E-Scooter in Renningen Nutzung bricht ein: Gemeinderat hinterfragt Wirtschaftlichkeit

Die E-Scooter der Firma Zeus bleiben ein weiteres Jahr in Renningen. Foto: Simon Granville

Die Verleihzahlen der E-Scooter in Renningen sanken um fast ein Drittel. Trotzdem verlängert der Gemeinderat den Vertrag – doch die Zweifel an der Rentabilität wachsen.

Die Verleihzahlen für E-Scooter sind im vergangenen Jahr in Renningen spürbar zurückgegangen. Dennoch hat der Gemeinderat das Verleihsystem der Firma Zeus um ein weiteres Jahr verlängert. Die Kritiker des Angebots werden aber immer mehr.

 

War die Verlängerung des Leihsystems, das seit Sommer 2022 in Renningen und Malmsheim gestartet war, im vergangenen Jahr noch bei sieben Gegenstimmen im Rat beschlossen worden, so waren es diesmal schon zehn Nein-Stimmen. Elf Gemeinderäte sowie Bürgermeisterin Melanie Hettmer stimmten am Montagabend dafür.

Kritiker stören sich am rücksichtslosen Umgang

Die Argumente der Kritiker waren dabei die gleichen wie schon im vergangenen Jahr. Zu viele Roller würden ungünstig abgestellt, etwa mitten auf dem Gehweg, oder landeten irgendwo in der Wiese. Dazu dauere es viel zu lange, bis defekte Roller abgeholt oder leere Akkus ausgetauscht würden. Auch würden sich viele Rollerfahrer in der Stadt rücksichtslos verhalten.

„Die Nutzer hatten jetzt vier Jahre Zeit, mit den Dingern endlich ordentlich umzugehen. Und Sie hatten vier Jahre Zeit, die Dinger schneller abzuholen oder wieder aufzustellen“, kritisierte etwa Alfred Kauffmann (Freie Wähler). „Ich war immer dafür, aber jetzt nicht mehr“, sagte er. Im Rat stimmte die Freien Wähler, die Frauen für Renningen sowie Andreas Kindler (CDU) gegen eine Verlängerung des Verleihsystems.

Mit Blick auf die zurückgegangenen Nutzerzahlen fragte etwa Melanie Lederer (Freie Wähler) den Vertreter der Firma Zeus, wie viel Rückgang für das Unternehmen noch rentiere. „Die Wirtschaftlichkeit ist entscheidend für die Prognose“, konkretisierte sie.

Die Zahl der Ausleihen ist im vergangenen Jahr um fast ein Drittel zurückgegangen: von 18 208 im Jahr 2024 auf 12 521 im Jahr 2025. Zwischen 27 und 71 Fahrten täglich seien im Renninger Stadtgebiet verzeichnet worden. Die gefahrenen Kilometer gingen um 13 Prozent zurück: von 24 650 auf 21 848 Kilometer. Zugelegt hat dagegen die durchschnittliche Entfernung, die bei einer Fahrt mit dem E-Scooter zurückgelegt wird. 1,74 Kilometer ist dies im Schnitt, vorher waren es 1,35 Kilometer.

Für den Rückgang sieht der Vertreter der Firma Zeus mehrere Gründe. „Am Anfang haben sicherlich einige den E-Scooter ausgeliehen, um zu schauen, wie das so ist. Und sich dann selbst einen gekauft“, nannte er einen Grund. Zum anderen habe Zeus aber die Flottengröße von zunächst etwa 75 Rollern auf nun 57 Stück reduziert.

Die Nutzer zahlen bei dem Unternehmen, das auch E-Scooter in Hemmingen, Korntal-Münchingen, Ludwigsburg und Pforzheim verleiht, je nach Dauer der Nutzung. Die Preise liegen zwischen fünf Euro für 30 Minuten an einem Tag und 25 Euro für drei Stunden , nutzbar über sieben Tage. Die Stadt Renningen kostet das Roller-Verleihsystem nichts, anders als etwa das Fahrrad-Verleihsystem Regio-Rad der Deutschen Bahn, dass Renningen zum Jahresende 2023 gekündigt hatte.

Defekte Roller und leere Akkus müssen bislang gemeldet werden

Die Verleihfirma verspricht für die Zukunft Verbesserungen, etwa durch neue Rollermodelle. „Wenn eines dieser Modelle auf der Seite liegt, meldet es das automatisch ans System zurück und wir fahren dann hin und stellen die Roller wieder auf“, erklärte der Vertreter der Firma Zeus im Gemeinderat.

Dadurch sei man nicht mehr auf eine Meldung der Bürger angewiesen. Zudem suche man gerade eine neue Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter in Renningen, der oder die sich auf Minijob-Basis um die Roller kümmert.

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