Echterdingen Schallschutz als städtebauliche Chance

Von Thomas Krämer 

Leinfelden-Echterdingen braucht einen Schallschutz, wenn die Fernzüge hindurchbrausen. Ein Planungsbüro hat mit den ungeahnten gestalterischen Möglichkeiten begeistert, die diese bauliche Pflichtaufgabe eröffnet.

Pflicht und Kür: Die Bahn muss die Kosten für den standardmäßigen Schallschutz übernehmen. Will die Kommune es schöner haben, muss sie das selbst bezahlen. Foto: Thomas Krämer
Pflicht und Kür: Die Bahn muss die Kosten für den standardmäßigen Schallschutz übernehmen. Will die Kommune es schöner haben, muss sie das selbst bezahlen. Foto: Thomas Krämer

Echterdingen - Noch ist unklar, wann der erste Schnellzug durch Leinfelden-Echterdingen fahren wird. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hat am Dienstag die Baugenehmigung für den Flughafenbereich von S 21 gestoppt, die Bahn kann dort vorerst nicht bauen. Für das Unternehmen hat das nach eigenen Angaben keinen Einfluss auf die ab Sommer 2019 geplanten Bauarbeiten, während der Nabu als Kläger von einer Bauverzögerung von ein bis zwei Jahren ausgeht. Auch die von der Bahn ursprünglich für das letzte Quartal 2018 geplante Erörterungsbehandlung für den Abschnitt vom Flughafen in Richtung Rohr wurde ins kommende Jahr verschoben, wie Eva Noller, die Baubürgermeisterin von Leinfelden-Echterdingen, in der jüngsten Sitzung des technischen Ausschusses sagte.

Dennoch sollen die Anwohner an der Bahnlinie vor dem Lärm der vorbeifahrenden Züge geschützt werden. Die Bahn will dies mit Standard-Lärmschutzwänden machen, würde aber eine schönere Gestaltung durch die Stadt auf deren Kosten zulassen.

Doch nicht horrormäßig

„Wir sehen Lärmschutz nicht als reines Ingenieurbauwerk und wollen darin andere Ideen und Elemente integrieren“, sagte der Landschaftsplaner Christof Luz. Er stellte mit Matthias Schuster vom Architektur- und Stadtplanungsbüro „Lehen drei“ Ideen für die Kommune vor. Und die wurden von den Stadträten überaus positiv, fast euphorisch aufgenommen. „Das ist viel mehr, als wir erwartet haben“, sagte SPD-Fraktionschef Erich Klauser. Hans Huber, der Fraktionschef der Freien Wähler, bekannte in seiner letzten Sitzung im Technischen Ausschuss, „echt froh zu sein, was die Planer aus diesen schrecklichen Schallschutzmaßnahmen gemacht haben“. Wolfgang Haug (Freie Wähler) hegt die Hoffnung, dass der Schallschutz nun nicht zum Horrorszenario der Bahn führen muss, und auch die Grünen- Fraktionsvorsitzende Ingrid Grischtschenko signalisierte ihr Gefallen.

Doch was hat die Stadträte so begeistert? In Oberaichen sollen die Standard-Schallschutzwände der Bahn durch Pflanzen verdeckt werden. Der schön gestaltete S-Bahnhof wird als Mobilitätspunkt nach den Ideen der Planer aufgewertet und dank Aufzügen barrierefrei. Zusätzlich schlagen sie ein Dach vor, das in Form eines Eies nördlich und südlich der Schienen gebaut wird. Entlang der Manosquer und Rohrer Straße könnte in Richtung der Gebäude eine begrünte Schallschutzwand stehen und auf der Seite der Felder schlagen die Planer einen Wall vor – sofern die Landwirtschaft mitmacht.

Gestalterische Schönheit kostet

Auch am Bahnhof in Leinfelden wird Schallschutz notwendig. „Dieser könnte in Form eines 1,40 Meter hoher Tresens als Wartebereich in die Gestaltung des Bahnsteigs integriert werden“, so Schuster. Beim Neuen Markt wollen die Planer den Schützenweg anheben und so neue Wege für den neuen zentralen Platz in Leinfelden schaffen. Schallschutz in der Markomannenstraße soll eine gestaltete Mauer bieten. In Echterdingen wollen sie den Abgang zur S-Bahn ansprechender gestalten. An der Mauer, die von dort in Richtung Flughafen als Schutz gegen den Lärm gebaut werden soll, könnte ein neues Wohnquartier entstehen, indem man dort die Gleise überbaut.

Die Bahn muss die Kosten für den Standard-Schallschutz übernehmen, was insgesamt 4,1 Millionen Euro ausmacht. Je nach Gestaltung, für die sich der Gemeinderat entscheidet, muss die Stadt zwei bis knapp 5,5 Millionen Euro drauflegen.




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