Ehemalige Stadtbibliothek Übergangsquartier des Kulturbetriebs

Von Jörg Nauke 

Veranstalter können die ehemalige Stadtbibliothek am Charlottenplatz mieten – jedenfalls so lange, bis das Stadtmuseum einzieht.

Steht für eine Übergangsnutzung zur Verfügung: Das Wilhelmspalais. Foto: Zweygarth
Steht für eine Übergangsnutzung zur Verfügung: Das Wilhelmspalais. Foto: Zweygarth

Stuttgart - Das Wilhelmspalais am Charlottenplatz wird von Mai an für anderthalb Jahre ein attraktiver Veranstaltungsort für Ausstellungen, Firmenveranstaltungen, Vorträge, Filmvorführun­-gen, Konzerte, Modeschauen, Tanzabende, Theater und Lesungen. „Wer will und ins Konzept passt, kann mieten.“ Das haben die Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann und der Stadtkämmerer Michael Föll (beide CDU) in der jüngsten Verwaltungsausschusssitzung mitgeteilt. Die Bücherei ist bekanntlich vom Wilhelmspalais in den Bibliotheksneubau am Mailänder Platz umgezogen. Das Stadtmuseum wird erst im Herbst 2013 einziehen. „Bekanntlich wird ein Gebäude nicht besser, wenn man es nicht bespielt“, freut sich Föll über die Zwischennutzung der leeren Räume.

Die Koordination der Veranstaltungen übernimmt nicht die fürs Museum verantwortliche Anja Dauschek, sondern das erfahrene Duo Thorsten Gutbrod und Stefan Mellmann. Sie wirken in den Wagenhallen am Nordbahnhof seit Jahren äußerst erfolgreich. Für Gutbrod ist das Wilhelmspalais „eines der schönsten Gebäude Stuttgarts“. Er freue sich darauf, es mit Leben füllen zu können.

Breiter politischer Konsens

Die Bürgermeisterin Eisenmann sagt, die Aktion werde „unkompliziert und entspannt“ ablaufen. Alle Fraktionen stimmten der Zwischenlösung zu. Der Grünen-Stadtrat Michael Kienzle sagte, dieses Projekt sei „wichtig für die Kulturszene“; Jürgen Sauer (CDU) meinte, dies sei „eine überzeugende Idee aus der Kultur für die Kultur“. Monika Wüst von der SPD fand das Vorhaben ebenfalls gut, interessierte sich aber für die Kriterien, nach denen die Miethöhe festgelegt werde.

 

Diese sei abhängig vom Mieter und der geplanten Nutzung. „Eine Firma kann mehr bezahlen als die meisten Kulturschaffenden“, sagt Gutbrod gegenüber der StZ. Wie in den Wagenhallen werde es auch hier eine Querfinanzierung geben – die Reichen bezahlen für die weniger Betuchten mit. Aus städtischer Sicht ist das eine Selbstverständlichkeit. Auch in der Liederhalle oder in Bürgerhäusern gebe es keine Einheitssätze, betonte Föll. Und Eisenmann erklärte, das Ziel sei es, mit der Vermietung wenigstens die Betriebskosten finanzieren zu können. Die Koordinatoren würden diese vollständig abführen und nur die Einnahmen aus dem Verpflegungsbereich für sich behalten. Föll betonte, das sei sachgerecht, da die Betriebskosten zum Großteil auch bei einem geschlossenen Palais anfallen würden.

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