E-Roller-Hersteller in Leonberg Sie tüfteln an der S-Klasse der E-Roller

Von Torsten Schöll 

Das Leonberger Start-up Yorks entwickelt hochwertige Elektro-Scooter – doch jetzt fehlen Investoren.

Dominik Neyer testet den E-Roller aus Leonberg. Foto: /
Dominik Neyer testet den E-Roller aus Leonberg. Foto: /

Leonberg - Erster Gang, das rechte Bein steht auf dem Trittbrett, mit dem linken Fuß gibt man wie beim Tretroller dem Gefährt einen Impuls in Fahrtrichtung. Dann drückt der rechte Daumen vorsichtig den Gashebel am Lenkrad – und los geht’s. Aber erst einmal langsam, wer weiß schon bei der ersten Fahrt, wie Fuß und Handbremse reagieren. Sicherheit geht vor.

Der Testlauf auf dem Hof des Start-ups in der Hertichstraße in Leonberg glückt. Nach kurzer Zeit hat man den „yorks s1-Elite“, so der Markenname des schwarzen, 20 km/h schnellen E-Scooter, im Griff. Sechs Prototypen des kleinen Flitzers existieren und sollen nach den Vorstellungen des jungen Unternehmens, das erst seit zwei Monaten in Leonberg ansässig ist und zuvor in Sindelfingen beheimatet war, im kommenden Jahr in Serienfertigung gehen.

Unabhängiger Standbein im boomenden Segment

„Der Scooter ist zu 95 Prozent fertigentwickelt“, sagt Yorks-Sprecher Dominik Neyer, der den Roller sichtbar geübter steuert als der Anfänger. Das Start-up gehört zur Fele-Gruppe, einem Autozulieferer, der unter anderem für BMW-Motorräder Bordnetze entwickelt. Mit Yorks, so Neyer, will das Unternehmen sich ein von der Automobilbranche unabhängiges Standbein im boomenden Segment der Mikromobilität aufbauen. Vor drei Jahren war Geschäftsführer York Dlugokinski die Idee zu einem Scooter made in Germany gekommen. Was den E-Roller aus Leonberg, der in Zukunft in Produktionshallen der Unternehmensgruppe in Pfinztal bei Karlsruhe in Serie gebaut werden soll, gegenüber der marktbeherrschenden Konkurrenz aus China auszeichnen soll: vor allem Qualität. „Den Markt für unser Produkt sehen wir nicht im Sharing-Bereich“, sagt Neyer. Soll heißen: Der Yorks-Scooter soll später nach dem Willen der Macher nicht die Innenstädte verstopfen, wo jetzt schon reichlich über achtlos liegengelassene billige Miet-Roller geklagt wird. Als Kunden hat Yorks private Käufer oder Firmen im Visier. „Einsatzbereiche könnten zum Beispiel auch Flughäfen sein“, so Neyer. Anders als die Mietmodelle in den Großstädten soll der Roller aus Leonberg deshalb nicht nach ein bis drei Monaten schrottreif sein, sondern lange halten. „Das war uns sehr wichtig“, sagt der Firmensprecher.

Dass Qualität made in Germany Geld kostet, verwundert nicht. Der yorks s1-Elite – wie Neyer werbewirksam formuliert, „die S-Klasse unter den E-Scootern“ – soll später zwischen 1600 und 1800 Euro kosten. Deutlich mehr als die chinesischen Konkurrenzprodukte. Um den Preis zu rechtfertigen, haben die Leonberger einige Patente auf ihren Roller angemeldet, die ihn neben seiner Robustheit am Markt auszeichnen sollen: So lässt sich der 16 Kilogramm schwere Scooter einfach Zusammenklappen und wie ein Trolley hinter sich herziehen. Auch ist das Ladekabel im Roller, der mit einem bis zu 500 Watt starken Elektromotor ausgestattet ist, integriert. „Der Motor erlaubt es auch im bergigen Stuttgart zügig zu fahren“, sagt Neyer. Dann dürfte allerdings die maximale Reichweite von 25 Kilometern pro Akkuladung, die der Hersteller angibt, nicht mehr erreicht werden.

Investoren sind noch gesucht

Noch hat der E-Scooter aus Leonberg keine Zulassung. Doch das sei nur noch eine Frage der Zeit, sagt der Firmensprecher. Mehr Sorgen mache dem Start-up derzeit, dass die Investoren für eine künftige Serienproduktion nicht eben Schlange stehen. „Wir sind intensiv auf der Suche.“ Bislang hat das innovative Projekt Gesamtinvestitionen von knapp über einer Million Euro verschlungen. Doch ein potenter Geldgeber für den Start der Serienproduktion, den das Unternehmen selbst nicht stemmen kann, fehlt noch.

Grund für das stockende Interesse könnte sein, dass nach der ersten Euphorie die elektrischen Tretroller, die seit Juni auf Deutschlands Straßen und Radwegen gesetzlich erlaubt sind, seit kurzem zunehmend in Misskredit fallen: nicht gar so umweltfreundlich wie geglaubt und vor allem im Verkehr brandgefährlich sollen die schnellen Scooter plötzlich sein. Obwohl das Konzept der Leonberger gerade auf mehr Sicherheit und einen nachhaltigeren Einsatz im Privat- und Firmenbereich setzt, der die Klimabilanz der Roller klar verbessern würde, kommt der Leonberger Ideenschmiede die heftige Kritik am Scooter-Hype sehr ungelegen. Jetzt droht dem E-Scooter-Projekt aus Leonberg die Zeit davonzurollen.