E-Mobilität Das Ladesäulenranking für Baden-Württemberg

Welche Gemeinde hat die meisten E-Auto-Ladesäulen? Unser Ranking verrät es. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Wie gut ist Baden-Württemberg mit öffentlichen Ladesäulen für E-Autos versorgt? Unser datenbasiertes Ladesäulenranking zeigt es erstmals für alle Gemeinden im Land.

Wer ein E-Auto kaufen will, steht zuerst vor einer entscheidenden Frage: Wo und wie kann die Batterie geladen werden? Vor allem für Eigenheimbesitzer sind Steckdose oder Wallbox das Mittel der Wahl. Doch viele sind auf öffentliche Ladesäulen angewiesen – und die öffentliche E-Ladeinfrastruktur ist in den Gemeinden sehr unterschiedlich gut ausgebaut. Das zeigt das Ladesäulenranking unserer Zeitung. Hier dokumentieren wir die Ergebnisse.

 

Großstädte im Ladesäulenranking

Die knapp 13 600 Ladepunkte, die wir für Baden-Württemberg ausgewertet haben, sind alles andere als gleichmäßig über das Land verteilt. Doch die Frage, wie gut ein Ort mit Ladepunkten ausgestattet ist, lässt sich nicht nur mit der absoluten Zahl der Ladesäulen beantworten – schließlich braucht ein kleines Dorf weniger Ladepunkte als eine große Stadt, in der tendenziell auch weniger Menschen eine eigene Garage mit Wallbox haben. Ebenso wichtig ist, wie viele E-Autos vor Ort gemeldet sind – und ob es sich bei den Ladepunkten um Schnellladesäulen handelt, die eine E-Auto-Batterie in sehr kurzer Zeit füllen können.

Die folgende Tabelle listet die Großstädte in Baden-Württemberg deshalb nach Ladesäulen pro 1000 Einwohnern, Ladeleistung pro 1000 Einwohnern und E-Autos pro Ladepunkt auf:

Warum Heilbronn in zwei von drei Kategorien vorne liegt und Karlsruhe in allen Punkten das Schlusslicht unter den Großstädten bildet, lesen Sie in dieser Analyse.

Ergänzung vom 9. Juni 2023: Wir haben die Berechnung der Ladeleistung im Ranking erweitert, auf das Ranking der Großstädte im Südwesten hat das jedoch so gut wie keinen Einfluss – die Platzierungen unter anderem von Ulm, Heilbronn und Karlsruhe bleiben auch in der neuen Kategorie gleich. Details finden Sie im Infokasten am Ende des Artikels.

Im deutschlandweiten Vergleich landen drei baden-württembergische Städte weit vorne – Heilbronn, Stuttgart und Ulm:

Ladesäulenkarte für Baden-Württemberg

Einen Überblick über das gesamte Bundesland gibt die folgende Karte. Ein Klick auf den Umriss einer Gemeinde liefert detaillierte Informationen zur Zahl der vorhandenen Ladesäulen, zum Anteil an Schnellladern und dem Bestand an E-Autos.

Die Karte weist noch zahlreiche weiße Flecken auf, weil in manchen Gemeinden bislang keine einzige Ladesäule steht. Das bedeutet jedoch nicht zwingend, dass die Ladeinfrastruktur im Land noch völlig unzureichend ist. Selbst in großen Städten parkt ein großer Anteil der Autos in privaten Garagen, wo E-Autos oft auch geladen werden können. Welche Rolle außerdem Schnellladesäulen in dem Vergleich spielen, erklärt E-Mobilitätsexperte Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung im Interview.

Die folgenden Tabellen sortieren übersichtlich, wo welche Gemeinde in Baden-Württemberg in puncto Ladepunkte, Ladeleistung und E-Autos steht – getrennt nach Mittel- und Kleinstädten sowie Dörfern, um ähnliche Gemeindegrößen besser vergleichbar zu machen. Über das Suchfeld in jeder Tabelle finden Sie schnell Ihren Ort.

