Ehrenamt Jugend tut Gutes

Von Antonio Jung 

650 Jugendliche jobbten am Mittwoch beim Aktionstag von Mitmachen Ehrensache in Stuttgart – und verzichteten auf ihr Gehalt: Es wird an ausgewählte soziale Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Region gespendet.

Ella Will (li.) und Karolin Kaiser bei der Arbeit im Einrichtungshaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Ella Will (li.) und Karolin Kaiser bei der Arbeit im Einrichtungshaus. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - 650 Schülerinnen und Schüler jobbten am Mittwoch beim Aktionstag von Mitmachen Ehrensache für den guten Zweck. Ob Großbetriebe, kleine Unternehmen oder soziale Einrichtungen: Bei der Aktion Mitmachen Ehrensache suchen sich Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse aus Baden-Württemberg jedes Jahr am 5. Dezember, dem Internationalen Tag des Ehrenamtes, einen Arbeitgeber. Sie können so in Berufe schnuppern, verzichten aber auf ihren Lohn: Dieser wird an ausgewählte soziale Projekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Region gespendet. 2017 kamen in Baden-Württemberg rund 261 000 Euro zusammen. Seit Bestehen der Aktion im Jahr 2000 erarbeiteten die Jugendlichen drei Millionen Euro für soziale Projekte.

35 Stuttgarter Schulen nahmen an der Aktion teil, in ganz Baden-Württemberg engagierten sich 10 000 Schülerinnen und Schüler ehrenamtlich. Damit ist Mitmachen Ehrensache die größte regelmäßige Jugendbeteiligungsaktion in Baden-Württemberg. „2017 erarbeiteten die Stuttgarter Mädchen und Jungen am Aktionstag 21 300 Euro für soziale Kinder- und Jugendprojekte“, sagt Aktionsleiterin Gabi Kircher von der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft. Träger von Mitmachen Ehrensache sind seit 2003 die Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft und die Jugendstiftung Baden-Württemberg.

Gutes tun und Berufserfahrung sammeln

„Mitmachen Ehrensache verbindet Schule, Wirtschaft und Jugendarbeit“, erklärt Ingo-Felix Maier, Geschäftsführer der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft. Die große Teilnehmerzahl beweise, dass sich viele Jugendliche – entgegen aller Vorurteile – ehrenamtlich engagieren würden. Sänger Peter Freudenthaler, Schirmherr der Aktion für Stuttgart, sieht das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen als „Zeichen der Solidarität mit anderen Jugendlichen, denen es nicht so gut geht“. „Ein Einblick in die Arbeitswelt der Erwachsenen in Verbindung mit sozialem Engagement ist für die Jugendlichen eine aufregende und lehrreiche Erfahrung“, lobt Martin Benzing, Geschäftsführer des Einrichtungshauses Merz & Benzing, welches die Aktion als Arbeitgeber unterstützt. Gute Koordination und Vorbereitung seien nötig, damit die Jugendlichen in verschiedenen Bereichen des Einrichtungshauses arbeiten können.

Unter den zehn Ehrenamtlichen im Einrichtungshaus, die beim Auspacken der Ware, der Dekoration und der Einräumung helfen, sind auch die beiden 14-jährigen Ella Will und Karolin Kaiser vom Wirtemberg Gymnasium Untertürkheim. „Ich kann Gutes tun und gleichzeitig Berufserfahrung sammeln“, sagt Ella, die zum dritten Mal an der Aktion teilnimmt. „Bei der Preisübergabe sehen wir direkt, wo das Geld hingeht“, fügt Karolin hinzu, die zusätzlich als Botschafterin der Aktion in den Klassen ihres Gymnasiums über Mitmachen Ehrensache informiert. Auch Yael Ehret (15), Helene Fischer (15) und Juli Mittnacht (15) vom Hölderlin-Gymnasium in Stuttgart-Nord sind Botschafterinnen der Aktion. Sie sind für die Pressearbeit zuständig und besuchen die Jugendlichen am Aktionstag bei ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten. Ihr Gehalt spenden sie ebenfalls für den guten Zweck. „Es gibt mir ein gutes Gefühl und Anerkennung, für andere Geld zu erarbeiten, die es nötiger haben als wir“, so Yael.

Erlös geht an drei soziale Projekte

Der Erlös geht an die Organisation Kinderhelden, die rund 300 Kinder mit erschwerten Startbedingungen, wie etwa Kinder aus sozialen Brennpunkten oder mit Fluchterfahrung, durch Begleitung von geschulten Paten und Mentoren gezielt fördert. „Das Geld soll in Lernmateralien und Gruppenveranstaltungen investiert werden, damit wir mehr Kinder fördern können“, erklärt Ralph Benz, Vertreter der Organisation. Genau so viele ehrenamtliche Paten und Mentoren wie angemeldete Kinder zu finden, sei eine Herausforderung, zumal durch die Arbeit mit Kooperationsschulen der Bedarf groß sei. Auch der Verein Dorf der Freundschaft in Vietnam, der Kindern und Jugendlichen mit Behinderung, Waisen und älteren Menschen, die unter den Spätfolgen des Vietnamkrieges leiden, ein Zuhause gibt und die Stuttgarter Einrichtung Wildwasser, die junge Frauen mit Gewalterfahrung therapiert und ausbildet, bekommen einen Teil der Erlöse.

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