Wo sonst Gebete und Orgeltöne den Raum füllen, gab es englische Popsongs und Lichteffekte. Am Samstag veranstaltete die Evangelische Leonhardsgemeinde in Stuttgart mit dem CVJM einen Abend voller Popsongs des britischen Singer-Songwriters Ed Sheeran.
Pfarrer Benedikt Jetter hält den „atmosphärischen Kirchraum“ der Leonhardskirche mit ihrer Weite und „klasse Akustik“ für perfekt. Passend dazu fokussierte sich der Input seiner kurzen Andacht auf Ed Sheerans Hit „Perfect“.
„Tiefgründiger als man denkt“
In der Leonhardskirche wurden Ed Sheerans Songs nicht bloß abgespielt, sondern von einer Band des CVJM Stuttgart live performt. „Ed Sheerans Texte sind oft tiefgründiger, als man denkt“, sagte die Bandleitung Mirjam Becker, „ deshalb haben wir ihn ausgesucht.“
Pop-Gottesdienste wie in Heidelberg mit Taylor Swift waren zwar Vorgänger, aber kein Hauptargument für das neue Format „Pop meets Church“. Die Inspiration, Popsongs mit Kirche zu verbinden, schöpfte Pfarrer Jetter aus seinem Arbeitsalltag. Beispielsweise spielten bei Beerdigungen Lieblingslieder der Verstorbenen eine große Rolle. „Schlager, Popsongs, alles Mögliche“, erzählte der Theologe vorab. Für passende Trauerreden suchte er Zeilen aus den Liedern, die sich mit christlichen Werten und der Lebensgeschichte der Menschen verbinden lassen.
Popmusik und Kirche: Ein „perfektes“ Match?
Immer wieder wurden Teile der Songs ins Deutsche übersetzt. Es ging um Themen wie Geborgenheit und Dankbarkeit. „You look perfect“, singt Ed Sheeran in „Perfect“. „Du bist gut so, wie du bist, du bist perfekt“, übersetzte Jetter frei.
Damit habe der britische Sänger „unter Umständen ungewollt eine wesentliche Aussage des christlichen Glaubens zusammengefasst“, findet der Theologe. Denn nach biblischen Vorstellungen wurde der Mensch nach Gottes Abbild „perfekt“ geschaffen. Ob Ed Sheeran das ähnlich sieht? „Für ein Interview hatten Ed Sheeran und ich leider zu volle Terminkalender“, fügte Jetter augenzwinkernd hinzu.
Der Abend kam bei den Besuchern gut an: Die Kirchenbänke waren gut gefüllt – nicht auf Heiligabendniveau, aber zahlreicher als an einem Sonntag – und nach dem letzten Lied wurde mehrere Minuten lang Beifall geklatscht. „Es war auch einfach eine schöne Atmosphäre“, sagte eine Besucherin. Vor allem die Beleuchtung, die stimmungsvoll auf die Lieder abgestimmt war, habe ihr gefallen.
Auch Pfarrer Jetter war zufrieden und bedankte sich bei allen Beteiligten persönlich. Der nächste Termin steht auch schon fest. Am Samstag, den 21. März, geht es weiter mit den Liedern von Megastar Taylor Swift.