Effektkino: „Batman v Superman: Dawn of Justice“ Schuttwolken in den Städten

Von Martin Schwickert 

Zwei der dienstältesten Superhelden der Comic-Historie treffen nun auch im Kino aufeinander. Aber „300“-Regisseur Zack Snyder interessiert sich wenig für die Persönlichkeiten von Batman und Superman. Ihm ist nur der Rabatz wichtig.

Die Muskeln eines Superman hat Henry Cavill zu bieten, sonstiges Format nicht. Foto: Warner Bros.
Die Muskeln eines Superman hat Henry Cavill zu bieten, sonstiges Format nicht. Foto: Warner Bros.

Stuttgart - Vor dem 11. September 2001 hatte man keine Vorstellung davon, wie das überhaupt aussieht, wenn ein Wolkenkratzer einstürzt. Seitdem sind die Nachrichtenbilder des in sich zusammensinkenden World-Trade-Centers und der heranrollenden Staub- und Schuttwolken, unter denen flüchtende Menschen begraben werden, fest im globalen Gedächtnis verankert – und werden auch im Kino zitiert. Erst vorsichtig im Hintergrund auf flimmernden Fernsehbildschirmen. Dann zunehmend direkter bis hin zu jener schamlosen, nahezu dokumentarischen Reinszenierung, mit der nun Zack Snyders „Batman v Superman: Dawn of Justice“ eröffnet und das kollektive Trauma endgültig ins Entertainment-Format banalisiert.

Die Orgie der Zerstörung geht hier allerdings nicht von irdischen Terroristen aus, sondern von Aliens, deren Invasion nur durch Supermans heroischen Einsatz (Henry Cavill) vereitelt werden konnte. Achtzehn Jahre später hat man dem Helden zwar ein riesiges Denkmal errichtet, aber die Angst vor einer außerirdischen Gefahr hat sich tief in die Gesellschaft von Metropolis eingebrannt. Als Superman seine Geliebte Lois (Amy Adams) aus den Händen talibanesker Warlords befreit, kommt es in der afrikanischen Wüste zu unschönen Feuergefechten, bei denen zahlreiche Zivilisten getötet werden.

Omnipotenter Wutbürger

Superman beteuert seine Unschuld an den Kollateralschäden, aber Senatorin Finch (Holly Hunter) will nun auch Superhelden unter demokratische Kontrolle stellen. Nicht nur die Öffentlichkeit jedoch beginnt sich gegen ihren Beschützer zu richten, auch Kollege Batman aus dem benachbarten Gotham City. Mit finsterer Miene und angegrautem Haar spielt Ben Affleck erstmals den depressiven Fledermausmann, der von apokalyptischen Zukunftsvisionen heimgesucht wird. Der dunkle Ritter hat sich zum omnipotenten Wutbürger entwickelt, für den im Kampf gegen das Böse der Zweck alle Mittel heiligt.

Im gottähnlichen Superman sieht Batman keinen Alliierten, sondern einen Konkurrenten. Wie es zu dieser Fehleinschätzung kommt, wird trotz kräftiger Psychologisierungsversuche nie überzeugend klar. Vielleicht liegt das daran, dass dem Zusammentreffen der beiden Charaktere weniger narrative als profitwirtschaftliche Motive zugrunde liegen. Der große Comic-Konkurrent Marvel hat in zwei „Avengers“-Filmen mit einem weltweiten Einspielergebnis von fast 1,2 Milliarden Dollar gezeigt, wie man seine Kühe melkt. Da will das Haus DC Comics nicht hinten anstehen und rührt nun einen Super-Batman-Cocktail an, in dem auch noch Wonder Woman (Gal Gadot) als Quoten-Amazone auftritt.