Für Laien ist der Schaden mit bloßem Auge vielleicht nicht sofort erkennbar, für Klara Klein und die Gartenfreunde wiegt der Schaden jedoch schwer. Foto: Veronika Andreas
Wenn es Schnee hat, rodeln Kinder direkt in den Maschendrahtzaun der Kleingartenanlage. Zurück bleiben Löcher im Zaun, hohe Kosten und Frust bei den Gartenfreunden Ehningen.
Dellen, fußballgroße Löcher und lose Pfosten – auf rund 40 Metern Länge ist der Maschendrahtzaun, der die idyllisch am Waldrand gelegene Kleingartenanlage der Gartenfreunde Ehningen umschließt, kaum noch als Schutz zu erkennen. „So sah das früher nicht aus“, sagt Klara Klein, die erste Vorsitzende der Gartenfreunde Ehningen, und deutet auf den Zaun entlang des abfallenden Feldwegs, der an den Gärten vorbeiführt. Dort, wo an schneereichen Tagen Kinder mit ihren Eltern rodeln – und ungebremst in den Zaun rauschen. Was nach Winterspaß aussieht, ist für die Gartenbesitzer längst ein Ärgernis mit Folgen. Denn es ist nicht das erste Mal, das dabei ihr Zaun in Mitleidenschaft gezogen wird.
„Ein Kind ist schon mal im Zaun stecken geblieben mit seinem Schlitten.“
Klara Klein, Vereinsvorsitzende
Bereits vor zwei Jahren wurde der Zaun durch wilde Schlittenfahrer mutwillig beschädigt. Im vergangenen Jahr lag kaum Schnee, aber in diesem Jahr reichten schon wenige Tage, um den Schaden erneut anzurichten. „Dieses Mal sind sogar Pfosten locker“, sagt Klara Klein. „Wenn das alle zwei Jahre passiert, können wir uns das schlicht nicht leisten. Wir reden hier jedes Mal von mehreren Hundert Euro Materialkosten. Die ehrenamtliche Arbeitszeit nicht miteingerechnet.“
Wenn Schnee liegt, fahren viele Rodler ungebremst in den Zaun der Gartenfreunde Ehningen im Hinteren Tal. Foto: V. Andreas
Der Zaun gehört dem Verein und ist unverzichtbar. Die Kleingartenanlage liegt direkt am Waldrand. Ohne Schutz würden ungehindert Tiere eindringen: Hasen, Füchse, Wildschweine. Auch Hunde gelangten dann auf das Gelände und würden dort mit ihren Hinterlassenschaften für Verunreinigen sorgen. „Es geht einfach nicht ohne Zaun“, sagt Klein. Besonders problematisch ist der angrenzende Feldweg. Während die Wiese eher bremst, bleibt der Schnee auf dem Weg besser liegen. Dort fahren die Kinder bevorzugt hinunter. Gebremst wird dann nicht selten erst am Zaun. „Ein Kind ist schon mal im Zaun stecken geblieben mit seinem Schlitten“, erzählt Klein. Ein Gärtner habe es schließlich befreien müssen.
Sie habe selbst Enkel und war schon oft Schlittenfahren mit ihnen, aber dass man so rabiat und grob mit fremdem Eigentum umgehe, habe sie noch nicht erlebt. Gespräche mit den Eltern oder Kindern hätten wenig gebracht. „Da fehlt es oft an Verständnis“, sagt die 65-Jährige. Viele Kinder seien sehr wild unterwegs, manche auch alleine – ohne Eltern. Dass dabei fremdes Eigentum beschädigt wird, werde schlicht nicht eingesehen.
Unfälle mit Schlitten: Der Verein will nun mit Schutzplanken vorbeugen
Der Verein suchte deshalb auch das Gespräch mit der Gemeinde. Ein Vorschlag der Gartenfreunde war, den Feldweg im Winter vom Schnee zu räumen. Denn ohne Schnee könnten die Kinder dort auch nicht Schlittenfahren, sondern müssten auf die angrenzende Obstwiese ausweichen. Doch die Gemeinde lehnte ab und schlug vor, ein Hinweisschild aufzustellen. Ein eigener Versuch, den Weg mit Salz zu streuen, scheiterte ebenfalls. „Man braucht unheimlich viel Salz – und für die Natur ist das sowieso keine Lösung“, sagt die Ehningerin. Nun plant der Verein eine Art Schutzplanke entlang des Zaunes aufzustellen. Dafür braucht er aber noch die Genehmigung der Gemeinde.
Was die 65-Jährige besonders beschäftigt, geht über den geschädigten Zaun hinaus. „Vor Corona war das kein Problem“, sagt sie. Es sei ja schön, wenn Kinder draußen Schlittenfahren würden. Aber nicht auf Kosten von fremdem Eigentum. Ihrer Meinung nach fehle grundsätzlich oft die Wertschätzung für die Kleingartenanlage und ihren ökologischen Wert. Denn die Gärten sind mehr als Freizeitflächen: „Hier findet man Mauswiesel, Eidechsen, Wildbienen, zahlreiche Schmetterlingsarten und besondere Pflanzen“, erklärt Klein. „Es müsste mehr anerkannt werden in der heutigen Zeit, was wir hier für ein Biotop haben“, fügt sie hinzu.