Duschgel aus Kirchheim Whisky verwöhnt nicht nur von innen

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Die Kosmetikerin Bettina Scherer und die Destillerie Gruel bringen gemeinsam ein Duschgel auf den Markt, das aus Whiskey hergestellt wird.

Whisky kann man nicht nur trinken - auch zum Herstellen von Duschgel eignet er sich. Foto: Zweygarth
Whisky kann man nicht nur trinken - auch zum Herstellen von Duschgel eignet er sich. Foto: Zweygarth

Kirchheim - Menschen, die sich gerne einen edlen Whisky die Kehle hinunter rinnen lassen, sollten beim Lesen des nun folgenden Satzes nicht gleich aus dem Fenster springen: Die Kirchheimer Kosmetikerin Bettina Scherer hat ein Duschgel auf den Markt gebracht, das unter Verwendung eines fünf Jahre gereiften Single Grain hergestellt wird. Da gewinnt der gemeinhin abfällig gebrauchte Begriff, „das kannst du dir in die Haare schmieren“ eine gegensätzliche Bedeutung. Denn wer sich den Körper oder den Schopf mit dem Produkt einseift, gönnt sich laut der Erfinderin des „Freaky Nature Mix“ eine „reine, naturbelassene und ökologische“ Körperpflege ohne den Zusatz von Parfüm, Aromen und Farbstoffen. Auch Konservierungsstoffe seien nicht verwendet worden, sagt Bettina Scherer, der Alkohol mache das Produkt unbegrenzt lange haltbar.

Die Idee für die „beschwipste Duschkosmetik“, wie die 45-Jährige die Essenz selber nennt, sei eine spontane Eingebung gewesen. Schließlich würden auch Schnapswickel als probates Hausmittel eingesetzt. Außerdem sei es wieder schwer im Kommen, „Whisky zu genießen“, wenngleich sie selbst keinen Tropfen Alkohol trinke. Ein Jahr habe sie an der richtigen Mischung getüftelt, allein die beiden Wirkstoffe, die dafür sorgten, dass das Gel trotz der Alkoholzugabe nicht wässrig werde, hätten 2000 Euro gekostet.

Die Note des Whiskys verflüchtigt sich schnell

Als Partner hat sie die Owener Whisky-Destillerie Gruel gewonnen, die für das Duschgel ihren „Tecker Single Grain 5 Years“ zur Verfügung stellt. Der Juniorchef Immanuel Gruel war von Bettina Scherers Idee schnell überzeugt: „Wir haben die Einstellung, reell zu arbeiten, und genau das hat sie auch rübergebracht.“ Damit, dass die edlen, fünf Jahre in Eichenfässern gereiften Tropfen vom Körper abgespült werden und schließlich im Abwassersystem verschwinden, habe er kein Problem. Wenn zwei hochwertige Produkte gemischt würden, komme dabei etwas Hochwertiges heraus, sagt der 24-Jährige. Ob das dann im Rachen oder auf der Haut lande, sei letztlich egal. Sein Großvater, der Firmengründer Christian Gruel, hat dazu offenbar keine Meinung. „Er enthält sich zu diesem Thema“, sagt sein Enkel.

Wieviel des edlen schwäbischen Teckers in die Halbliter-Glasflasche wandern, geben Bettina Scherer und Immanuel Gruel jedoch nicht preis, das sei ein „Betriebsgeheimnis“. Wer sich mit dem Whisky-Duschgel gewaschen hat, braucht sich übrigens keine Sorgen zu machen, bei einer eventuellen Polizeikontrolle in den Verdacht zu geraten, alkoholisiert hinter dem Steuer zu sitzen. Denn man duftet nach dem Waschen eher nach der „eleganten Vanillenote“ des für die Reifung verwendeten Bourbon-Fasses. Die Note des Whiskys verflüchtigt sich relativ schnell. „Darauf habe ich großen Wert gelegt“, erklärt Bettina Scherer, die in Kirchheim ein Kosmetikstudio betreibt. Schließlich solle lediglich die Kosmetik beschwipst sein, und nicht der Nutzer.

Bettina Scherer hat in den vergangenen Wochen und Monaten alle Zertifikate, Bescheinigungen und Prüfbescheide eingeholt, die benötigt werden, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Außerdem hat sie den „Freaky Nature Mix“ patentieren lassen, denn sie sei überzeugt, dass es sich um das erste und bisher einzige Duschgel mit echtem Whisky, ohne den Zusatz von Aromen handle. Auch für eventuelle Klagen großer Kosmetikkonzerne – das sei in der Branche durchaus üblich – sei sie gewappnet und habe vorsorglich bereits einen Fachanwalt konsultiert. Zunächst wird das Whisky-Shampoo im Gruelschen Hofladen und über die Internetadresse des Kosmetikstudios zu einem Preis von 29 Euro pro 500-Milliliter-Flakon verkauft. „Das ist erst der Anfang“, kündigt Bettina Scherer weitere Kosmetikprodukte an, die sie zusammen mit Immanuel Gruel herausgeben will. Welche genau, darüber hüllen sich die Geschäftspartner noch in Schweigen. Aber es darf durchaus davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um „Beschwipstes“ handelt.

 

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