E-Mobilität bei Daimler Betriebsrat fordert Batterieproduktion in Untertürkheim

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Das Daimler-Werk in Stuttgart-Untertürkheim hängt am Verbrennungsmotor. Die Arbeitnehmervertreter suchen Wege, um die Arbeitsplätze am Standort im Zeitalter der E-Moblität zu sichern.

Untertürkheim ist das Herz der Motorenproduktion von Daimler. Foto: MediaPortal Daimler AG
Untertürkheim ist das Herz der Motorenproduktion von Daimler. Foto: MediaPortal Daimler AG

Stuttgart - Der Betriebsrat des Mercedes-Benz-Motorenwerkes in Stuttgart-Untertürkheim strebt an, dass künftig auch am hiesigen Standort Batterien für Elektroautos gefertigt werden. „In der Belegschaft wird erwartet, dass das Unternehmen die Investitionen am Batteriestandort Kamenz nochmals prüft und auch Kapazitäten für die Produktion von Batterien in Untertürkheim schafft“, sagte Betriebsratschef Wolfgang Nieke im Anschluss an eine Betriebsversammlung, die gut fünf Stunden gedauert hat und an der mehr als 5000 Mitarbeiter aus dem Stuttgarter Werk teilgenommen haben. „Die Beschäftigten am Standort Untertürkheim haben bisher immer eine hohe Flexibilität gezeigt und haben die von den Fahrzeugwerken angeforderten Getriebe, Motoren und Achsen immer pünktlich geliefert. Deshalb erwarteten Belegschaft und Betriebsrat jetzt auch, dass das Werk Untertürkheim in Zukunft Batterien und elektrifizierte Antriebsstränge in die Fahrzeugwerke liefert“, fügte Nieke hinzu.

Mit dem Bau eines zweiten Werks in Kamenz wurde begonnen

Bisher fertigt Daimler alle Batterien für seine Elektroautos in Kamenz/Sachsen. Erst vor kurzem wurde dort mit dem Bau eines zweiten Werks begonnen. Einen Standortkonflikt mit dem sächsischen Standort Kamenz strebt Nieke nun aber nicht an, betont er. Ihm geht es vielmehr um den zusätzlichen Bedarf an Batterien; diesen will der Arbeitnehmervertreter von Untertürkheim aus bedienen. Für Nieke steht fest: Erfüllen sich die Prognosen für den Absatz von Elektrofahrzeugen, dann reichen die jetzt geplanten Batteriekapazitäten des Konzerns nicht aus. Und „es kann nicht sein, dass Daimler an einem Standort (gemeint ist Kamenz, Anmerkung der Redaktion) Mitarbeiter einstellen und an einem anderen Standort abbauen muss“, so Nieke.

Daimler hat im Oktober seine Elektrostrategie bekannt gegeben. Demnach wollen die Stuttgarter bis 2025 mehr als zehn reine Elektrofahrzeuge anbieten, hat Daimler-Chef Dieter Zetsche auf dem Autosalon in Paris angekündigt. Der Anteil an allen verkauften Modellen weltweit soll bis dahin bei 15 bis 25 Prozent liegen. Im vergangenen Jahr hat Daimler weltweit insgesamt knapp zwei Millionen Fahrzeuge aller Antriebsarten verkauft.

Vor Jobverlusten durch Wandel hin zur Elektromobilität gewarnt

Erst jüngst hat Michael Brecht, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Daimler, vor Jobverlusten durch den Wandel hin zur Elektromobilität gewarnt. Dieses Risiko will Nieke für Untertürkheim wohl minimieren. Noch in diesem Jahr will er mit der Werkleitung erste Schritte in Richtung Elektromobilität vereinbaren. Dabei geht es beispielsweise darum, welche Kompetenzen künftig im Werk Untertürkheim benötigt werden und wie der Produktionsprozess aussehen soll. Erste Gespräche zu diesem Thema haben bereits stattgefunden, so Nieke. Weitere Termine seien vereinbart. Im nächsten Jahr soll es dann darum gehen, welche konkreten Umfänge für Elektroautos am Standort produziert werden.

Daimler reagiert eher zurückhaltend auf den Vorstoß der Arbeitnehmervertreter. „In der Produktion arbeiten wir konsequent an der Umsetzung unserer Elektrooffensive. In diesem Zusammenhang prüfen wir die Fertigung von Elektrofahrzeugen und -komponenten für alle Fahrzeug- und Powertrain-Standorte von Mercedes-Benz Cars“, teilt das Unternehmen in dürren Worten mit.

Daimler hat Modernisierung des Standorts angekündigt

Daimler hat bereits vor eineinhalb Jahren eine umfassende Modernisierung des Standorts angekündigt. Dort soll ein Kompetenzzentrum für die Produktion hocheffizienter Motoren bis hin zu alternativen Antrieben entstehen. Damals wurden zusätzliche Produktionsumfänge bis hin zur Fertigung der Zukunftstechnologie Brennstoffzelle zugesagt. Dafür nimmt der Konzern mehrere Milliarden Euro in die Hand, erwartet im Gegenzug aber auch eine Kostensenkung. Derzeit sind im Motorenwerk in Untertürkheim einschließlich der Gießerei im benachbarten Mettingen knapp 19 000 Mitarbeiter tätig. Sorgen müssen sich die Beschäftigten um ihre Jobs nicht machen. Nicht nur, dass der Stuttgarter Konzern derzeit gute Geschäfte macht. Zusätzlich haben die Arbeitnehmervertreter im Herbst vergangenen Jahres eine Beschäftigungssicherung für alle 135 000 Daimler-Mitarbeiter in Deutschland abgeschlossen. Darin sind Kündigungen bis Ende 2020 ausgeschlossen.

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