Ehningerin will helfen Strick-Begeisterte für England-Projekt gesucht

Marie Wolf will, dass englische Kinder weniger frieren. Foto: Laura Holzmann

Die Ehningerin Marie Wolf lebt in England. An der Vorschule ihrer Tochter frieren die Kinder. Um warme Strickkleidung zu beschaffen, will sie auf deutsche Seniorenheime zugehen.

Bei Minusgraden in dünnen Hosen und T-Shirt draußen spielen? Da schüttelt es einen beim bloßen Gedanken daran. In manchen Teilen Englands ist genau das allerdings normal. Die Beobachtung hat zumindest Marie Wolf gemacht.

 

Die Ehningerin ist im vergangenen Jahr mit ihrer Familie für drei Jahre in die Nähe von Manchester gezogen. Ihr Mann hatte dort ein berufliches Angebot bekommen. Eigentlich fühlt sich die Familie auf der Insel sehr wohl. Doch über das mangelnde Kälteempfinden in England staunt die Mutter zweier Kinder sehr. „Anfangs musste ich lachen, weil ich es nicht glauben konnte“, sagt Marie Wolf. „Aber bei fünf Grad und Regen sieht man dort überall Kinder nur im T-Shirt auf Spielplätzen spielen.“

Dicke Kleidung ist teuer

Na gut, könnte man nun sagen. Vielleicht haben die Menschen in England einfach ein anderes Kälteempfinden. Dem sei aber nicht so, so Wolf. Die Kinder frieren durchaus. „Aber das Bewusstsein für wetterfeste Kleidung ist dort einfach anders“, sagt die Ehningerin. Ein Grund dafür sei sicherlich der finanzielle Aspekt. Kleidung aus Wolle ist teuer. „Und das Einkommen hier ist nicht so hoch wie in Deutschland“, weiß Marie Wolf. „Ganz im Kern habe ich es aber auch noch nicht verstanden.“

Fest steht jedenfalls, dass die Kinder in Großbritannien keine Superkräfte haben und bei den frostigen Temperaturen durchaus ins Bibbern geraten. Besonders auffallend ist die Situation an der Forest School, die Wolfs Tochter besucht.

„Das Konzept lässt sich ein bisschen mit den Waldkindergärten hier vergleichen“, sagt Marie Wolf. Das Betreuungsangebot richte sich an Kinder, die noch nicht zur Schule gehen und finde überwiegend im Wald statt. Allerdings gebe es auch ein paar Unterschiede zu den hiesigen Waldkindergärten. Zum einen gibt es an der Forest School kein Eingewöhnungskonzept. Die Kinder dürfen selbst entscheiden, wann sie alleine ohne ihre Eltern dort bleiben möchten. „Dadurch fällt den Kindern die Trennung deutlich leichter, weil sie von ihnen aus geht“, so Marie Wolfs Erfahrung.

Viele Tiere in der Forest School

Darüber hinaus gibt es an der Forst School einen deutlich größeren Tierbezug. Die Einrichtung, in die Marie Wolfs Tochter geht, verfügt zum Beispiel über einen eigenen Bienenstock, Schweine, Alpakas, Hasen und Hühner. „Das ist ein ganz zauberhafter Ort“, schwärmt Marie Wolf.

Es gibt nur ein Problem: Die Kinder sind fast permanent draußen und tragen auch hier oft keine entsprechende Kleidung. „Unsere Tochter hat drei Wollschichten an, damit sie nicht friert“, erklärt Marie Wolf. „Aber andere Kinder stehen da mit ihren dünnen Baumwollsöckchen in Gummistiefeln, haben keine Handschuhe, oft auch keine Mützen.“

Das führe nicht nur dazu, dass die Kinder dauernd krank sind. „Die Kinder verlieren auch irgendwann den Zugang zu ihrem eigenen Körper“, sagt Marie Wolf. „Sie gewöhnen sich daran, dass es normal ist, zu frieren und nass zu werden.“ Eigentlich sollte die Natur ein Ort sein, an dem sich Kinder wohlfühlen und ihr Nervensystem abschalten kann. „Aber wer kann sich schon wohlfühlen, wenn ihm dauernd kalt ist?“, fragt sich die 31-Jährige.

Marie Wolf hat sich deshalb ein Projekt überlegt, wie man den Kindern helfen könnte. Sie möchte eine Kooperation mit Seniorenheimen in Deutschland starten. „In Seniorenheimen gibt es ja ganz viele talentierte Leute, die wunderbar stricken können“, so ihr Gedanke. „Vielleicht gibt es ja Einrichtungen, wo die Menschen Lust haben, für die 25 Kinder an unserer Forest School warme Kleidung zu stricken.“

Gewünscht ist alles, was wärmt

Mützen, Schals, Pullover, Stulpen – gewünscht ist alles, was irgendwie wärmt. Marie Wolf würde die Kleidung dann mitnehmen, sobald sie wieder in Ehningen zu Besuch ist. „Wenn mehrere Seniorenheime Interesse haben, kann man das Projekt sicher ausweiten“, sagt die Ehningerin. „Es gibt bestimmt noch viele andere Einrichtungen, die da Bedarf haben.“

In England habe sie bereits Seniorenheime angefragt. Dort zeigte man sich der Idee gegenüber allerdings wenig aufgeschlossen. „Ich habe aber mit unserer Forest-School-Leiterin gesprochen und weiß, dass man sich dort über Strickspenden sehr freuen würde“, sagt Marie Wolf.

Strickprojekt

Kontakt
Seniorenheime, die Interesse an dem Strickprojekt haben, können sich an folgende Adresse wenden: info@hufimpuls.com.

Persönliches
Marie Wolf ist von Beruf selbstständig und bietet als pferdegestützte Therapeutin Workshops und Coachings an. Sie ist Gründerin des Ehninger Unternehmens „Hufimpuls“. Mehr dazu unter www.hufimpuls.de im Netz.

Waldschule
Mehr zu der Forest School findet man unter www.evergreenforestnursery.com im Internet.

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