E-Mobilitäts-Tour durch Europa „Mein Auto hat zwischendurch schon gejammert“

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Geht nicht? Geht doch! Das ist die Botschaft, die der Unternehmer Stefan Krüger aus Oberriexingen verschicken will. Er ist 4000 Kilometer quer durch Europa gefahren – mit einem Elektro-Auto, seinem Neffen als Navigator und seinem pflegebedürftigen Vater.

Gruppenbild vor dem Atomium: Stefan Krüger (rechts) mit seinem Vater Manfred und  seinem Neffen Tom  in Brüssel Foto: privat
Gruppenbild vor dem Atomium: Stefan Krüger (rechts) mit seinem Vater Manfred und seinem Neffen Tom in Brüssel Foto: privat
Oberriexingen – - Andere relaxen auf der Sonnenliege am Mittelmeer, Stefan Krüger fährt neun Tage per Elektromobil durch Europa. Die Botschaft des Oberriexinger Unternehmers ist simpel: „Es geht!“
Herr Krüger, was bringt einen selbstständige Unternehmer dazu, neun wertvolle Tage für eine elektromobile Tour quer durch Europa zu opfern?
Für mich ist das Teil meines Lebens. Andere fliegen für eine Woche nach Mallorca, ich fahre halt durch Europa. Die vielen verschiedenen Landschaften, die großen Städte – das ist ja an sich schon ein großes Erlebnis. Aber ich bin da auch ein bisschen als Missionar unterwegs.
Und wie würden Sie Ihre missionarische Botschaft beschreiben?
Man kann mit dem Elektro-Auto ziemlich große Strecken an einem Stück zurücklegen. Alle sagen, dass so etwas nicht geht. Ich sage: das geht. Als Bertha Benz es mit dem Gefährt ihres Mannes von Rastatt nach Pforzheim geschafft hat, ging das um die Welt. Heute will ich, dass die Leute sehen: wenn der Krüger das schafft, kann das jeder schaffen.
Wie weit sind Sie gefahren?
Wir haben in neun Tagen 4000 Kilometer zurückgelegt. Die Etappen waren jeweils zwischen 360 und 550 Kilometer lang.
Wo waren Sie überall?
Gestartet sind wir in Stuttgart, dann ging es nach Luxemburg, Paris, Den Haag, Celle, Berlin, Prag, Wien, nach Salzburg und zurück.
Sie waren nicht alleine im Auto?
Nein, mich haben mein pflegebedürftiger, 83-jähriger Vater mit seinem Rollstuhl und mein 14-jähriger Neffe Tom begleitet. Wir wollten den Rollstuhl im Gepäck bewusst als Handicap für die Tour setzen
Gab es zwischendurch mal Situationen, in denen Sie gedacht haben: das schaffen wir nicht?
Nein, dass wir es nicht schaffen, habe ich nie gedacht. Aber mein Auto hat zwischendurch schon mehrfach gejammert.
Wie hat sich das geäußert?
Es gibt da mehrere Eskalationsstufen. Erst geht ein gelbes Warnlicht mit einem Gong an. Dann wird das Licht rot und der Gong lauter. Dann geht im Cockpit eine richtige Lichtorgel los und die Restreichweite wird gar nicht mehr angezeigt. Wir sind mehrmals mit 0 Kilometer Restreichweite angekommen . . .
. . . aber nie liegen geblieben?
Nein, alles hat geklappt. Das haben wir unserem tollen Navigator Tom zu verdanken. Der hat alle Ladesäulenverzeichnisse abgeklappert und immer noch eine Station gefunden.
Sie sind 2015 schon einmal ähnlich unterwegs gewesen. Hat sich seitdem viel getan bei den E-Tankstellen?
Enorm viel, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Letztes Jahr gab es zum Beispiel nur vier Kraftstromanlagen, an denen ich unser Auto in 30 Minuten aufladen konnte, dieses Jahr konnte ich schon 16 benutzen.