E-Mobilität fördern Steinheim gibt bis 1000 Euro für Lastenrad dazu
In der Stadt können die Bürger vom 1. Juli an für den Kauf ihres Lastenrads einen Zuschuss von 30 Prozent zum Kaufpreis beantragen.
In der Stadt können die Bürger vom 1. Juli an für den Kauf ihres Lastenrads einen Zuschuss von 30 Prozent zum Kaufpreis beantragen.
Die Stadt Steinheim macht ernst mit dem Klimaschutz: Wer sich ein Lastenrad kauft, darf mit einer maximalen Förderung von 1000 Euro rechnen. Und wer nur einen Anhänger kauft, bekommt im Höchstfall 150 Euro Zuschuss. Das Programm startet am 1. Juli. Dafür sind im Haushalt der Stadt 25 000 Euro bereitgestellt. „Wir verfahren nach dem Windhundprinzip“, erklärt der Bürgermeister Thomas Winterhalter. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“
Ob es einen Andrang gibt? Die Förderung beträgt immerhin 30 Prozent. Hohe Spritpreise zwingen derzeit viele Haushalte zum Umdenken. Per Lastenrad könnten Familien ihre Wocheneinkäufe erledigen und Kinder zur Kita bringen. Kleinere Besorgungen ohne Abgase summieren sich – der Geldbeutel wird geschont. Den Zweitwagen würden dagegen viele gerne loswerden.
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Steinheim steht mit seiner Förderung nicht allein da. Lastenfahrräder werden zum Beispiel auch in Stuttgart und in Bietigheim-Bissingen bezuschusst. „Es ist einer von vielen kleinen Bausteinen zum Klimaschutz“, sagt Thomas Winterhalter. Steinheim habe viele Anstiege. Er gehe davon aus, dass ausschließlich E-Fahrräder beantragt werden. Fahrradanhänger könnten natürlich auch an herkömmliche Räder befestigt werden.
Mit der Förderung wolle man keine Symbolpolitik betreiben, so Winterhalter auf die Nachfrage, ob sich der Einsatz von 25 000 Euro bei den zu erwartenden Effekten für den Klimaschutz lohne. „Wir wollen den Menschen einen Anreiz geben, sich ein Rad anzuschaffen – um zu zeigen, dass es in der Praxis auch funktioniert.“ Beim Einsatz von Elektrofahrzeugen im Bauhof habe es anfänglich auch Zweifler gegeben.
Langes Zaudern können sich Interessierte in Steinheim nicht nur wegen des Windhundprinzips nicht leisten. Anträge müssen bis Ende des Jahres gestellt sein. Und bis Ende des Jahres 2023 muss der Kämmerei die Rechnung des Händlers vorliegen.
Im Einzelhandel sind E-Lastenräder gefragt, bestätigt Martin Baumann, der voraussichtlich Anfang Juli in Kornwestheim einen speziellen E-Bike-Fahrradladen eröffnet. „Wir haben einige Lastenräder und rechnen damit, dass sie bald weggehen.“ Lieferengpässe gebe es derzeit allgemein bei E-Bikes, weil Händler sich auf Zusagen von Zulieferern nicht verlassen könnten. Fahrräder in einer laufenden Saison zu bestellen, sei inzwischen mit Wartezeiten verbunden.
Wer zunächst ein Lastenrad im Alltag ausprobieren will, kann es leihen. Das ist zum Beispiel in Marbach möglich. Dort hat sich eine Lastenrad-Initiative gebildet, die Bürgern der Stadt eine kostenlose Ausleihe ermöglicht. Die Stadt finanziert die laufenden Kosten, die Initiative kümmert sich um Wartung, Buchung und Abstellorte für das Rad mit dem Namen Charlotte. Der Verantwortliche Andreas Sieber spricht von einer „konstanten“ Ausleihe von jährlich 100 Buchungen. Die Stadt Marbach plant darüber hinaus mit ihrem Einstieg in ein integriertes Klimaschutzkonzept eine ähnliche Förderung wie Steinheim. „Wir wollen 2024 mit dem Projekt ‚Förderprogramm Lastenpedelecs für Familien’ starten“, erklärt der Bürgermeister Jan Trost.
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Auf ein Mietsystem mit Mikrogaragen für bis zu zehn Lastenräder setzt die Stadt Ludwigsburg. Im Februar beschloss der Gemeinderat, auf diese Weise erst einmal Interessierte an diese Art der Mobilität heranzuführen. Es müsse auch das Baurecht geklärt werden, denn Bürger müssten wie die Stadt ebenfalls das Recht haben, solche Garagen zu bauen, lautete die Kritik von Stadträten. Bis September soll das Konzept stehen.
Kritiker fordern, die Lastenradförderung nur zu gewähren, wenn die Antragsteller im Gegenzug auch ein Auto abmelden. Nur so sei der Klimaschutz wirkungsvoll zu unterstützen. Die Stadt Stuttgart fördert Lastenradkäufe seit 2018 und bringt das Auto ansatzweise ins Spiel. Sie zahlt neben einer Förderung von mehreren hundert Euro noch eine Prämie von 500 Euro, wenn drei Jahre lang kein Auto betrieben oder ein Wagen ersatzlos abgemeldet wird.
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Private Nutzung?
Kommunen dürfen Privatleute beim Kauf eines Lastenrads bezuschussen. Das Land fördert dagegen Lastenräder mit 25 Prozent oder maximal 2500 Euro nur, wenn das Rad einem gewerblichen, kommunalen oder gemeinnützigem Zweck dient, etwa im Verein oder im Betrieb.
Wer beantragt? Eine Förderung beantragen überwiegend junge Familien mit kleinen Kindern und Alleinerziehende, berichtet die Stadt Bietigheim-Bissingen. Sie stellt seit 2020 jährlich 15 000 Euro bereit. Im ersten Jahr wurden davon rund 7500 Euro genutzt, 2021 waren es rund 5500 Euro.
Nur E-Bikes?
Zwar fördern viele Kommunen auch muskelbetriebene Fahrräder, doch gehen etwa in Bietigheim-Bissingen kaum Anträge dafür ein. Großes Thema seien platzsparende Lastenradmodelle und Lieferschwierigkeiten. Deshalb seien auch Fristen verlängert worden.