Eberhardstraße in S-Mitte Baustelle bedroht die Existenz von Händlern

Von Martin Haar 

Die Eberhardstraße in S-Mitte wird zur Großbaustelle. Dann fallen Parkplätze und teilweise Ladenzugänge weg – die Einzelhändler befürchten Schlimmstes.

Schon jetzt   ist es   für Michela    Inghese  nicht einfach, als Textileinzelhändlerin  zu überleben – doch  wenn die Baustelle in der  Eberhardstraße kommt, wird es noch schwerer. Foto: Haar
Schon jetzt ist es für Michela Inghese nicht einfach, als Textileinzelhändlerin zu überleben – doch wenn die Baustelle in der Eberhardstraße kommt, wird es noch schwerer. Foto: Haar

S-Mitte - Ende Februar müssen Händler und Passanten in der Eberhardstraße sechs Monate lang mit erheblichen Einschränkungen durch einen Riesenbaustelle leben. Auf einer Länge von knapp einem Kilometer ersetzt und erweitert der Stromnetzbetreiber alte Leitungen. Insgesamt investiert die Stuttgarter Netze etwa 1,2 Millionen Euro in diesen Bereich.

Besonders sichtbar werden die Erneuerung für Anwohner, Geschäftsinhaber und Passanten nun in der Eberhardstraße. Nach ersten Vorarbeiten im Januar erneuert die Stuttgart Netze voraussichtlich ab Ende Februar von Höhe der Kreuzung Torstraße/Eberhardstraße bis zur Kreuzung Marktstraße/Eberhardstraße das vorhandene Stromnetz. Die Arbeiten betreffen auch die Holzstraße bis zur Kreuzung mit der Dorotheenstraße. Um in dieser engen Straße genügend Platz zum Einrichten der Baustelle zu haben, fallen Parkplätze weg. Zudem wird der Zugang zu einzelnen Geschäften und Gebäuden zumindest für einen gewissen Zeitraum nur über Fußgängerbrücken möglich sein. Demnächst sollen Anwohner und Geschäftsinhaber per Brief und persönliche Gespräche über nähere Details und mögliche Verkehrseinschränkungen informiert werden.

Mulmiges Gefühl bei den Händlern

Schon jetzt sehen viele Händler diesen Bauarbeiten mit einem mulmigen Gefühl entgegen. Obwohl die meisten Geschäfte im wörtlichen Sinne von einer Laufkundschaft leben, ist kaum einer von einem weiteren Rückbau der Parkplätze begeistert. Aktuell findet man kaum Möglichkeiten, sein Fahrzeug kurz abzustellen, da es in dieser Straße überproportional viele Behindertenparkplätze gibt. Hinzu kommen zwei Ladeplätze für Elektrofahrzeuge. Mit der Baumaßnahme reduziert sich das Angebot in Richtung null.

Viel größeres Kopfzerbrechen bereiten den Händlern aber die geplanten Stege, die zu ihren Läden führen sollen. „Ich hoffe“, sagt der Mitarbeiter des Stuttgarter Teeladens, „das die Kunden keine Angst haben, über diese Brücken zu gehen.“

Schlaflose Nächte wegen dieser Baustelle hat indes Michela Inghese vom Textilladen Nym Italy: „Wir kämpfen täglich ums Überleben. Wenn jetzt noch ein Tropfen dazu kommt, sind wir fertig.“ Diese Baustelle könnte ihr den Todesstoß versetzen.

Eine ähnliche Maßnahme ist zudem im Gebiet zwischen Linden-Museum, Diakonie- Klinikum und Liederhalle vorgesehen. Auch dort werden in diesem und nächstem Jahr neue leistungsstarke Stromkabel verlegt. Nötig seien die Maßnahmen, weil die Anforderungen an das Stromnetz in der Stadt gewachsen seien. Stichworte sind dabei Elektromobilität, Quartiersentwicklung oder Neubauvorhaben von Gewerbe und Industrie.

3,7 Millionen Euro Investitionen

„Insgesamt investieren wir in diese beiden Großprojekte rund 3,7 Millionen Euro. Wir machen das Stromnetz damit auch in diesen zwei zentralen Gebieten der Innenstadt fit für künftige Herausforderungen“, sagt Harald Hauser, technischer Geschäftsführer der Stuttgart Netze. Auch beim zweiten Projekt, das Ende März beginnen soll, wird es Verkehrseinschränkungen geben. Im Karree zwischen dem Umspannwerk Sattlerstraße (nähe Linden-Museum), Diakonie-Klinikum und Liederhalle verlegt die Stuttgart Netze auf etwa 1,5 Kilometern Länge ebenfalls neue Mittel- und Niederspannungskabel. Zum Einsatz kommen Kupferkabel, die die Kapazität des Stromnetzes in diesem Bereich erheblich erhöhen. Nötig ist dies unter anderem wegen des Neubaus der Dualen Hochschule in der Lerchenstraße sowie aufgrund mehrerer Anfragen zur Installation von Ladesäulen für Elektromobilität.

Diese Baumaßnahme ist in drei Abschnitte aufgeteilt und dauert bis Ende 2019. Die besondere Herausforderung ist der Abschnitt zwischen den Kreuzungen Lerchen-/Seidenstraße und Seiden-/Breitscheidstraße: Dort ist in den vorhandenen Leitungstrassen wenig Platz für zusätzliche Kabel – zudem gilt es, den Stadtbahnverkehr der U4 nicht zu beeinträchtigen.

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