Eau Rouge aus Stuttgart Und nebenbei: Musik

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Die Band Eau Rouge aus Stuttgart nimmt auf dem Weg ins Popgeschäft eine wahre Ochsentour auf sich. Sie war zwischenzeitlich sogar Partyveranstalter. Über Bands als Gesamtkunstwerk und ein Leben im Hamsterrad.

Eau Rouge sind eine Band - und mehr las das. Um heute den Schritt ins Musikgeschäft zu schaffen, muss man ein Gesamtkunstwerk sein. Und Partyveranstalter. Im Folgenden zeigen wir Bilder aus der Kurzzzeit-Partylocation Klub Goldene Nacht. Foto: privat 10 Bilder
Eau Rouge sind eine Band - und mehr las das. Um heute den Schritt ins Musikgeschäft zu schaffen, muss man ein Gesamtkunstwerk sein. Und Partyveranstalter. Im Folgenden zeigen wir Bilder aus der Kurzzzeit-Partylocation "Klub Goldene Nacht". Foto: privat

Stuttgart - Eau Rouge dürften dem aufmerksamen Beobachter der Stuttgarter Pop-Szene zumindest schonmal über den Weg gelaufen sein. "Indie Electronic Noise" nennen die Stuttgarter Twentysomethings (Bo Zillmann / 24, Magnus Frey / 25 und Jonas Teryuco / 26) ihre Musik: elektronisch, mit Gitarren und aufgeräumter Rhythmusgruppe, dazu englischsprachiger Gesang mit weitem Tonalitäts- und Soundspektrum. Die Band wird gern gebucht, vom Popbüro, vom Musikclub Merlin oder vom Zwölfzehn, wo die Band ihre erste EP präsentierte.

Die Tür ins Popgeschäft steht einen Spalt weit offen. Da den Fuß reinzukriegen, ist trotzdem unheimlich kompliziert. Gute Musik zu machen, reicht nicht mehr. Sie professionell zu produzieren und ein Livevideo dazu drehen zu lassen auch nicht.



 
Vielleicht muss es inzwischen schon ein eigener Underground-Club sein.

"Golden Nights" nennt sich ein Eau-Rouge-Song, zu dem die Band ein professionelles Video gedreht hat - in einem ehemaligen Labor im Azenberg-Areal in Stuttgart-Nord. Die einst unter anderem von der Uni Stuttgart belegten Räume sind derzeit kreativ zwischengenutzt, mehrheitlich von Künstlern. Der Drehort hat der Band so gut gefallen, dass sie auf die Idee kam, dort Partys zu feiern. Und so taten sie es: rein privat, nur auf Einladung, wie die Band betont. Weil Eau Rouge in der Künstlerszene gut vernetzt sind und mit denen, die partymäßig in Stuttgart ganz vorne mit dabei sind, hatten die Abende in der "Klub Goldene Nacht" getauften Location schnell was von einem exklusiven Vergnügen für die Stuttgarter Feier-Elite. Das fühlte sich dann an wie ein echter Underground-Club. Und das in Stuttgart-Nord!

Mittlerweile sind die Partys Geschichte, wie die Band via Facebook mitteilte:

 

Der Club musste wegen Lärmbeschwerden aus der Nachbarschaft vorzeitig geschlossen werden. Man habe auch einfach möglichem Ärger mit der Polizei vorbeugen wollen, heißt es.

Wie aber kommt man als Band überhaupt auf die Idee, zum Kurzzeit-Partyveranstalter zu werden? Das beantwortet der Eau-Rouge-Sänger Jonas am besten selbst.  

"Unser Proberaum liegt ja nebenan, und den Raum, in dem das Video entstanden ist, hatte unser Video-Team um Till Beckert und Daniel Schinow sozusagen als Atelier gemietet. Wir hatten das ganze Set umgebaut - der Raum sah aus wie ein abgefahrener Klub, irgendwas zwischen Art Deco und den für die Location typischen schwarzen Wänden. Da wäre es doch schade gewesen, das nicht noch für Partys zu nutzen."

Stuttgart diskutiert derzeit viel über das von vielen behauptete Clubsterben. Hat das bei euren Partys auch eine Rolle gespielt?

"Klar, das sollte auch ein Zeichen sein, dass es weitergeht mit den Clubs. Natürlich wussten wir, dass die Leute gerne einen neuen Platz zum Tanzen hätten."

Gibt's Vorbilder, etwa Stuttgarter Underground-Clubs?

"Irgendwann gab's ja mal diese Gulli-Party am Nordbahnhof, und ich kenne noch Contain't in Cannstatt. Aber wir sind nicht in der Underground-Party-Szene verankert, wenn du das meinst."

Habt ihr das mit den Partys auch gemacht, um musikalisch weiterzukommen?

"Auf jeden Fall ist es eine Hilfe, wir haben ja sozusagen Cross-Promo gemacht - also als Band für den Klub und umgekehrt. Wir haben da ja auch als Band drin gespielt."


Und das alles, um sich in der Szene zu verankern, für etwas zu stehen, und die nötige Aufmerksamkeit zu gewinnen, die man für den Start ins Musikbusiness braucht. Nur damit man überhaupt mal reinkommt in die Welt der Musiklabels und Booking-Agenten, die einem eine schöne Deutschland- oder sogar Europa-Tour auf die Beine stellen helfen!

Kurzer Vergleich: ein Blick zu den Stuttgarter Musikern, die es in der jüngeren Vergangenheit geschafft haben. Cro - wurde im Netz für seine Mixtapes gefeiert, von dem Rapper KAS entdeckt und ist dann gemeinsam mit dem Label Chimperator groß geworden. Heisskalt, ebenfalls bei Chimperator unter Vertrag: waren früher schon in diversen Bands unterwegs, haben dann unzählige Gigs gespielt und konnten mit ihrem (professionell aufgenommenen) Demo das Herz von Chimperator und erst kürzlich Sony für den Vertrieb gewinnen. Die Nerven - stammen aus der Underground-Szene, haben chaotische Gigs im Konzertwaggon am Nordbahnhof gespielt und wurden mit den richtigen Leuten in Kontakt gebracht. Angeblich wusste sie nicht, wie groß das Label This Charming Man ist, auf dem Anfang Februar ihr republikweit gefeiertes Album "Fun" herauskam

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