E-Autostrategie von Porsche Warum Porsche Batteriezellen in Tübingen fertigt

Porsche-Chef Oliver Blume bei der Weltpremiere des Taycan, dem ersten Elektroauto der Marke Porsche, im September 2019. Foto: AFP/Patrick Pleul

Der VW-Konzern und seine Stuttgarter Sportwagentochter wollen ihre E-Autopläne vorantreiben und sich bei Batteriezellen von Zulieferern aus Asien unabhängiger machen. Porsche-Chef Oliver Blume setzt dabei auch eigene Akzente.

Nachrichtenzentrale: Andreas Schröder (sö)

Stuttgart - Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche will in Tübingen eine Fabrik zur Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos bauen. „Die Batteriezellen sind eine Kerntechnologie für die deutsche Autoindustrie, die wir auch im eigenen Land haben müssen“, sagte Porsche-Chef Oliver Blume im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Das gelte sowohl für die Entwicklung als auch die Fertigung. Porsche wolle dabei eine Pionierrolle einnehmen, so Blume.

 

Bisher vor allem auf Zulieferer angewiesen

Zwar werde Porsche auch Batterien vom Volkswagen-Konzern beziehen, aber zusätzlich werde es ein Segment für Hochleistungszellen geben. „Das ist eine Porsche-Domäne. Genauso wie wir Hochleistungsverbrennungsmotoren entwickelt haben, wollen wir jetzt bei den Hochleistungsbatterien ganz vorn sein“, sagte der Porsche-Vorstandschef.

Bisher sind die deutschen und europäischen Automobilbauer, die ihre Strategie für die kommenden Jahre im Kern auf den Verkauf von elektrisch und -teilelektrisch betriebenen Fahrzeugen ausgerichtet haben, vor allem auf Zulieferungen asiatischer Produzenten angewiesen. Viele Zulieferer und Autobauer scheuen wegen hoher Investitionen den eigenen Einstieg in die Zellfertigung von Batterien, die technische Grundlage für Auto-Akkus.

VW will bis 2030 sechs Batteriezellfabriken bauen

VW-Chef Herbert Diess will dies, wie berichtet, für seinen Konzern ändern und in Europa bis zum Jahr 2030 insgesamt sechs Batteriezellfabriken bauen, um den Bedarf an Akkus zu decken. Eine dieser Fabriken in Salzgitter soll die sogenannte Einheitszelle liefern, mit der VW kostensparend seine Massenmodelle ausstatten will. Mit dem Batterie-Start-up Northvolt entsteht darüber hinaus im nordschwedischen Skellefteå ein Werk für Hochleistungszellen.

Ein weiteres davon ist nach den Worten Blumes nun in Tübingen geplant. Gerüchte dazu gibt es bereits seit Monaten. So hat Porsche dazu, wie von unserer Zeitung berichtet, dem Vernehmen nach bereits das Tübinger Gemeinschaftsunternehmen Cellforce Group GmbH mit der Fraunhofer-Ausgründung Customcells aus dem norddeutschen Itzehoe gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen soll demnach Lithium-Ionen-Zellen für Fahrzeuge der Oberklasse herstellen. Der seit Herbst 2019 produzierte Taycan ist das erste Elektroauto der Marke Porsche.

35 Milliarden Euro für die E-Mobilität

Niedersachsens Ministerpräsident und Volkswagen-Aufsichtsratsmitglied Stephan Weil hatte neben Salzgitter ein weiteres Zellwerk in Deutschland gefordert und eine Fabrik an der norddeutschen Küste ins Spiel gebracht. Darüber hinaus werden auch der spanischen VW-Tochter Seat gute Chancen eingeräumt, einen Batteriestandort nach Spanien zu holen. Volkswagen hatte weitere Standorte neben Salzgitter und Skellefteå bisher offengelassen.

Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Wolfsburger ihre allgemeine Planung für die nächsten fünf Jahre vorgestellt. Ein Kernpunkt sind Investitionen in Höhe von 35 Milliarden Euro nur für die Elektromobilität - zusammen mit Ausgaben für Vernetzung und Digitalisierung ist eine Summe von 73 Milliarden Euro veranschlagt.

VW-Antwort auf Teslas Pläne

Die von VW angekündigten Investitionen gelten auch als Antwort auf die Pläne des US-Rivalen Tesla. Dessen Chef Elon Musk hatte erklärt, dass sein neues E-Auto-Werk bei Berlin die weltgrößte Batteriefabrik werden solle. Volkswagen führt ab 2023 nun auch einen einheitlichen, eigenen Zelltyp ein. Das soll helfen, die Vielfalt der verwendeten Einzelvarianten zu verringern. Die Batteriekosten könnten dann auch für Einsteigermodelle „schrittweise um bis zu 50 Prozent“ sinken. Außerdem will Volkswagen mit Energie- und Mineralölkonzernen das öffentliche Ladenetz für Elektroautos in Europa vergrößern. Bis 2025 sollen gut 18 000 Schnellladepunkte in Europa betrieben werden.

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