Ebola-Epidemie Das Virus tötet zu schnell

Bild einer früheren Ebola-Epidemie im Kongo: damals starben 254 Menschen – 80 Prozent der Infizierten. Foto: AFP
Bild einer früheren Ebola-Epidemie im Kongo: damals starben 254 Menschen – 80 Prozent der Infizierten. Foto: AFP

Die Infektionskrankheit Ebola, die gerade in Westafrika wütet, löscht manchmal ganze Familien aus. Doch gerade weil sie schnell tötet, hat sie oft nicht genug Zeit, um andere Menschen zu befallen. Daher rechnen Experten nicht mit einer globalen Epidemie.

Wissenschaft: Tanja Volz (vz)
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Stuttgart - Der Name steht für Angst und Schrecken: Ebola. Dieses Virus, das seit Jahrzehnten immer wieder für todbringende Seuchen in Afrika sorgt, hat es in viele Bücher, Filme und Fernsehserien geschafft. In den vergangenen Wochen machte es erneut Schlagzeilen. Seit Ebola in dem westafrikanischen Land Guinea ausgebrochen ist, sind die todbringenden Viren aus dem Dschungel ein medienwirksames Thema. Und es steht immer die Frage im Raum: kann der Erreger nach Europa oder die USA eingeschleppt werden? Ist etwa die gesamte Menschheit in Gefahr?

Theoretisch kann das Virus durch Reisende aus Westafrika mit dem Flugzeug in jedes Land gelangen. Schließlich kann die Inkubationszeit bis zu drei Wochen betragen – in dieser Zeit trägt der Betroffene das Virus in sich, merkt aber nichts davon. Erst wenn die Krankheit ausbricht, ist der Infizierte ansteckend.

Aus seuchenhygienischer Sicht spielt das Virus jedoch kaum eine Rolle. Forscher halten es für sehr unwahrscheinlich, dass sich ein Virus wie Ebola über den Globus ausbreitet. Wenn die Erkrankung den Patienten schwächt, ist dieses Virus so gefährlich, dass es seinen Wirt sehr schnell tötet – der Betroffene stirbt und hat nur wenig Möglichkeiten, andere Menschen anzustecken. Das Virus tötet seinen Wirt, noch bevor es genügend andere Wirte gefunden hat, um sich global auszubreiten.

Anhusten reicht nicht zur Infektion

Daher blieben die Epidemien in Afrika bisher lokal begrenzt. Nur alle paar Jahre entflammte das Ebola-Fieber in verschiedenen Regionen des afrikanischen Kontinents. Seit das Virus im Jahr 1976 an den Ufern des Ebola-Flusses im damaligen Zaire aufgetreten ist, starben etwa 1300 Menschen an dieser Infektion. Gemessen an anderen Infektionskrankheiten wie Aids, spielt Ebola seuchenpolitisch eine untergeordnete Rolle. Das Infektionsrisiko ist zudem nur für Menschen hoch, die direkten Kontakt zu einem Patienten haben. Daher ist nach Angaben der europäischen Seuchenbehörde ECDC das Risiko, sich als Tourist anzustecken, gering. Ebola wird nicht wie etwa die Grippe über die Luft durch Niesen oder Husten verbreitet. Nur beim direkten Kontakt mit dem Blut, Ausscheidungen, Körperflüssigkeiten oder sehr engem Kontakt mit einem infizierten Toten, beispielsweise bei der Bestattung, kommt es zu einer Übertragung. Daher sind meist Angehörige betroffen, die den Patienten bis zu seinem Tod gepflegt haben – in Afrika meist in dessen Heim, ohne ausreichende Hygiene und Desinfektionsschutz. Das Dschungelfiber blieb auf abgelegene Dörfer beschränkt. Dort hat es aber ganze Familien ausgelöscht.

Bis ins Detail haben Wissenschaftler diese Erkrankung und ihre Verbreitung allerdings noch nicht durchschaut. Es handelt sich um eine sogenannte Zoonose, also eine Erkrankung, die ursprünglich aus dem Tierreich kommt. Biologisch gesehen ist der Mensch ein Fehlgriff für das Virus. Denn dieses braucht einen Wirt, in dem es überleben, sich vermehren und massenhaft ausbreiten kann. Lange hat man nach dem eigentlichen Wirt gesucht und meint ihn nun gefunden zu haben. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin überlebt das Virus am besten in Flughunden, ohne diesen Tieren in irgendeiner Weise zu schaden. Flughunde gelten in manchen afrikanischen Gegenden als Delikatesse. Zudem stehen Flughunde auf dem Speiseplan von Affen, die jedoch an Ebola erkranken können. Die Affen werden auch vom Menschen gegessen, ein Ebola-infiziertes Tier ist zudem eine leichte Beute.

Eine Therapie gibt es nicht

Trotz der geringen globalen Bedeutung macht die Erkrankung den Menschen in Afrika dennoch Angst. Und nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört die derzeitige Epidemie zu den schlimmsten jemals registrierten Ausbrüchen des Virus. Bisher gibt es in Guinea 101 Tote und 157 Verdachtsfälle. Im Nachbarland Liberia sind zehn Menschen an dem Virus gestorben, 21 sind infiziert. Es sei der erste Ausbruch von Ebola in Westafrika und ein großes Problem bei dieser Epidemie sei daher, dass man in diesen Ländern kaum Erfahrung mit der Erkrankung habe, so die WHO-Experten.

Weil das von Ebola verursachte hämorrhagische Fieber zu Beginn nicht von anderen Erkrankungen unterschieden werden könne, sei die Diagnose für die Ärzte vor Ort oft schwierig. Eine sichere Diagnose gelinge nur mit Hilfe molekularbiologischer Untersuchungsmethoden. Internationale Hilfsorganisationen sind vor Ort vor allem auch damit beschäftigt, Personen zu finden, die Kontakt zu Ebola-Opfern hatten. Denn erstmals beschränkt sich die Epidemie nicht auf einzelne Orte, sondern auf ganz unterschiedliche Teile des Landes. „Teams von Ärzte ohne Grenzen sind zusammen mit den lokalen Behörden aktiv. Gemeinsam suchen sie nach Personen, die sich bei den bereits infizierten Patienten angesteckt haben könnten“, sagt Esther Sterk von Ärzte ohne Grenzen. Bei Beerdigungen sollten Betroffene begleitet werden, da es enorm wichtig sei, einen engen Kontakt zum Verstorbenen zu vermeiden.

Wer sich mit dem fadenförmigen Virus ansteckt, kämpft zunächst mit hohem Fieber, Gliederschmerzen und Übelkeit. Das Virus nistet sich in den Zellen des Immunsystems ein und kann daher sämtliche Organe des Körpers befallen. Aufgrund einer Immunreaktion beginnen Schleimhäute und kleinere Blutgefäße zu bluten. Es gibt fünf sehr aggressive Untertypen des Virus, eine davon wütet derzeit in Westafrika. Behandeln kann man Ebola nicht.

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