Ehemaliger Stuttgarter Städtebauprofessor Klaus Humpert tot Leidenschaft für die Stadt

Von Ulla Hanselmann 

Unter seinem Juryvorsitz fiel die Entscheidung für Christoph Ingenhovens S-21-Bahnhof-Entwurf: Der renommierte Städteplaner und ehemalige Stuttgarter Städtebau-Professor Klaus Humpert ist im Alter von 91 Jahren in Freiburg gestorben.

Der Juryvorsitzende Klaus Humpert (links) 1997 mit dem damaligen OB Wolfgang Schuster und  Bahnaufsichtsratsvorsitzenden Heinz Dürr mit dem Modell des Ingenhoven-Entwurfs Foto: dpa
Der Juryvorsitzende Klaus Humpert (links) 1997 mit dem damaligen OB Wolfgang Schuster und Bahnaufsichtsratsvorsitzenden Heinz Dürr mit dem Modell des Ingenhoven-Entwurfs Foto: dpa

Stuttgart - Die Entscheidung, die Anfang November 1997 fiel, war eine Sensation und sollte Stuttgart grundlegend verändern. Der Architekt und Städtebauer Klaus Humpert hatte den Vorsitz der Wettbewerbsjury, die damals den Entwurf des Düsseldorfer Büros des Architekten Christoph Ingenhoven, das damals noch Ingenhoven, Overdiek, Kahlen und Partner hieß, dazu auserkoren, den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof zu bauen.

Humpert hat als herausragender Städteplaner mehr als dreißig Jahre lang als Preisrichter in über 500 Städtebau- und Architekturwettbewerben gewirkt und damit das Antlitz vieler Städte und Kommunen mitgeprägt. Stuttgart 21 war sein wohl prominentestes Verfahren, zu den weiteren maßgeblichen gehören die Erweiterung des Frankfurter Flughafens oder der Campus Westend der Universität Frankfurt.

Sein Lehrkonzept machte Schule

Der 1929 in Frankfurt geborene Jesuitenschüler hatte in den frühen Fünfzigern in Karlsruhe Architektur studiert, unter anderem bei Egon Eiermann. Die Rundhochhäuser in Lahr, die er als junger Architekt in der Staatlichen Bauverwaltung in Freiburg baute, stehen unter Denkmalschutz, mit dem Kurhaus in Badenweiler errang er einen Hugo-Häring-Preis. Mitte der Sechziger wechselte er in die kommunale Planung und fand als Städtebauer seine Berufung. Als Leiter des Freiburger Stadtplanungsamts vollzog die Stadt in den Siebzigern eine bemerkenswerte Wende zu Innovation – 1982 brachte ihm das den Fritz-Schumacher-Preis ein.

Bald reichte der Name Humpert weit über das Breisgau wie auch über die Landeshauptstadt Stuttgart hinaus, wo er 1982 Professor für Stadtplanung und Entwerfen am Städtebau-Institut der Universität wurde. Leidenschaft für die Sache, hochaktuelle, originelle Seminarthemen, Entwerfen mit den Bausteinen der Stadt, die Stadt lesen – sein Lehrkonzept, das er bis zu seiner Emeritierung 1994 verfolgte, machte Schule. Als Hochschullehrer prägte er Generationen von Studenten, viele von ihnen, die heute in Planungsämtern und Büros in der Verantwortung sind, bezeichneten sich „ausdrücklich als Humpert Schüler“, würdigt ihn sein Nachfolger am Städtebau-Institut, Franz Pesch. Unter Humperts Ägide öffnete sich die Fakultät international, die natürliche Verbindung von „Architektur und Städteplanung“ wurde gestärkt, was sich auch im geänderten Fakultätsnamen niederschlug.

Trampelpfad unter der Lupe

Spät begeisterte er sich für die Forschung, untersuchte Gesetzmäßigkeiten von scheinbar chaotischen menschlichen Agglomerationen, mittelalterliche Stadtgrundrisse, postulierte das Ende vom Mythos der gewachsenen Stadt – und nahm sogar den Trampelpfad wissenschaftlich unter die Lupe. Zuletzt lebte Humpert, Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und Bundesverdienstkreuzträger, in Freiburg. Am 10. Oktober ist Klaus Humpert im Alter von 91 Jahren gestorben.




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