E-Mobilität in Nürtingen Nürtingen verabschiedet sich vom Elektrobus

Von  

Geringe Fahrgastzahlen, anfällige Fahrzeuge: Die E-Buslinie zum Nürtinger Gewerbegebiet Bachhalde wird stillgelegt.

Das Umsteigen auf den Elektrobus hat sich als Flop herausgestellt. Foto: Horst Rudel
Das Umsteigen auf den Elektrobus hat sich als Flop herausgestellt. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Ein Leuchtturmprojekt mit Signalwirkung hätte die E-Buslinie zum Nürtinger Gewerbegebiet Bachhalde werden sollen. Nur dreieinhalb Jahre nach Betriebsbeginn hat der Gemeinderat am Dienstagabend aber beschlossen, das vom Verband Region Stuttgart geförderte Pilotprojekt aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit wieder einzustellen.

Bus bleibt während der fahrt einfach stehen

„Die Zuverlässigkeit beider Elektrobusse war im vergangenen halben Jahr leider sehr enttäuschend“, erklärte der Technische Beigeordnete Andreas Neureuther. Ein Elektrofahrzeug habe über Nacht nicht mehr vollständig aufgeladen werden können. Während der Fahrten habe es seinen Antrieb teilweise immer wieder komplett abgeschaltet und konnte von den Fahrerinnen dann nur mit Mühe wieder gestartet werden.

Mehrfach sei das Fahrzeug mit einem Diesellastwagen zum Batteriehersteller, der in Österreich an der tschechischen Grenze angesiedelten Firma Kreisel Electric, gebracht worden. Doch hätten die Reparaturversuche keine Besserung gezeigt. Das defekte Fahrzeug stehe nun bei der Firma, die mitgeteilt habe, dass der Akku irreparabel sei. Ein neues Akkusystem würde circa 80 000 Euro kosten, die Garantie für den E-Bus sei abgelaufen.

Rathaus: Den Bussen mangelt es an Alltagstauglichkeit

Im Langzeitversuch zeige sich nun deutlich, „dass unsere Elektrobus-Prototypen noch nicht über die notwendige Alltagstauglichkeit verfügen“, so das Fazit von Andreas Neureuther. Derzeit fährt nur ein E-Bus vom Nürtinger Bahnhof in die Bachhalde, jede zweite Fahrt entfalle. „Damit sinkt die Attraktivität des Fahrtaktes unserer Elektrobuslinie enorm.“

Bereits vor dem Betriebsbeginn zum 1. April 2016 hatte es Zweifel an der Rentabilität der Linie 169 gegeben. In der Folge blieben die Fahrgastzahlen stets hinter den Erwartungen zurück. Durchschnittlich haben im laufenden Jahr pro Monat 835 Fahrgäste den E-Bus genutzt. Unter dem Strich kostet die Stadt eine Fahrt pro Fahrgast zur Bachhalde 10,47 Euro. Damit bewahrheitet sich, was der Stadtrat und Verkehrsexperte Bernd Sackmann (Nürtinger Liste/Grüne) bereits vor dem Projektstart vorhergesagt hatte: „Wir könnten genauso gut jedem Fahrgast ein Taxi zahlen.“ Ihm zufolge reicht es nicht, für einen Busbetrieb allein auf Berufspendler zu setzen. Es müssten schon Strecken sein, „die mehr Erfolg versprechen“.

Eventuell fahren herkömmliche Busse auf der Linie weiter

Das ambitioniert gestartete Pilotprojekt habe sich als „Flop“ erwiesen, befand der CDU-Fraktionschef Matthias Hiller. Ende März wird die Nürtinger E-Buslinie eingestellt. „Die ganze Welt setzt auf E-Mobilität, und Nürtingen schafft sie ab“, erklärte der Oberbürgermeister Johannes Fridrich zu Beginn der Debatte im Gemeinderat. Dies klinge zwar paradox, doch habe sich schlicht herausgestellt, „dass die Linie wirtschaftlich keinen Sinn ergibt“.

Die Frage ist nun zum einen, was mit den Bussen geschieht. Eine Idee ist, das noch funktionstüchtige Fahrzeug als Bürgerbus in Zizishausen einzusetzen. Für den defekten Bus steht der Vorschlag im Raum, ihn nicht reparieren zu lassen und höchstbietend zu verkaufen. Was die Zukunft der Linie 169 angeht, sucht die Stadt mit dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) nach einer Möglichkeit, die Bachhalde weiterhin anzubinden. Zudem will sich Johannes Fridrich darum bemühen, dass die drei Fahrerinnen Ende März nicht ohne Job dastehen.