Wie der Ventilatorenhersteller aus Mulfingen trotz fehlender Bauteile einen Rekordumsatz schafft und sich für weitere Probleme in der Lieferkette rüstet.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)

Coronapandemie, fragile Lieferketten, der globale Kampf um elektronische Bauteile, der Ukraine-Krieg: Die Herausforderungen sind enorm und machen auch dem Ventilatorenhersteller EBM Papst aus Mulfingen/Hohenlohe wie etlichen anderen Unternehmen zu schaffen. Dennoch erzielte das Familienunternehmen im vergangenen Geschäftsjahr 2021/22, das am 31. März endete, einen Rekordumsatz von knapp 2,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von fast zehn Prozent.

Ein weiteres Wachstum wurde wegen fehlender Bauteile ausgebremst. Ventilatoren sind weltweit gefragter denn je – etwa bei Wärmepumpen, der Gebäudeklimatisierung, der energieeffizienten Ausstattung von Serverfarmen oder der Reinraumtechnik, um nur einige Beispiele zu nennen . „Wir könnten viel mehr absetzen als produzieren, uns fehlen Bauteile“, sagte Klaus Geißdörfer, der seit 1. November 2021 Chef von EBM Papst ist. Der Auftragseingang liegt um rund 1,4 Milliarden Euro höher als im Vorjahr.

Ausbau der Kapazitäten in USA und China

Auf die hohe Nachfrage reagiert das Unternehmen mit Kapazitätserweiterungen in China und den USA sowie mit neuen Forschungs- und Entwicklungsgebäuden und Laboren am Stammsitz Mulfingen. In diesem Jahr will EBM Papst 155 Millionen Euro (Vorjahr 140 Millionen) investieren – davon knapp 65 Millionen im Inland. Weitere 130 Millionen Euro sollen in Forschung und Entwicklung fließen.

„EBM Papst ist weltweit gut aufgestellt und besitzt in seinen Märkten großes Potenzial“, sagte Geißdörfer. Der Fokus liege auf den Megatrends Digitalisierung und Klimaneutralität.

Weniger Gewinn und damit weniger Gewerbesteuer

Der Boom hat aber auch eine Kehrseite: Die massiven Steigerungen bei Frachtkosten, Rohstoff- und Energiepreisen haben das Ergebnis belastet. Dies war allerdings positiv, hat jedoch zu deutlich weniger Gewerbesteuer geführt. Eine konkrete Zahl nannte Geißdörfer nicht. Er sprach von über 120 Millionen Euro zusätzlichen Kostenbelastungen. Dieses Jahr dürfte das Ergebnis besser ausfallen, da man die Materialpreissteigerungen mittlerweile an die Kunden weitergibt. Kurzfristig sei das nicht möglich gewesen.

Angesichts fehlender Elektronikbauteile und Halbleiter rechnet der EBM-Papst-Chef vor allem in den nächsten drei Monaten erneut mit Produktionsunterbrechungen im Unternehmen. Man habe das Potenzial zweistellig zu wachsen, aber das hänge davon ab wie viel Bauteile man bekomme. In diesem Zusammenhang bemängelte er, dass es in Deutschland Halbleiterhersteller gebe, die weiter massiv exportierten, doch die heimische Industrie habe das Nachsehen.

Mulfinger geben Russland-Geschäft auf

Das Russland-Geschäft – zwei Gesellschaften mit 50 Mitarbeitern – gibt EBM Papst auf und verkauft es ans dortige Management. Angesichts der Sanktionen war es eh zum Erliegen gekommen, wobei die Mitarbeiter weiter bezahlt wurden.

Weltweit beschäftigt das Mulfinger Familienunternehmen knapp 14 800 Mitarbeiter, gut 280 mehr als im Vorjahr. Zuwächse gab es vor allem im Ausland, das wird auch dieses Jahr so sein, Planungen zufolge soll die Zahl weltweit auf mehr als 15 500 steigen.

Jobabbau fällt geringer aus

Bei der Konzern-Tocher EBM Papst St. Georgen mit Standorten in St. Georgen (Schwarzwald-Baar-Kreis), Herbolzheim (Kreis Emmendingen) und Lauf (bei Nürnberg), die unter anderem Lüfter für die Automobilindustrie herstellt, fällt der geplante Stellenabbau geringer aus. Statt 170 Jobs sollen nur 70 gestrichen werden, weil künftig im Werk Herbolzheim große Lüfter für andere Bereiche hergestellt werden.