Ebersbach/Göppingen Musik überwindet Grenzen

Von Sabine Riker 

Zum vierten Mal erwartet der Musikverein Besuch aus Fernost. Das Orchester der Makuhari Sohgoh High School hält sich zwei Tage in der Stadt im unteren Filstal auf. Höhepunkt des Besuchs wird am Freitag ein Konzert in der Göppinger Stadthalle.

Nippon Symphony bietet nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch viele Tanz- und Showeinlagen. Foto: Digital Camera Origin/Veranstalter
Nippon Symphony bietet nicht nur etwas für die Ohren, sondern auch viele Tanz- und Showeinlagen. Foto: Digital Camera Origin/Veranstalter

Ebersbach - Zum vierten Mal wird das Orchester der Makuhari Sohgoh High School aus dem japanischen Chiba, einer Großstadt in der Nähe Tokios, in Ebersbach erwartet. Höhepunkt des zweitägigen Besuchs ist ein Konzert an diesem Freitag in der Göppinger Stadthalle. Die jungen japanischen Musiker präsentieren unter dem Titel „Nippon Symphony“ ein Programm, das den Bogen von der Filmmusik zu „Star Wars“ über Musicals bis hin zu japanischen Kompositionen und Volksliedern spannt. Den Kontakt nach Fernost knüpfte Peter Leukhardt vor fast 20 Jahren, als er noch Vorsitzender des Musikvereins Ebersbach war. Mittlerweile ist er der Ehrenvorsitzende und – wenn es um die Beziehungen nach Japan geht – nach wie vor derjenige, der die Strippen zieht.

Dass ihm der ferne Osten einmal so nahekommen würde, damit hat Peter Leukhardt ganz bestimmt nicht gerechnet. Doch ausgerechnet im südfranzösischen Bourg les Valence entdeckte er seine Schwäche für Japan.

Verständigung mit Händen und Füßen

Das war im Jahr 2000, das Jugendblasorchester Ebersbach spielte bei einem Milleniumskonzert in der Partnerstadt. Bei dieser Gelegenheit lernte er Hiroshi Sato kennen, und Peter Leukhardt schoss es spontan durch den Kopf, dass es doch eine tolle Sache wäre, diesen international bekannten japanischen Dirigenten zwei Jahre später zur 100-Jahr-Feier des Musikvereins nach Ebersbach einzuladen. Das war der Beginn einer, wie Leukhardt sagt, relativ späten Liebe zum fernen Osten, die sich mittlerweile schon an seiner Haustür manifestiert. Dort sind über den großen Lettern Leukhardt kleine japanische Schriftzeichen eingeritzt. „So schreibt man meinen Namen auf Japanisch“, erläutert er.

Dass Musik Grenzen überwindet, auch sprachliche, lässt sich an der Beziehung Ebersbach – Chiba studieren. Denn inzwischen hegen viele Ebersbacher Sympathien für Japan, auch wenn die Verständigung in den allermeisten Fällen mit Händen und Füßen erfolgt. Die ersten zarten Bande zwischen dem Musikverein und dem hochklassigen Orchester der Makuhari Sohgoh High School entwickelten sich nach dem Gastspiel des Dirigenten Hiroshi Sato im Jubiläumsjahr 2002. Peter Leukhardt erinnert sich noch gut: Kalt sei es gewesen an jenem 3. Mai. Das Konzert habe in einer „Riesenfabrikhalle“ in Ebersbach bei Temperaturen unter Null Grad stattgefunden. Das Konzert selbst sei unvergesslich gewesen.

Gastfamilien beherbergen die jungen Musiker

Und so habe man den Dirigenten mitsamt seinem Orchester eingeladen. 2006 war es soweit. Das Orchester der renommierten Makuhari Sohgoh High School aus Chiba machte während seiner Europatournee Station in Ebersbach. Mit dabei war auch Satoru Kasai, damals noch Schüler der High School. Mittlerweile ist er einer der drei Dirigenten, die das Orchester leiten, das nun schon zum vierten Mal Ebersbach besucht – zum Abschluss einer Tournee, die das Orchester auch ins Mozarteum in Salzburg führte. Besonders stolz ist Peter Leukhardt, dass es wieder gelungen ist, die jungen japanischen Musiker – es kommen jeweils die Abschlussklasse und die Klasse darunter – bei Ebersbacher Gastfamilien unterzubringen. Bei 94 Schülern sei das ein ziemlicher Kraftakt. Deshalb sei man von einem zweijährigen auch auf einen vierjährigen Besuchsrhythmus umgestiegen. „Das wäre sonst über die Kräfte des Vereins gegangen.“ Seither wechseln sich Ebersbach und Villingen-Schwenningen als Gastgeber ab. Seit dem letzten Besuch aus Japan sind in Ebersbach allerdings sechs Jahre vergangen. „Wir haben 2015 keine Halle gekriegt, deshalb fand auch dieses Konzert in Villingen-Schwenningen statt.“

Umso mehr fiebern Peter Leukhardt und seine Mitstreiter nun dem Besuch der japanischen Gäste entgegen, vor allem des geplanten Konzertes wegen. Das Orchester sei sehr gut. „Das Gymnasium ist bekannt für seine sehr gute musikalische Ausbildung.“ Ferner werde bei den Konzerten auch viel für das Auge geboten, etwa wenn die Musiker in farbenprächtigen Kostümen Volkstänze aufführten. „Das wird ein Highlight“, versichert Leukhardt. Außerdem sei das Orchester meistens in Bewegung. „Die laufen in Formation durch die Halle und musizieren gleichzeitig, das ist was ganz Besonderes.“ So diszipliniert die jungen Japaner auch seien, bei der Party nach dem Konzert gehe es richtig ab, erzählt Leukhardt. „Da ist wirklich was geboten.“

Ein ganz besonderes Konzert

Das Orchester der Makuari Sohgoh High School gastiert an diesem Freitag um 19 Uhr in der Göppinger Stadthalle. Auf dem Programm stehen unter anderem verschiedene Filmmelodien, eine Musical-Medley-Show aus „Phantom der Oper“ und die sogenannte Soran-Funk-Show. Soran ist eine traditionellen japanischen Volksliedgattung, die auf der Hauptinsel Hokkaido verbreitet ist.

Nicht nur die Musik steht im Mittelpunkt. Wichtig ist den Organisatoren um Peter Leukhardt auch die persönliche Begegnung. Im Anschluss an das Konzert findet deshalb auch eine große Party statt.

Zu dem Konzert werden der japanische Generalkonsul Tetsuya Kimura aus München und eine Vertretung des japanischen Generalkonsulats in Stuttgart erwartet. Zur Begrüßung spricht der Göppinger Landrat Edgar Wolff. Schirmherr der Begegnung ist der Ebersbacher Bürgermeister Eberhard Keller.