Ehemalige neuapostolische Kirche in Stuttgart-Wangen Caritas plant „Wohnen im Alter – mit Service“

Von Georg Linsenmann 

In Stuttgart-Wangen geht ein jahrelanger Leerstand seinem Ende entgegen: Auf dem Areal der aufgelassenen Neuapostolischen Kirche soll ein Angebot für Ältere entstehen.

Die neuapostolische Kirche in Wangen soll einem Caritas-Projekt  weichen. Foto: Linsenmann
Die neuapostolische Kirche in Wangen soll einem Caritas-Projekt weichen. Foto: Linsenmann

Wangen - Der Zettel im Schaukasten vor der leerstehenden Neuapostolischen Kirche in der Höhbergstraße hat sich lange gehalten. Er teilt mit, dass die Gottesdienste künftig im Gebäude der Glaubensbrüder- und schwestern in Untertürkheim stattfinden werden. Der Zettel stammt aus dem Jahr 2012. Und fast so lange währt auch schon die Frage, was aus der aufgegebenen Kirche werden soll. Jetzt aber besteht Klarheit, denn der Caritas-Verband Stuttgart hat den Komplex erworben, um nach dem Abriss des aus dem Jahr 1959 stammenden Kirchenbaus auf dem Grundstück Mietwohnungen für Senioren zu bauen.

Service kann gebucht werden

Dies bestätigt Peter Grau vom Immobilien-Management der Caritas-Gemeinschaftsstiftung, die auch als Bauherr fungiert: „Wir haben das Areal im vergangenen Jahr erworben. Wir wollen darauf 14 Seniorenwohnungen errichten, und zwar Wohnen mit Service“, wie die neue Bezeichnung für betreutes Wohnen lautet: „Wir haben festgestellt, dass auf dem extrem angespannten Wohnungsmarkt der Stadt speziell Wohnungen mit diesem Angebot fehlen“, erklärt Grau. Die Wohnungen sind also für Seniorinnen und Senioren gedacht, „die noch relativ selbständig sind“, wie Grau sagt. Im Bedarfsfall kann dann über einen Anbieter Service gebucht werden, der von der einfachen Einkaufshilfe bis zu differenzierten Pflegeangeboten reicht.

Wohnen im Alter aber solle „bezahlbar sein“. Deshalb werden zwölf der 14 Wohnungen nach Maßgabe des sozial geförderten Wohnungsbaus realisiert werden. Wohnungen also, für die ein Wohnberechtigungsschein der Stadt Voraussetzung für den Zuschlag ist: „Es ist erklärter Wille der Caritas, dieses Segment anzubieten.“

Auch Zwei-Zimmer-Wohnungen für Paare

Nach dem aktuellen Stand der Planung sollen zwei Wohnungen auf dem leicht zurückgesetzten Dachgeschoss des fünfstöckigen Gebäudes frei finanziert werden: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass eine Durchmischung gut funktioniert und auch für alle Beteiligten gut ist“, betont Grau. Neben Einzelzimmern mit rund 45 Quadratmetern sollen auch Zwei-Zimmer-Wohnungen für Paare entstehen.

Darüber hinaus ist im Erdgeschoss ein kleiner Gemeinschaftsraum vorgesehen: „Zum Beispiele für Hausversammlungen oder eine Weihnachtsfeier. Außerdem haben wir festgestellt, dass bei Geburtstagen die Zimmer oft zu klein sind. Auch dafür eignet sich dann dieser Gemeinschaftsraum“, sagt Grau, der das Projekt leitet. Die Wohnungen sind barrierefrei, drei sollen auch rollstuhlgerecht ausgeführt werden.

Geplant wird das Gebäude von der Stuttgarter Architekten Partnerschaft ARP, die im öffentlichen Raum der Stadt etwa mit dem Bürgerzentrum West, dem Bürgerhaus Möhringen oder jüngst mit der Neuen Mitte von Botnang präsent ist. Insgesamt veranschlagt die als Bauherr fungierende Caritas-Stiftung Baukosten in Höhe von drei Millionen Euro. „Mit großer Wahrscheinlichkeit wird das Projekt übrigens von einem Stifter mitfinanziert, der dem Caritas-Verband nahesteht“, erklärt Grau. Am liebsten würde er „gleich mit dem Bau beginnen“. Erst aber muss der Bebauungsplan angepasst werden. Als erster Schritt wurde dazu vom Bezirksbeirat der Aufstellungsbeschluss einstimmig angenommen.

Kritisch vermerkt wurde allerdings, dass als Parkmöglichkeit nur vier Parkplätze an der Straße geplant sind. Grau hofft, „dass wir im Sommer 2018 mit dem Bau beginnen können“.

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