Ehemalige First Lady Barbara Bush im Alter von 92 Jahren gestorben

Von red/AP 

Bodenständig, offenherzig und beliebt beim Volk: Barbara Bush ist tot. Die USA haben eine First Lady verloren, die durch ihre besondere Art auffiel. Zuletzt wollte sie gemeinsam mit ihren Lieben vom Leben Abschied nehmen.

Zeitweise beim Volk beliebter als ihr Ehemann: Barbara Bush. Foto: AP 10 Bilder
Zeitweise beim Volk beliebter als ihr Ehemann: Barbara Bush. Foto: AP

Washington - Zeitweise war sie bei US-Bürgern willkommener als ihr Ehemann - jetzt verliert die Politprominenz in den Vereinigten Staaten eine bekannte Persönlichkeit: Barbara Bush ist am Dienstag im Alter von 92 Jahren in Houston gestorben. Auf die Nachricht des Familiensprechers Jim McGrath reagierte das aktuelle wie das alte Washington bestürzt. Neben Präsidentenpaar Trump sprachen unter anderem auch die Familien Clinton und Obama den Bushs ihr Beileid aus.

Barbara Bush war eine von lediglich zwei First Ladys in der Geschichte der Vereinigten Staaten, die die Ehefrau eines Präsidenten, George H.W. Bush, und Mutter eines anderen Präsidenten, George W. Bush, war. Sie war krank und hatte zuletzt eine weitere medizinische Behandlung abgelehnt. Am Sonntag hieß es, sie verbringe die Tage im Kreise ihrer Familie.

Eine Sprecherin ihres Gatten (93) erklärte, er habe den ganzen Tag ihre Hand gehalten und sei bei ihrem Tod an ihrer Seite gewesen. Der 41. US-Präsident sei untröstlich, seine Frau verloren zu haben und mache nun eine schwere Zeit durch. Die beiden hatten sich mit gerade mal 17 und 18 Jahren kennengelernt und waren seit 1945 verheiratet - es ist die längste Ehe eines US-Präsidentenpaares.

George Bush würdigte seine Mutter

„Ich hatte den besten Job in Amerika“, schrieb Bush 1994 in ihren Memoiren mit Blick auf die Zeit im Weißen Haus. Ihr Mann hatte von 1989 bis 1993 amtiert. „Jeder einzelne Tag war interessant, hat sich gelohnt, und machte manchmal einfach großen Spaß.“

„Barbara Bush war eine fabelhafte First Lady und eine Frau wie keine andere, die Leichtigkeit, Liebe und Alphabetisierung zu Millionen Menschen gebracht hat“, würdigte Sohn George W. seine Mutter, die sich über ihre Stiftung für Lese- und Schreibkompetenz in sozial schwachen amerikanischen Familien eingesetzt hatte. Gleichzeitig sei sie für ihn und seine Geschwister so viel mehr gewesen: „Mom hat uns auf Trab gehalten und uns bis zum Ende zum Lachen gebracht. Ich kann mich glücklich schätzen, dass Barbara Bush meine Mutter war.“

Präsident Donald Trump ordnete an, Fahnen bis zur Beerdigung Bushs am kommenden Samstag in Houston auf halbmast wehen zu lassen. Die Amerikaner trauerten angesichts des Verlust dieser besonderen Frau, die eine Fürsprecherin für Familien im Land gewesen sei. Das frühere Präsidentenpaar Bill und Hillary Clinton würdigte sie als bemerkenswerte Frau mit Köpfchen und Schönheit. Sie habe gezeigt, was ein ehrliches und erfülltes Leben bedeute. Barack und Michelle Obama erklärten, Bush sei der Felsen einer Familie gewesen, die sich dem Dienst an der Nation verschrieben habe. Sie sei ein Beispiel für Demut und Anstand gewesen, was das Beste des amerikanischen Geists widerspiegele.

Beliebter als ihr Ehemann

Zeitweise war sie im Volk beliebter als ihr Ehemann. Markenzeichen waren ihre direkte Art und ein „großmütterlicher“ Stil, den sie nach Washington brachte - inklusive schneeweißem Haar und Perlenkette. Diese sei gefälscht, sagte sie oftmals ohne Zurückhaltung. „Was ihr seht, das bekommt ihr auch“, erklärte sie bei einer Versammlung der Organisation der Republikaner 1988, als ihr Gatte zum Nachfolger von Ronald Reagan nominiert wurde.

Zur Amtsvereidigung ihres Mannes löste sie durch das Tragen der Drei-Strang-Perlenkette einen nationalen Fashion-Trend aus. Später gab sie zu, den Schmuck ausgewählt zu haben, weil er ihre Falten am Hals verdecken sollte. Diese Aussage brachte ihr Anerkennung als bodenständige Persönlichkeit ein. Ihr braunes Haar wurde in den 1950er Jahren weiß, als ihre dreijährige Tochter an Leukämie erkrankte und später daran starb. Dass sie eine besondere Wirkung in der Öffentlichkeit hatte, war Bush klar. Dank des weißen Haares werde sie wohl als „Jedermanns Großmutter“ wahrgenommen, sagte sie einst.