Edeka in Althütte schließt Nahversorgung in Gefahr

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Der „Nah und Gut“-Markt in Althütte macht zu. Die Suche nach einem Nachfolger ist schwer, weil in drei Jahren ein Supermarkt eröffnen soll – jetzt überlegen Gemeinde und Bürger, wie die Nahversorgung bis dahin aussehen könnte.

Der Edeka macht zu – und die Gemeinde Althütte sucht eine Übergangslösung. Foto: Gottfried Stoppel
Der Edeka macht zu – und die Gemeinde Althütte sucht eine Übergangslösung. Foto: Gottfried Stoppel

Althütte - Die Zeit für den Edeka in Althütte (Rems-Murr-Kreis) läuft ab: „Bis Ende des Jahres haben wir den Laden hoffentlich leer, vielleicht machen wir die ersten 14 Tage im Januar noch“, sagt der Marktleiter Marcus Raimund. Nach neun Jahren haben er und seine Frau sich entschlossen, den „Nah und Gut“-Markt dicht zu machen. Der Laden ist Althüttes einziger Supermarkt – und sein Fehlen wird vor allem jene vor ein Problem stellen, die nicht mobil genug sind, um Alternativen in Allmersbach, Rudersberg, Auenwald oder Backnang zu erreichen. „Ich habe auch die Kindergärten und Vereine beliefert“, erzählt Raimund.

Wer will für drei Jahre lang einen Laden in Althütte betreiben?

Die Gemeinde sucht jetzt – unter anderem auf Facebook einen neuen Betreiber des 300-Quadratmeter-Ladens. Doch es dürfte schwer werden, jemanden zu finden. Denn in unmittelbarer Nähe soll mittelfristig ein Vollsortimenter mit rund 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnen – gewaltige Konkurrenz, vor allem in einem so kleinen Ort wie Althütte. „Ich gehe nicht davon aus, dass sich da ein Nachfolger findet“, sagt Raimund.

Nachdem die Netto-Pläne im Ort bekannt geworden waren, hatte es eine Unterschriftenaktion mit fast 900 Teilnehmern gegeben. Die Gemeinde reagierte und gab dem Edeka-Markt eine Bestandsgarantie: Der neue Netto würde erst gebaut, wenn die Raimunds sich zur Ruhe setzen. Die Konkurrenz durch den neuen Supermarkt war nicht der einzige Grund für die vorzeitige Schließung: „Wir hätten in den Laden 200 000 Euro investieren müssen“, sagt Raimund. Diese Kosten für ein neue Kassen- und Kühlsysteme seien zu hoch, um hereingeholt zu werden.

Ein Dorfladen in Sechselberg machte nach zehn Jahren dicht

Der Bürgermeister von Althütte, Reinhold Sczuka, rechnet damit, dass es noch drei Jahre braucht, bis der neue Supermarkt die Althüttener versorgen kann. Bislang sei Netto der einzige Interessent – aber bei bisherigen Ansiedlungen sei es oft so gewesen, dass andere Betreiber nachziehen, sobald einer sich vorgewagt habe.

„Wir wären sehr froh, wenn wir jemanden für die Interimszeit finden würden“, sagt er. Es gebe schon einige Ideen –„da ist aber noch nichts in trockenen Tüchern“, betont er. Die Gemeinde hoffe auf Vorschläge, auch ein Dorfladen sei als Übergangslösung eine Option. „Wichtig ist aber, dass es jemand macht, der sich auskennt. Sonst wird das eine Totgeburt.“

Vor einiger Zeit hatte es im Althüttener Teilort Sechselberg schon einmal einen ehrenamtlich betriebenen Dorfladen gegeben. Dieser hatte jedoch nach zehn Jahren geschlossen, als im nahen Auenwald ein großer Edeka-Markt eröffnete.

Einkaufen im Dorf – so funktioniert es in anderen kleinen Gemeinden:

Die Nahversorgung ist nicht nur in Althütte eine Herausforderung. In Urbach etwa stand der ehemalige Bonus-Markt für mehrere Monate leer, bevor sich jüngst eine umtriebige 28-Jährige fand, die dort Obst, Gemüse und Produkte aus dem Mittelmeerraum verkauft.

Doch so ein Fall ist eher die Ausnahme: Vielerorts sind Ehrenamtliche oder Genossenschaften gefragt. In Lorch-Waldhausen (Ostalbkreis) zum Beispiel hat vor rund drei Jahren ein genossenschaftlich organisierter Dorfladen eröffnet. In Weissach im Tal gibt es neuerdings ein „Brunnen-Mobil“, das die Teilorte anfährt und dort regional erzeugte Waren anbietet.

Wirtschaftlich rentabel sind solche Läden kaum. Für die Betreiber sind weniger der Profit oder ein großes Sortiment wichtig – sondern vielmehr die Möglichkeit, möglichst regional erzeugte Ware vor Ort einzukaufen und damit noch einen Schwatz an der Kasse zu verbinden.

Was der scheidende Althüttener Edeka-Betreiber Marcus Raimund im nächsten Jahr tun wird? „Wer etwas arbeiten will, der kriegt immer ein Geschäft“, ist er überzeugt. Nur selbstständig sein – das wolle er jetzt nicht mehr.