Eberhardhöfe in Stuttgart Neues Projekt vereint Gastro, Kunst und soziale Hilfe

In den Eberhardhöfen  entsteht beim Tagblattturm  eine  Gastronomie, die Kunst und soziale Projekte fördern will. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko 5 Bilder
In den Eberhardhöfen entsteht beim Tagblattturm eine Gastronomie, die Kunst und soziale Projekte fördern will. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Außenfassade stammt von 1876, der Neubau dahinter nennt sich „New Work Spaces“. In den Eberhardhöfen, an einem markanten Ort der City, startet am 19. November ein ehrgeiziges Projekt, das Gastro, Kunst und soziale Hilfe vereint.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)

Stuttgart - Noch sind die Vorhänge der Schaufenster geschlossen in den Erdgeschossräumen, die sich direkt neben den Design Offices an der Eberhardstraße 65 befinden. Der Gastronom und Barkeeper Marcel Wanek hat darin Großes vor. „Das wird eine total coole Sache“, freut sich der gebürtige Stuttgarter.

Mit seinem Münchner Catering-Unternehmen Holy Taste ist er bekannt für Experimentierfreude, die Leib wie Seele betrifft. Nun will er auch in seiner Heimatstadt ordentlich punkten. In den Eberhardhöfen startet er – wegen Corona zunächst nur mit einem Take-Away-Service – am 19. November ein Pop-up-Projekt mit vietnamesischer Küche, das er unter dem Begriff „Social Business“ einordnet. Mit wirtschaftlichen Mitteln will Wanek Hilfsorganisationen wie Viva con agua unterstützen, also etwa jene Aktivisten, die sich weltweit dafür einsetzen, dass alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Viva-con-agua Mitgründer Fritz setzt sich ins Schaufenster

Zur Eröffnung gibt’s bereits einen Hingucker, der in den sozialen Medien für Aufsehen sorgen dürfte. Michael Fritz, der mit dem Fußballer Benjamin Adrion, einem gebürtigen Stuttgarter, vor 15 Jahren in Hamburg den Verein für sauberes Wasser in den Entwicklungsländern gegründet hat, wird Platz nehmen im Schaufenster der neuen City-Gastronomie – auf einer Schüssel. An diesem Tag ist der „World Toilet Day“. Das ist nicht nur ein Anlass zum Schmunzeln. Denn der Welttoilettentag hat einen ernsten Hintergrund. Dieser Tag weist auf die gesundheitlichen Gefahren hin, die drohen, wenn ein Land nicht mit Toiletten ausgestattet ist. Für etwa ein Drittel der Weltbevölkerung trifft dies zu.

An diesem Tag sollen „Klofies“ gepostet werden, Fotos unter dem gleichnamigen Hashtag. Eine Toilette hat etwas mit Wasser zu tun – also für den Verein Viva con agua ein wichtiges Thema, mit dem sich die Aktivisten beschäftigen. Marcel Wanek wird diese Initiative künftig in seinem „Social Business“ aufnehmen, das für Nachhaltigkeit stehen soll.

Eine Rolle Klopapier gratis

Seit Februar arbeitet MarcelWanek an dem Gastroprojekt, das den Brand „Bánh mì & Bubbles“ erhält. Bánh mì ist der vietnamesische Begriff für eine bestimmte Art von belegtem Brot. Die Küche Vietnams spielt bei Marcel Wanek, der ein großes Angebot an veganen Gerichten anbieten wird, eine wichtige Rolle. „Bubbles bedeutet prickelnd und perlig“, erklärt der Barkeeper, „bei uns gibt es Schaumweine, auch in Bio-Qualität, vegane Schaumweine und Weinschorlen.“

Schon viel früher wollte der gebürtige Stuttgarter in den Eberhardhöfen zwischen Tagblattturm und Rathaus starten. 432 Quadratmeter stehen für ihn bereit neben den Design Officies. Doch die Pandemie machte ihm ein Strich durch die Rechnung. Weil die Vermieter beim Mietvertrag angesichts der Corona-Krise ihm entgegengekommen seien, geht er nun am Donnerstag der kommenden Woche an den Start. Zunächst gibt es asiatische Sandwiches to go. Ein Sponsor sorgt dafür, dass 100 davon am 19. November von 17 Uhr kostenlos verteilt werden.

Im Geist der Gründerzeit sind die Eberhardhöfe – an der Stelle, wo sich einst Orient-Teppiche befanden – neu gebaut worden, die alte Fassade ist geblieben. Zur Eröffnung gibt’s für jedes gekaufte Sandwich eine Rolle Klopapier gratis – von Goldeimer, dem Recycling-Papier von Viva con Agua, das auch dem guten Zweck dient.

Man trifft sich in der Welt – und dann aber in Stuttgart!

Sobald die Pandemie es zulässt, Innenräume des neuen Pop-up-Projekts zu nutzen, wird der Gastronom Künstler einladen, die großen Räume mit Installationen oder Bilder spannend zu gestalten. Ein neuer Treff für Stuttgarts Kreative soll entstehen. Einer der Kunstfreunde von Wanek ist Tim Bengel. In New York haben sich die beiden kennengelernt. Der Gastronom mixte dort Drinks in einer Galerie, in der Bengel ausstellte. Und wo wohl hat Marcel Wanek den Viva-con-Agua-Mitgründer Michael Fritz, der ebenfalls aus Stuttgart stammt, zum ersten Mal gesehen? „In Los Angeles“, antwortet er. Aber früher oder später trifft man sich halt in Stuttgart. So einfach ist das.




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