E-Scooter-Anbieter in Stuttgart Verleiher bietet auch Sicherheitstrainings an

Von David Mairle 

Es hat etwas gedauert – nun bietet Lime als erstes Unternehmen auch in Stuttgart Elektro-Tretroller an. 100 Exemplare sind fürs Erste in der Stadt verteilt.

Mit bis zu 20 Sachen können  die Elektroroller durch die Stadt flitzen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 3 Bilder
Mit bis zu 20 Sachen können die Elektroroller durch die Stadt flitzen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Jashar Seyfi ist gerade noch damit beschäftigt, die Fragen der Pressevertreter zu beantworten, da kurven bereits die ersten elektrischen Tretroller über den Schlossplatz. Seit diesem Donnerstag stehen 100 dieser sogenannten E-Scooter in Stuttgart und warten über das Stadtgebiet verteilt darauf, per Smartphone-App für kurze Fahrten gemietet zu werden. Dahinter steht die US-Amerikanische Firma Lime, deren Deutschlandchef Seyfi ist. Nach Vereinbarungen mit der Stadt sollen demnächst zwei weitere Unternehmen folgen. Lime hat seine Scooter bereits in sechs deutschen Städten verteilt. Stuttgart ist die siebte Stadt, in einem Monat sollen es insgesamt 13 Orte sein. Das Versprechen des Anbieters: Die Tretroller sollen praktisch, günstig und umweltfreundlich sein.

Die Nutzung der Scooter mit dem Lime-Aufdruck ist denkbar einfach. Man braucht lediglich die App des Anbieters auf dem Smartphone zu installieren. Darüber wird der QR-Code, mit dem jeder der Roller versehen ist, gescannt, und los geht die Fahrt. Ähnlich wie bei verschiedenen Carsharing-Angeboten zeigt einem die App außerdem direkt an, wo in der Nähe der nächste E-Scooter steht. Um diesen vor der Fahrt zu entsperren, wird eine Gebühr von einem Euro berechnet, pro angefangener Minute kommen zusätzlich 25 Cent dazu.

Wenige Minuten so teuer wie ein Stadtbahnticket

Bereits nach wenigen Minuten auf dem Elektro-Roller kommt man somit zum Beispiel auf den Preis eines Stadtbahn-Tickets. Jashar Seyfi will das Scooter-Angebot allerdings nicht als Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr sehen. „Am liebsten ist es uns, wenn jemand mit dem E-Scooter zur nächsten Haltestelle fährt, die Bahn nimmt und dann von der Haltestelle wieder die letzten Meter zum Ziel mit dem Scooter fährt.“ Zusammengeklappt darf man die Roller auch kostenlos in die Stadtbahn mitnehmen. „Uns schwebt aber vor, in der Stadt so viele Scooter zu verteilen, dass man immer einen in der Nähe findet“, sagt Seyfi. Ob es dazu kommt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Mit der Stadt ist ausgemacht, dass die Anzahl der Scooter in Stuttgart erhöht werden kann, wenn diese ausreichend nachgefragt werden.

Um sich für den Umgang mit den elektrischen Tretrollern fit zu machen, bietet Lime zusätzlich zu den Scootern auch Sicherheitstrainings an. Auch in Stuttgart plant das Unternehmen ein solches Angebot. Notwendig, um die E-Scooter fahren zu können, ist dieses aber nicht. Jeder, der mindestens 14 Jahre alt ist, darf mit den Geräten durch die Gegend düsen. Auch eine Helmpflicht gibt es für die Scooter nicht. Seyfi empfiehlt dennoch, einen Schutzhelm zu tragen – immerhin kann man mit den Rollern bis zu 20 Kilometer in der Stunde schnell fahren. Auf den Bürgersteig darf man mit einem E-Scooter nicht. Genau wie Fahrräder müssen sie auf Fahrradwegen oder Radstreifen fahren oder, wenn das nicht möglich ist, auf die Straße ausweichen. Fußgängerzonen wie die Königstraße sind komplett tabu.

Nach Fahrtende bleibt der Roller am Straßenrand stehen

Hat man die Fahrt beendet, kann man die Roller einfach am Straßenrand stehen lassen. Dabei muss man nur darauf achten, dass die App das Parken der Scooter in dieser Gegend erlaubt. Damit soll verhindert werden, dass zum Beispiel die Parks in der Stadt mit den Rollern zugestellt werden. Mitarbeiter von Lime sollen außerdem regelmäßig kontrollieren, dass die Roller keine Zufahrten oder Gehwege versperren.

Darüber hinaus sammeln sie die Roller nachts ein und bringen sie in ein zentrales Lager, wo sie von Zeitarbeitern gewartet und wieder aufgeladen werden. Bis zu 50 Kilometer weit kommt ein E-Scooter von Lime mit einer Akkuladung. Wie sich die Reichweite im hügeligen Stuttgart verhält, kann Seyfi noch nicht sagen. „Das werden wir in den nächsten Monaten herausfinden und aus den Erkenntnissen lernen.“

Gezahlt wird mit der Smartphone-App

Konzept Unter der Sharing Economy, also Ökonomie des Teilens, versteht man Konzepte, welche die gemeinsame Nutzung von Produkten in den Mittelpunkt stellen. Das können Autos und E-Scooter sein, aber auch Lebensmittel und Wohnungen werden über Apps geteilt.

Konkurrenz Neben dem Anbieter Lime planen außerdem die Firmen Circ und Voi den Verleih von E-Scootern in Stuttgart. Zu Beginn darf jeder Anbieter nur 100 Roller in der Stadt verteilen.

Nutzung Gemietet und bezahlt werden die Roller über Handy-Apps. Die Bezahlmethoden können sich je nach Anbieter unterscheiden.

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