E-Sports beim VfB Stuttgart Der Weltklassespieler Marcel Lutz

Für den VfB am Drücker: Marcel Lutz Foto: Baumann
Für den VfB am Drücker: Marcel Lutz Foto: Baumann

Marcel Lutz lebt seinen Traum: Als eSports-Profi beim VfB Stuttgart kann er das tun, was er am liebsten tut. Auf dem virtuellen Rasen gehört der Fifa-Profi zu den besten Spielern der Welt.

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Stuttgart - Mario Gomez schnappt sich den Ball, er umdribbelt zwei Gegenspieler, er schießt – Tor. Der Stürmer rennt zur Eckfahne und jubelt. 5:0 steht es für den VfB Stuttgart. Marcel Lutz lächelt.

Und legt den Controller weg.

Marlut, wie sich der Marbacher im virtuellen Raum nennt, zockt gerne. Er spielt das Fußball-Videospiel Fifa auf der X-Box. So wie unzählige junge Menschen auf der ganzen Welt. Doch bei Marcel Lutz ist es anders. Der 21-Jährige verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Computerspiel – und kann das manchmal selbst kaum glauben. „Niemals“, sagt er und schüttelt nachdrücklich den Kopf, „hätte ich gedacht, dass ich mal mit Zocken mein Geld verdienen würde.“

Begonnen hat alles vor rund 14 Jahren. Wie fast alle kleinen Jungs steht Marcel Lutz auf Videospiele. Vor allem auf Fifa, weil er Fußball liebt. Mit seinem vier Jahre älteren Bruder sitzt er häufig vor der Konsole – auch wenn seine Eltern das gar nicht gerne sehen. „Sie haben darauf geachtet, dass ich auch nach draußen gehe, dafür bin ich ihnen heute sehr dankbar“, erinnert sich Marcel Lutz, der, bis er 15 war, auch auf dem echten Rasen aktiv war: „Ich durfte eigentlich nur am ­Wochenende eine Stunde lang zocken.“

„Für uns ist eSports eine Chance, noch näher an die Fans heranzurücken“

Doch diese Stunde genügte, um immer besser zu werden. Und bald auch schon, den großen Bruder zu schlagen. Marlut denkt nicht in Jahren, er denkt in Fifa-Titeln. „Das muss Fifa 11 gewesen sein“, sagt er und meint damit die Zeit zwischen September 2010 und September 2011, als eben jene Ausgabe des EA-Sports-Klassikers aktuell war.

In Fifa 15, also 2014/15, schaffte er dann den Durchbruch vom normalen Sofaspieler zum internationalen Turnierspieler. „Ich hab’ gedacht, ich habe nichts zu verlieren“, erinnert er sich an seine Intention, online die Qualifikation für ein Turnier in London mitzuspielen. Damals war er 17 und qualifizierte sich gleich. „Ich sollte Flug und Unterkunft bezahlt bekommen. Meiner Mutter und mir kam das komisch vor“, erzählt er. Nachdem sich die Familie versichert hatte, dass alles mit rechten Dingen zuging, flog Marcel Lutz nach London und kam mit 1000 Euro Preisgeld zurück. „Das war unglaublich für mich“, sagt er. Und es sollte noch besser werden. Als der VfB Stuttgart im Juli 2017 als dritter Bundesligist in den eSports-Markt einstieg, verpflichtete er neben dem Münsteraner Erhan „Dr. Erhano“ Kayman (27) auch den Shootingstar aus der Region. Für den VfB-Fan eine Riesensache.

Und für den Verein ein neues Geschäftsfeld mit Zukunft. „Für uns ist eSports eine Chance, noch näher an die Fans heranzurücken. Denn gerade die jüngeren Fans haben eine sehr hohe Affinität zu Fifa“, sagt Christian Ruf, der als Bereichsleiter Digitaler Vertrieb, Clubs und Fan-Service beim VfB für die eSports-Sparte zuständig ist. „Das ist keine Nische mehr, sondern ein stetig wachsender Markt“, betont er. Einer mit internationaler Reichweite, weil die Turniere weltweit im Netz verfolgt werden. Einer Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte zufolge wächst das Interesse an digitalen Sportwettkämpfen. „Bis 2018 wird sich eSports weltweit zu einem Milliardengeschäft entwickeln“, sagt Karsten Hollasch, Leiter der Sport-Business-Gruppe bei Deloitte. Schätzungen zufolge könnte das deutsche Marktvolumen in weniger als drei Jahren etwa 130 Millionen Euro betragen.

Unter den besten 32 von sieben Millionen

Für Marcel Lutz, der kürzlich seine Ausbildung zum Industriekaufmann abgeschossen hat, bedeutet das: Er kann auch in Zukunft das tun, was er am liebsten tut. Vier Stunden am Tag, vor Turnieren oft doppelt so lange, sitzt er vor der Konsole. „Spielen, spielen, spielen“, sagt er, „ist das, was man tun muss, um besser zu werden.“ Dazu sieht sich Marcel Lutz viele Videos von den Stars der Szene an – und profitiert auch von seiner eigenen Fußballkarriere im realen Leben. „Wer selbst aktiv war, hat auch virtuell ein besseres Spielverständnis“, sagt er.

Die Konkurrenz ist riesig: Sieben Millionen Spieler haben 2017 bei der Qualifikation zum Fifa Interactive World Cup (FIWC) in London, dem größten Fifa-Turnier der Welt, teilgenommen. 32 haben sich qualifiziert. Marcel Lutz war einer von ihnen. An diesem Wochenende fährt Marlut zur eSports World Convention (ESWC) nach Paris. Eine Woche später startet er auf dem Weg zur WM beim Fut Champions Cup in Manchester, wo auf den Sieger 200 000 Dollar Preisgeld warten.

„Sein Aufstieg scheint derzeit unaufhaltsam“, steht in Marluts Profil auf der Homepage des Spieleherstellers EA Sports. Auch wenn der Marbacher das manchmal selbst kaum glauben kann.




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