E-Scooter in Stuttgart Was passiert mit den Scootern, wenn es schneit?

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Die seit Sommer auf Stuttgarts Straßen herumkurvenden E-Scooter sollen auch bei Schnee fahren. Aufgrund von Einsätzen in Skandinavien sind die Betreiber optimistisch.

Die Roller sind laut der Verleihfirma für harte Winterbedingungen gemacht. Foto: dpa//Pedersen (Symbolbild)
Die Roller sind laut der Verleihfirma für harte Winterbedingungen gemacht. Foto: dpa//Pedersen (Symbolbild)

Stuttgart - Es hat noch keine Flocke geschneit, doch angesichts frostiger Temperaturen sind im Rundfunk schon ­täglich die einschlägigen Verkehrswarnungen zu hören. Auto- und Fahrradfahrer kennen das, Motorrad- und Rollerfahrer machen dann ohnehin meist Pause. Doch in diesem Winter ist ein Fortbewegungsmittel neu auf Stuttgarts Straßen: der Elek­troscooter. Er ist nach Angaben der ­Verleihfirmen winterfest, es kann jedoch spontan zu Betriebspausen kommen.

„Es gibt keine Winterpause. Allerdings haben wir die Möglichkeit, tagesaktuell zu entscheiden. In jeder Stadt gibt es einen Operations Manager, der die Lage überblickt und gegebenenfalls entscheidet, ob die Scooter gesperrt werden müssen oder sogar von der Straße genommen werden“, erläutert eine Sprecherin des Unternehmens Lime, das die weißen Scooter mit dem grünen Symbol vermietet. Lime habe bereits Erfahrungen aus sehr viel kälteren Wintern in Skandinavien. Dort habe sich das hier in Deutschland ebenfalls angebotene Modell Lime Gen-3 bewährt. Es sei mit seinem breiten Trittbrett und den dicken, großen Reifen bereits winterfest.

Zur Volksfestzeit war der Wasen Sperrgebiet

Die Technik per GPS-Steuerung, die im Fall heftig großer Schneemengen auf den Straßen die Roller lahmlegen würde, haben die Stuttgarter Scootermieter schon kennenlernen dürfen. Es ist die Technik, durch die der Kölner Karneval mit dem Cannstatter Volksfest mehr gemeinsam hat, als den jeweiligen Ausrichtern lieb ist – zumindest, wenn es um das Fernhalten der seit ein paar Monaten in den Großstädten heimisch gewordenen Elektroscooter geht. Denn so wie der Anbieter ­Lime den Cannstatter Wasen in der Zeit des Volksfestes als Sperrzone eingerichtet hat, so haben das die Verantwortlichen des Unternehmens dieser Tage auch beim Auftakt des närrischen Treibens am Rhein zum 11. 11. ­getan. „Das werden wir bei weiteren Großveranstaltungen auch wieder so handhaben“, kündigt ein Unternehmenssprecher an.

Die Roller erfreuen sich zwar einerseits großer Beliebtheit, versichern die Verleiher – und ihr regelmäßiges Auftauchen im Stadtbild belegt das auch. Andererseits tun sich immer wieder Zonen auf, wo sie unerwünscht sind. Das ist in Stuttgart etwa die Königstraße als Fußgängerzone. Hier rollen sollen sie ebenso wenig wie abgestellt oder anmietbar sein. Das kann man seitens der Betreiber steuern: Über GPS sperren sie das Gebiet. Auch das sei eine Aufgabe des Operations Managers, der die Gegebenheiten vor Ort kenne und mit der Stadtverwaltung in Kontakt stehe, so der Lime-Sprecher.

Die Rutschgefahr ist durch die mögliche Wintersperre also weitgehend ausgeschlossen. Was aber ist mit der Unfallgefahr infolge Alkoholkonsums? Das ist bislang die Hauptunfallursache gewesen. Natürlich treffe der Vollzugsdienst immer noch Nutzer zu zweit beziehungsweise betrunken auf einem Scooter an. Jedoch gebe es weniger alkoholisierte Fahrer, und das nicht nur, weil der Wasen vorbei ist: Seit in der Zeitung stand, dass eine Alkoholfahrt den Nutzer den Führerschein kosten kann, sei ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, sagt Ralf Maier-Geißer, der im Rathaus die Abteilung Nachhaltig mobil leitet.

Erkenntnisse, ob die Roller eben den Effekt haben, den seine Abteilung im Namen trägt, habe man noch nicht. Denn bei der ohnehin geringen Rolleranzahl von rund 700 Mietexemplaren könne man keine Auswirkungen auf den Autoverkehr verzeichnen. Seine Abteilung habe jedoch festgestellt, dass die Roller meist von Touristen oder für Spaßfahrten genutzt werden, so Ralf Maier-Geißer.

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