Ehrenamt in Leonberg Der Engelbergtunnel hält die Feuerwehr auf Trab
Die Leonberger Feuerwehr wächst von Jahr zu Jahr, hat aber auch immer mehr zu tun. Und jetzt gibt es ein prominentes Ehrenmitglied.
Die Leonberger Feuerwehr wächst von Jahr zu Jahr, hat aber auch immer mehr zu tun. Und jetzt gibt es ein prominentes Ehrenmitglied.
Samuel sorgt bei der Hauptversammlung der Feuerwehr Leonberg in der gut besetzten Gebersheimer Gäublickhalle für den eigentlich nicht nötigen Werbeblock des Abends. Der zehnjährige Feuerwehrneuling ist Mitglied im Jugendausschuss, „weil es cool ist, wenn man die Themen vorher schon kennt“, sagt er strahlend ins Mikrofon. „Ich freue mich schon auf die 24-Stunden-Übung.“
Und der Nachwuchs ist nicht nur daheim aktiv: Die Jugendwartin Julia Burger erzählt von der Reise in die kroatische Partnerstadt Rovinj und den Treffen mit den dortigen Feuerwehrkameraden. Dass in der Jugendfeuerwehr alles andere als Langeweile herrscht, davon zeugen auch die steigenden Mitgliedszahlen. 21 Jugendliche wurden neu aufgenommen, abzüglich der Abgänge sind mit aktuell 57 Nachwuchskräften nun zehn mehr als vor einem Jahr dabei. Wie zu hören ist, besteht eine Warteliste.
Auch in der Einsatzabteilung der Leonberger Wehr gab es 19 Neuaufnahmen, aktuell sind dort 215 Ehrenamtliche aktiv. Die Mitgliederzahl steigt seit 2015 an. In der Folge wuchs die Personalstärke der Gesamtfeuerwehr auf aktuell 380.
Die vielen Ehrenamtlichen, die von neun hauptamtlichen Kräften im städtischen Referat Feuerwehr und Bevölkerungsschutz unterstützt werden, sind angesichts der hohen Zahl der Einsätze auch nötig. Im vergangenen Jahr musste die Wehr 620 mal ausrücken, so oft wie noch nie, bilanziert der Gesamtkommandant Wolfgang Zimmermann.
Dazu kommen noch Rettungsdiensteinsätze. Große, schlimme Einsätze seien es nicht gewesen, aber doch einige spektakuläre, vor allem im Engelbergtunnel. So löste etwa eine Brandmeldeanlage fälschlicherweise aus, ein anderes Mal fing ein Fahrzeug Feuer.
Um auch die Schlagkraft bei mehreren gleichzeitig auftretenden großen Schäden zu trainieren, gab es im Frühjahr 2025 eine Bezirksübung mit rund 200 Rettungskräften der verschiedenen Blaulicht-Organisationen aus den umliegenden Orten. Der stellvertretende Feuerwehrkommandant Marcus Kucher hatte die Einsatzleitung, für die eigens ein Führungshaus eingerichtet wurde als Ort, von dem aus alle Einsätze koordiniert werden. „Wir haben uns gut reingefuchst“, sagt Kucher „Die Zusammenarbeit mit den Wehren war gut, wir haben viel gelernt.“ Bei einem „normalen“ Einsatz denke man kurzfristiger, bei einer großen Lage müsse man aber viel langfristiger denken.
Eine weitere Neuigkeit: Die Stadt hat eine Drohneneinheit als weiteren Baustein des Bevölkerungsschutzes eingerichtet. Für den Einsatz der Drohne, die in Warmbronn stationiert ist, wurde einige Feuerwehrleute umfangreich geschult. Das Gerät wird genutzt, um bei Unfällen oder Bränden Luftaufnahmen zu ermöglichen. Für die Polizei ist die Drohne bei der Personensuche wichtig.
Warmbronn ist auch ein Thema, als Wolfgang Zimmermann über Bauprojekte spricht. Nach längerer Diskussion gab der Gemeinderat kürzlich den Startschuss für den Neubau einer Feuerwache dort. Während der Anbau an der Wache Höfingen fertiggestellt ist, bleibt der Zustand der Hauptfeuerwache in der Römerstraße ein Dauerthema. Das gilt besonders für den seit Jahren wiederkehrenden Wassereintritt in die Schlauchwerkstatt. „Es ist schade, dass die Leichtbauhalle verschoben wurde“, bedauert der Kommandant. Für dieses Projekt gibt es bereits eine fertige Entwurfsplanung. „Wir platzen aus allen Nähten“, so Zimmermann.
Eine Hauptversammlung bietet auch Gelegenheit, verdiente Persönlichkeiten zu ehren. Im Mittelpunkt standen die Ernennung von Siegfried und Volker Röckle zu Ehrenmitgliedern der befreundeten Feuerwehr von Kaltern-Markt in Südtirol. Die beiden Leonberger hatten vor 40 Jahren die Partnerschaftsurkunde mitunterschrieben. „Eine Partnerschaft, die sich zu einer wahren Freundschaft entwickelt hat“, wie die Vertreter aus Südtirol dazu sagen.
Zum anderen hat auch die Leonberger Feuerwehr jetzt zwei neue Ehrenmitglieder: den ehemaligen Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und Martin Tröscher, der jetzt die Altersabteilung mit 74 Mitgliedern leitet. Offiziell ernannt wurden beide vom neuen Leonberger OB Tobias Degode: Cohn habe die Feuerwehr grundlegend neu aufgestellt und sie auf ein qualitativ neues Niveau gehoben. Durch die organisatorische Verzahnung mit dem Bevölkerungsschutz habe er eine neue Einheit geschaffen.
Martin Tröscher ist seit 1991 bei der Feuerwehr, war viele Jahre als Jugendgruppenleiter in der Nachwuchsausbildung aktiv und seit 2012 hauptamtlicher Mitarbeiter. Kürzlich wurde er für seinen besonderen Einsatz mit dem deutschen Feuerwehrehrenkreuz ausgezeichnet.