Als erster Hersteller weltweit bekommt Daimler die Zulassung für hochautomatisiertes Fahren. Auf der Autobahn bis Tempo 60 kann der Fahrer die Hände vom Steuer nehmen.

Korrespondenten: Markus Grabitz (mgr)

Stuttgart - Als erster Hersteller weltweit bekommt Daimler von den Behörden die Genehmigung für das hochautomatisierte Fahren. Bis Juli werden die ersten S-Klassen mit Drive-Pilot-Funktion an Daimler-Kunden in Deutschland ausgeliefert. Auch die batterieelektrische Variante des Topmodells, der EQS, ist weniger Monate später mit der Technik zu haben.

Weltpremiere

Das ist eine Weltpremiere für die Marke mit dem Stern: Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat als weltweit erste Zulassungsbehörde überhaupt das Daimler-System zertifiziert und damit den Weg dafür bereitet, dass Daimler den Drive Pilot auch auf Auslandsmärkten anbieten kann. „Als erster Hersteller geht bei uns hochautomatisiertes Fahren in Deutschland in Serie“ freut sich Technik- und Entwicklungsvorstand Markus Schäfer.

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Damit erreicht Daimler auf der fünfstufigen Skala hin zum autonomen Fahren Level drei und legt einen kräftigen Sprung in die Zukunft hin: Erstmals kann der Fahrer auf Stufe drei die Verantwortung für begrenzte Zeit komplett an das System abgeben. Er kann etwa bei der Fahrt auf der Autobahn bis Tempo 60 die Hände vom Lenkrad lösen. Er kann seinen Blick und die ganze Aufmerksamkeit auf einen zweiten Bildschirm richten und dort etwa einen Film verfolgen, Mails bearbeiten oder online einkaufen gehen. Level drei bedeutet auch eine Zäsur beim Haftungsrecht. Daimler muss sich seiner Sache sehr sicher sein. Wenn Daimlers S-Klasse im Drive-Pilot-Modus unterwegs ist, haftet künftig nicht mehr der Fahrer bei einem Unfall, sondern der Autokonzern. Der Bordcomputer speichert jeweils ab, wer gerade die Kontrolle über das Auto hat, der Roboter oder der Fahrer. Schäfer versichert: „Datensicherheit hat für uns oberste Priorität, wir sind gegen Cyberangriffe bestens gewappnet.“

Zunächst nur in Deutschland unterwegs

Der Drive-Pilot erlaubt zunächst das hochautomatisierte Fahren bis zu Tempo 60 auf dem 13 191 Kilometer langen Netz der deutschen Bundesautobahnen. Konkret heißt das: Im Stau, bei zähflüssigem Verkehr und im Stop-and-Go-Modus kann der Fahrer die Verantwortung abgeben. Wenn der Drive-Pilot aktiv ist, regelt das System das Tempo, den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und hält die Spur. Wenn die Fahrsituation zu komplex wird, etwa weil Starkregen die Sicht behindert, bekommt der Fahrer das Signal zum Eingreifen. Übernimmt er nicht, etwa wegen eines Schwächeanfalles, bremst das Auto automatisch ab.

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Daimler muss die neue Technik nun für jedes Land neu zertifizieren lassen. Schäfer: „Mit der erstmaligen Erteilung der Zulassungsvorschrift UN-R157 haben wir aber einen großen Schritt erreicht.“ Man bemühe sich unter Hochdruck darum, auf den wichtigsten Auslandsmärkten ebenfalls die rechtliche Zulassung zu bekommen. In China und in den USA, wo die Luxusklasse von Daimler besonders häufig gekauft wird, rechne er Ende nächsten Jahres mit der Zulassung. Zu Aufpreis und Stückzahl, mit der der Drive-Pilot in Serie gehen soll, verrät Schäfer noch nichts. Er glaubt aber an eine hohe Nachfrage: „Wir rechnen mit einer hohen Kaufbereitschaft des technikaffinen Publikums.“ Beim überdimensionalen Hyperscreen, der in der S-Klasse und im EQS angeboten wird, habe Daimler die Nachfrage völlig unterschätzt: „Der Hyperscreen ist völlig überbucht.“