Heute jubelt Mehicevic für den TSV Merklingen, es hätte fast für ganz oben gereicht. Foto: Andreas Gorr
Dass der TSV Merklingen nach der Hinrunde auf Rang vier in der Bezirksliga liegt, hat mit Dzanan Mehicevic zu tun, der die Torjägerliste mit 15 Treffern anführt.
Henning Maak
08.01.2026 - 10:00 Uhr
Vor der Saison hätte Uwe Eberhard sofort unterschrieben, wenn man ihm angeboten hätte, dass sein TSV Merklingen die Bezirksliga-Hinrunde auf dem vierten Platz beenden würde. Es war eine Rechnung mit mehreren Unbekannten: Der 33-Jährige, der als Trainer von der zweiten in die erste Mannschaft aufrückte, die in der Vorsaison den Klassenverbleib soeben noch im letzten Saisonspiel geschafft hatte.
In der ersten Hälfte der Vorrunde holperte es prompt gewaltig: Nach einem guten Auftritt beim Vorbereitungsturnier in Flacht und vier Punkten aus den ersten beiden Saisonspielen folgte eine Serie von sechs Partien mit fünf Niederlagen – mit einem 0:1 beim Tabellenvorletzten Croatia Bietigheim als Tiefpunkt. „Das Spiel mit dem Traumtor des Gegners hat in diese Phase gepasst“, weiß Coach Eberhard noch allzu gut.
Mehicevic-Show leitet die Wende ein
Wendepunkt war das 6:1 gegen das Schlusslicht TV Pflugfelden mit fünf Treffern von Dzanan Mehicevic. Obwohl erst 22 Jahre alt, führt der Merklinger Stürmer die Torjägerliste der Bezirksliga mit 15 Treffern an – und das kommt nicht von ungefähr. Der gebürtige Renninger begann das Kicken mit vier Jahren bei der SpVgg, wechselte in der F-Jugend zur SKV Rutesheim. Mit 13 Jahren folgte der Sprung in die U 14 der Stuttgarter Kickers, mit 15 in die U 16 von Eintracht Frankfurt. Er spielte in der U 17 und der U 19 für den Bundesliga-Nachwuchs und stand vor dem Sprung in den Profi-Kader, als ein Schlüsselbeinbruch seine Karriere stoppte.
Pflugfeldens Niko Kandler (li.) kassiert das 2:0 durch Mehicevic (Mi.) – doch der Torjäger hat noch nicht genug. Foto: Andreas Gorr
Als er wieder fit war, hatte ihm der Verein einen spanischen Stürmer vor die Nase gesetzt. Ein Angebot für die zweite Mannschaft lehnte er ab, auch Engagements in der zweiten griechischen und österreichischen Liga sowie in der Regionalliga (Schweinfurt 05) und Oberliga (Stuttgarter Kickers) zerschlugen sich. „Dann habe ich einfach entschieden, lieber mit meinem Bruder Belmin und Kumpels vor Ort zu kicken“, erklärt der 22-Jährige mit der eingebauten Torgarantie.
Viel Veränderung trotz wenig Veränderung
In den letzten sieben Spielen bis zur Winterpause holten die Merklinger 19 von 21 möglichen Punkten, nur beim TV Aldingen gab es ein glückliches 1:1 durch einen Mehicevic-Treffer in der Nachspielzeit. „Warum die erste Saisonhälfte so viel schwächer war als die zweite, lässt sich schwer erklären. Wir haben nicht viel verändert“, sagt Coach Eberhard. Einzige Änderung nach der Niederlage bei Croatia sei gewesen, dass man den Spielaufbau weiter nach vorne verschoben und mehr Akteure darin involviert habe.
Teamplayer: Mehicevic (li.) jubelt mit Emmanuel Garcia (re.). Foto: Andreas Gorr
„Mit der Zeit und den Ergebnissen sind dann Glaube und Selbstvertrauen größer geworden, und wir haben uns in einen Flow gespielt“, freut sich der Merklinger Trainer. Er betont, dass es auch nach den Niederlagen in Heimsheim (2:6) und Marbach (1:3), wo der Gegner besser gewesen sei, im Mannschaftsgefüge stets gestimmt habe. „Im Team stimmt es menschlich und fußballerisch, im Training waren nie weniger als 15 Spieler“, erläutert Uwe Eberhard.
Neues Personal macht Hoffnung für die Rückrunde
Der Coach hofft, dass die Mannschaft die zuletzt gezeigten Leistungen in der Rückrunde fortsetzen kann. Positiv stimmt ihn, dass in Kai Woischiski und Fabian Heim zwei länger angeschlagene Korsettstangen wieder voll mitmischen können und Jakob Wehl seinen Masterabschluss gemacht hat. Und natürlich setzt man beim TSV Merklingen auch auf weitere Treffer von Dzanan Mehicevic, der auch Teil des Mannschaftsrates ist.
Gegen Sebastian Pütz (TV Pflugfelden, Nummer 4) schirmt Mehicevic (re.) den Ball sicher ab. Foto: Andreas Gorr
„Er ist sowohl im eins gegen eins als auch mit dem Rücken zum Tor schwer zu stoppen, spielt aber mannschaftsdienlich gegen den Ball“, nennt Eberhard einige Vorzüge seines Top-Stürmers, auf den das Spiel des TSV ein Stück weit ausgerichtet ist. Aber auch dem erst 19-jährigen Emmanuel Garcia und Mehmet Onmaz, der rechts in der Viererkette Jakob Wehl vertreten hat, bescheinigt der Merklinger Coach eine starke Vorrunde.
Landesliga-Erfahrung für den TSV: Euron Beqiri (li.) kommt von der SKV Rutesheim. Foto: Andreas Gorr
Personell gibt es kaum Änderungen: Thomas Babel hängt die Kickschuhe an den Nagel, von der SKV Rutesheim kommt Euron Beqiri, der sich eine Klasse tiefer mehr Einsatzzeiten verspricht. Da bereits am 1. Februar das Derby beim TSV Münchingen ansteht, hat Coach Eberhard schon am 5. Januar zum Trainingsauftakt für die Rückrunde gebeten.