Der Knabenchor Collegium Iuvenum ist stolz auf seine Ehemaligen. Der 25-jährige Benjamin Hartmann dirigiert künftig von Sommer an den renommierten Kammerchor in Maulbronn.
Man findet sie bei vielen Firmen, nicht selten in führenden Positionen: Frühere Sänger des Knabenchors Collegium Iuvenum Stuttgart (CIS) schaffen etwa bei Bosch, Google, Rodenstock oder Würth. Sie sind als Schauspieler im Fernsehen oder als Moderatoren im Radio. Und häufig bereichert ihre Musikalität Chöre oder Opernhäuser von Staatstheatern. Kein Zufall, schließlich würden die jungen Sänger bei ihnen Konzentration, Ausdauer und soziale Kompetenz lernen, machten die Verantwortlichen am Montag bei der Jahrespressekonferenz des ökumenischen Chores deutlich.
Ein junger Mann, der das bestätigen kann, ist Benjamin Hartmann. Der 25-jährige übernimmt im Juni den renommierten Maulbronner Kammerchor. Seine Leidenschaft für die Musik entdeckte er tatsächlich beim Stuttgarter Knabenchor. Die CIS-Schatzmeisterin hatte ihm mit sieben Jahren nahelegt: „Da könntest Du doch mal mitsingen.“ An die vier Jahre denkt Hartmann mit leuchtenden Augen zurück: „Das war eine unglaublich prägende Zeit.“ Zum einen habe er dort ein „hilfreiches und warmherziges Netzwerk“ gefunden, als seine Familiensituation nicht ganz einfach war. Zum anderen habe er sehr viel mitgenommen von der Musik. Die Bach-Stücke könne er heute noch auswenig. „Drei Viertel meiner Gehörausbildung habe ich aus dem CIS.“ Und noch etwas verdanke er dem Chor: Dort habe er gelernt, wie man sich gut auf der Bühne präsentiere. Zudem wurde seine große Leidenschaft geweckt: „Einmal durfte ich den A-Chor dirigieren – da war ich neun“, sagt er und schmunzelt.
Von Schweden nach Maulbronn und zurück
Inzwischen war er im Ausland – Thailand, England, Schweden. In Skandinavien studiert er das Dirigieren und möchte dem Land auch dann noch ein bisschen die Treue halten, wenn er ab Juni auch offiziell die Leitung des Maulbronner Kammerchores übernimmt, bei dem er ebenfalls Sänger war. Das sei möglich, weil die rund 40 Sänger meist Projekte erarbeiteten. „Einmal die Woche montags Chorprobe wäre für mich schwierig geworden.“
Es sei gut, dass er vor seiner Rückkehr ein paar Jahre lang Abstand zu den Maulbronnern gewonnen habe. Dass es Streit um seinen Vorgänger Jürgen Budday gab, habe er nur am Rande mitbekommen. Der Wechsel verlaufe jedenfalls sehr „organisch und harmonisch“. Er wolle „das toll funktionierende Ensemble gar nicht stören“, sagt der designierte Chorleiter. Aber er habe einige Ideen, die er gern mit den Sängern mal ausprobieren würde – von Werken skandinavischer Autoren bis hin zu neuen Formaten und Techniken.
Knabenchor bringt bald eine neue CD heraus
Junge Talente wie Hartmann sind aber nicht die einzigen Pfunde, mit denen das CIS wuchert. Für das Jahr nach dem 25-Jährige haben Chorleiter Michael Culo und seine Jungs eine ganze Menge vor. Unter anderem soll die neue CD des Chores „Six Songs of Innocence“ erscheinen, die mit Jazz-Komponist Gregor Hübner, dem Sirius Streichquartett New York und dem SWR aufgenommen wurde. Zudem eröffnet der rund 190 Sänger starke ökumenische Chor, der vom Förderverein getragen und von Stadt und Land unterstützt wird, die Maulbronner Klosterkonzerte am 13. Mai und das Festival Europäische Kirchenmusik in Schwäbisch-Gmünd am 15. Juli. Beim Chorfest Ende Mai in Stuttgart ist der Knabenchor mit zwei Konzerten am Start. Rund 50 Konzerte wird es in dem Jahr geben, schätzt ČCulo.
Zudem erweitern die Knaben ihr Repertoire um „Carmina Burana“. Die Kantate von Carl Orff soll am Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober, zusammen mit der Mädchenkantorei der Domkirche St. Eberhard im Theaterhaus aufgeführt werden. Zu den weiteren Glanzlichtern gehört im Herbst eine Chorreise durch Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dabei wird dann unter anderem der Zusammenhalt gepflegt, von dem Ehemalige wie Hartmann heute noch schwärmen.