Ehemaliges Straßenbahnmuseum an der Strohgäustraße Straßenbahngeschichte geht zu Ende

Von Bernd Zeyer 

Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) haben das Areal ihres ehemaligen Betriebshofes an den Automobilhersteller Porsche verkauft.

In den 1950er Jahren ist die Halle von 70 auf 140 Meter verlängert worden Foto: Archiv SSB
In den 1950er Jahren ist die Halle von 70 auf 140 Meter verlängert worden Foto: Archiv SSB

Zuffenhausen - Nach fast acht Jahrzehnten endet in Zuffenhausen ein wichtiges Kapitel SSB-Geschichte: Das rund 9000 Quadratmeter große Gelände an der Strohgäustraße, in dem seit Mitte der 1930er Jahre ein Depot und später das Straßenbahnmuseum untergebracht war, ist von der Firma Porsche gekauft worden. Der Sportwagenhersteller möchte dort ein Ausbildungszentrum bauen, um die Lehrstellenzahl in Zukunft deutlich zu erhöhen.

„Nach 2007 ist die große Halle eigentlich nicht mehr richtig genutzt worden“, sagt SSB-Pressesprecherin Susanne Schupp. Damals war das Straßenbahnmuseum an der Strohgäustraße geschlossen worden, um nach Bad Cannstatt zu ziehen. Insgesamt 13 Jahre war das Museum in Zuffenhausen beheimatet, die Geschichte des SSB-Standorts an der Strohgäustraße reicht freilich noch viel weiter zurück in die Vergangenheit. Begonnen hatte sie Mitte der 1930er Jahre. Damals ist die Straßenbahnlinie 5, die zuvor im Ortskern von Zuffenhausen geendet hatte, bis zur Wimpfener Straße verlängert worden, wo eine Wendeschleife gebaut wurde. Inmitten dieser Schleife und auf beiden Seiten der Stammheimer Straße errichteten Stadt und Eisenbahn Wohnsiedlungen für ihre Mitarbeiter. Parallel dazu begannen die Stuttgarter Straßenbahnen auch mit dem Bau eines Betriebshofs. Der wurde nicht nur wegen der Streckenverlängerung benötigt, vielmehr sollte er auch die Aufgabe des Betriebshofs Pragwirtshaus übernehmen, dessen Lage im Laufe der Zeit ungünstig geworden war.

Starke Schäden an der Halle in den Jahren 2009 und 2010

Eröffnet wurde der Zuffenhäuser Betriebshof vermutlich zeitgleich mit der Inbetriebnahme des neuen Streckenabschnitts am 1. September 1936. Die Halle war zunächst 70 Meter lang, Platz darin hatten 85 Zweiachser. Es gab zwei Werkstattgleise, eine Schmiede und einen Schuppen für den Salzwagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke der Linie 5 weiter ausgebaut. 1950 wurden die Schienen bis nach Stammheim verlegt, vier Jahre später schlossen die SSB auch den Zuffenhäuser Osten, also den im Aufbau befindlichen Stadtteil Rot, ans Netz an. Dadurch gab es weiteren Bedarf nach Abstellflächen. 1953 wurde deshalb die Halle an der Strohgäustraße auf die doppelte Länge, also auf 140 Meter, verlängert. Zeitgleich bauten die Stuttgarter Straßenbahnen zusätzlich zu den Dienstwohnungen im Verwaltungsgebäude des Depots drei Mehrfamilienhäuser für Mitarbeiter direkt südlich des Betriebshofs. Auf dem westlich angrenzenden Grundstück an der Salzwiesenstraße errichtete die Wohnbaugenossenschaft Friedenau drei Wohnhäuser. Das hinterste Viertel des Areals diente seit 1972 als Abstellplatz für SSB-Busse. 13 Busse mit insgesamt 31 Fahrern waren dort zuletzt stationiert.

Die Meterspur der SSB verlor im Laufe der Jahre immer mehr an Bedeutung, was sich auch auf den Betriebshof Zuffenhausen auswirkte. Die Aufgaben wurden nach Bad Cannstatt verlagert, 1994 wurde die Einrichtung an der Strohgäustraße nicht mehr gebraucht. Für die Mitglieder des Vereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen (SHB) ein Glücksfall. Ihr bislang provisorisches Museum in Gerlingen konnte nach Zuffenhausen ziehen und hatte nun genug Platz und eine günstige Lage. Mehr als 100.000 Besucher zog das Museum an, bis es 2007 geschlossen wurde. Da die letzte Stuttgarter Straßenbahnlinie durch eine Stadtbahn ersetzt werden sollte, war klar, dass es in Zukunft keinen Meterspuranschluss des Museums und auch keine verbleibende Museumslinie nach Stammheim geben würde.

Im Sommer 2009 und im Sommer 2010 setzten starke Regengüsse die Halle unter Wasser und beschädigten dabei Archivgüter und das Bauwerk. Seitens der SSB wurde es nicht mehr genutzt, eine Sanierung wäre unrentabel gewesen. Die Bus-Mitarbeiter zogen in Container um, mit der Schließung des Betriebshofs am 10. Dezember vergangenen Jahres wurden die meisten von ihnen in Gaisburg stationiert. Ersatzteile der historischen Bahnen und Busse werden nun in der Halle des ehemaligen Getränkemarktes Merk an der Salzwiesenstraße gelagert, die die SSB gekauft haben und die als Dauerstandort dienen soll.

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