Der 35. Töpfermarkt in Urbach verwandelt den Ort in ein lebendiges Zentrum für Kunsthandwerk. Zwischen Keramik, Unikaten und einem bunten Flohmarkt entdecken Besucher echte Raritäten.
Eva Herschmann
26.04.2026 - 14:17 Uhr
Ein paar kleine Kugeln, eine Handvoll Quadrate und einen birnenförmigen Vogel mit einem Nest voller Eier aus Ton hatte Bela getöpfert – mit etwas Unterstützung seines Vaters. Ob aus dem Dreijährigen, der mit seinen Eltern aus Bad Cannstatt gekommen war, jemals ein Keramiker wird, weiß keiner. Anschauungsunterricht gab es für ihn – und seinen Vater – beim 35. Töpfermarkt in Urbach an den Ständen rund ums Schloss am Wochenende jedenfalls genügend.
60 Töpfereien aus Deutschland, Frankreich, Polen und Ungarn zeigten bei schönstem Frühlingswetter ihre Kreationen. Zu ihnen gesellten sich 20 Kunsthandwerkerinnen und -handwerker, die Anziehendes, Schmückendes und Kunstvolles aus edlen Metallen, Filz, Glas, Holz oder Leder erschaffen.
Bunter Straßenflohmarkt lockt Besucher aus ganz Süddeutschland
Schon auf den Wegen, die zum Schloss führten, gab es für die Besucherinnen und Besucher was zu entdecken. Die Urbacher nutzen den Ansturm auf den Töpfermarkt, der Menschen nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Süddeutschland anlockt, traditionell für einen bunten Straßenflohmarkt. Haushaltsartikel, Bücher und anderer Krimskrams waren auf Tischen entlang der Straßen ausgebreitet. Und auch die Kinder machten mit. „Da wechseln immer viele Playmobil- und Lego-Sachen die Besitzer“, sagte eine Anwohnerin.
Beim Flohmarkt wurden Porzellan und Keramik angeboten, etwas gebraucht, aber gut erhalten. Beim Töpfermarkt auf dem malerischen Schlossgelände gab es natürlich auch Geschirr – und zwar in unzähligen Varianten, Mustern und Farben. Klassische Töpferware, bodenständig und in naturnahen, erdigen Braun- oder Grüntönen, einfarbig bunte Tassen und Teller, mit farbenfrohen Mustern, verspielten Blümchen, mit Tieren, Sprüchen oder ganz elegant und grafisch in Schwarz-Weiß gehalten.
Schöne Schalen gibt es auch zu kaufen. Foto: Eva Schäfer
Die Kreativität der Ton-Künstler hört bei Teller, Tassen oder Schalen aber noch längst nicht auf. Auffallend waren die vielen blumigen Kreationen. Aus dem irdenen Material werden filigrane Blüten geformt, kleine Märzenbecher ebenso wie große Mohnblumen, die wetterfest und langlebig, aber, wie die meisten ihrer Vorbilder, nicht frostfest sind.
Die „11fen“ von Karin Lutz schweben und tanzen anmutig an Schnüren durch die Luft. Ihre Remstäler Fluss-Pferde hingegen stecken in stabilen Metallstäben in der Erde. Die Urbacher Künstlerin hat die „Equus Piscis Remstalis“, die alle den charakteristischen Kopf eines Araberpferdes haben, anlässlich der Remstal-Gartenschau 2019 „entdeckt“. „Sie vermehren sich ausschließlich durch einen künstlerischen Akt, den man als hirnschwangeres, beseelendes Modellieren bezeichnet“, sagte die 63-Jährige mit einem Augenzwinkern. „Und es gibt sie nur an der Rems zwischen Urbach und Plüderhausen, aber irgendwann mache ich sie weltberühmt.“
Wichtel haben ihren Ursprung in Skandinavien, doch sie sind längst über den ganzen Globus verbreitet. Stefanie Ernst-Fleury aus Rudersberg töpfert für die freundlichen Kobolde märchenhaft bunte Wichtelhäuschen, Miniaturgärten mit Rosenbögen und Sitzbank und ganze Wichtelwelten, die nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringen. Alles sind Unikate, aus Ton per Hand hergestellt, liebevoll bemalt und gebrannt.
Magische Geschichten und bunte Figuren verzaubern Besucher
Der Stand von Susanne Schuster aus Augsburg war ebenfalls ein großer Anziehungspunkt für die kleinen Gäste und alle Junggebliebenen. Denn dort gab es handgefertigte Blumenkinder, Elfen oder Zwerge, und dazu auch noch viele Geschichten. Reiner Fischer, der Gatte der Puppenmacherin, der eigentlich Metallkünstler ist, saß neben einem Koffer voller bunter Fingerpuppen in menschlicher und tierischer Gestalt und erweckte sie durch seine Erzählungen zum Leben.
Bela und seine Eltern schlenderten nach getaner Arbeit übers Gelände. Die Kugeln, Quadrate, der birnenförmige Vogel samt Nest und Eiern von Vater und Sohn aus der Kindertöpferei auf einem Papierteller wurden im Buggy durch die Menge kutschiert. Bela lief lieber nebenher, damit den kleinen Ton-Werken nichts passiert. Vielleicht wird aus dem Cannstatter Bub kein Töpfer, aber vermutlich wächst hier ein Liebhaber von Keramik und Handwerkskunst heran.