Mittelstädte

In der Kategorie 20 000 bis 100 000 Einwohner liegen Neckarsulm, Sindelfingen und Böblingen vorne – teils getrieben von den großen Unternehmen Audi und Mercedes-Benz. Im Register der Bundesnetzagentur finden sich auch E-Ladepunkte auf Firmenparkplätzen. Angaben, wann und für wen Ladesäulen zugänglich sind, sollen laut der Behörde demnächst nachgetragen werden.

Kleinstädte

Gemeinden mit 5 000 bis 20 000 Einwohnern haben wir separat betrachtet. Hier sind die Gebäudestruktur und die Anforderungen oftmals andere als in größeren Kommunen. Platz eins für Schwieberdingen und Platz drei für Renningen legen nahe, dass auch hier ein großes Unternehmen (Bosch) die Entwicklung vorantreibt.

Dörfer

In dieser Kategorie fassen wir Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern zusammen. In Rust finden sich die vielen Ladepunkte rund um den Europapark. Bei den Gemeinden dahinter ist Grund nicht so offensichtlich.

Wie ist Ihr Postleitzahlgebiet ausgestattet?

Gerade in größeren Städten wie Stuttgart macht es für die Ladeinfrastruktur einen Unterschied, ob eine Ladesäule direkt vor der eigenen Haustür steht oder am anderen Ende der Stadt. Um noch detaillierter vergleichen zu können, zeigt die folgende Karte deshalb die Ladeinfrastruktur für jedes Postleitzahlgebiet in Baden-Württemberg – allein für Stuttgart sind das mehr als 30.

Für die Datenanalyse hat unsere Redaktion das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur ausgewertet und unter anderem mit Zahlen des Kraftfahrtbundesamts zusammengeführt. Wie die Datenanalyse funktioniert und welche Lücken das Register noch aufweist, lesen Sie in diesem Text.

Dieses Ladesäulenranking ist erst der Anfang: Neben Berichten zu einzelnen Orten und den Herausforderungen, die der Ladesäulenausbau mit sich bringt, werden künftige Neuauflagen der Datenauswertung transparent machen, wie die Entwicklung der Ladeinfrastruktur im Land in Zukunft verläuft.

Anmerkung vom 9. Juni 2023

Ergänzung
Im Zuge einer Recherche zu unterschiedlichen Berechnungsweisen der Ladeleistung haben wir unser Ranking aktualisiert. Wir haben neben dem bisherigen Wert, der die Summe aller Ladepunktleistungen als Grundlage hatte, auch eine Berechnung ergänzt, die die Leistung der Stromanschlüsse der Ladesäulen berücksichtigt („Nutzbare Ladeleistung“). Im Ranking der Großstädte in Baden-Württemberg führt das jedoch zu keinen größeren Veränderungen.

Hintergrund der Änderung
Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur hatte bislang in ihren Monatsberichten die Ladepunktleistungen veröffentlicht, während die Bundesnetzagentur auf die Anschlussleistung abstellt. Da jedoch der Netzanschluss bei vielen Ladesäulen weniger Leistung hergibt als die Summe der Ladepunkte, muss er berücksichtigt werden, um zu berechnen, wie viel Ladeleistung theoretisch gleichzeitig verfügbar ist. Beispiel: An einer Schnellladesäule mit 300 Kilowatt Anschlussleistung und zwei 300-Kilowatt-Ladepunkten stehen bei gleichzeitiger Nutzung faktisch nur zweimal 150 Kilowatt zur Verfügung. Umgekehrt verfügt eine kleine Zahl von Ladesäulen über eine Anschlussleistung, die die Summe der zugehörigen Ladepunkte übersteigt. Inzwischen hat die Leitstelle angekündigt, ihre Berechnungsweise an die der Bundesnetzagentur anzunähern und den jeweils geringeren Wert nutzen zu wollen.

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