantwortlichen haben bereits einen Mobilitätspakt unterzeichnet – und eine Schweizer Spezialfirma lotet die Machbarkeit aus.