Ehrenamtpreis Schon die Vorschüler zwitschern fröhlich mit

Von Ursula Vollmer 

Die Luther- und die Südspatzen lernen neben Liedern auch musikalische Grundlagen.

Clara Graulich (links) und Julie Trick begeistern schon Vorschüler für das gemeinsame Singen. Foto: Ursula Vollmer
Clara Graulich (links) und Julie Trick begeistern schon Vorschüler für das gemeinsame Singen. Foto: Ursula Vollmer

Vaihingen - Zu Beginn ihres Singkreises plustern sich die „Lutherspatzen“ mächtig auf: Sie dehnen die kleinen Bäuche, hüpfen auf einem unsichtbaren Trampolin, wachsen lang in die Luft und schnurren im selben Moment „gaaaanz klein“ zusammen. Mehr als 20 muntere Vorschulkinder stimmen sich gemeinsam mit Clara Graulich und Julie Trick auf die nächste halbe Stunde ein.

Jeden Montagnachmittag kommen die Drei- bis Sechsjährigen ins evangelische Lutherhaus der Vaihinger Kirchengemeinde, um altbekannte Lieder zu singen, neue zu lernen – und um die Ohren zu spitzen. „Jetzt ist es wichtig, gut zuzuhören“, sagt Julie „Es geht nämlich um einen bestimmten Rhythmus.“ Dass sie das sperrige Wort vorsorglich erklären will, erweist sich fast als unnötig: Wie alte Hasen klatschen die „Spatzen“ mal laut, mal leise, schnell und langsam oder in rasant wechselndem Tempo. Die beiden 18- und 19-jährigen Chorleiterinnen strahlen: Die Rhythmus-Übungen der Vorwoche scheinen im Oberstübchen hängen geblieben zu sein.

Das Team, zu dem für gewöhnlich noch der gleichaltrige Julian Jung gehört, leitet seit drei Jahren in seiner Freizeit den Chor der Vaihinger Lutherspatzen. Jeweils 15 bis 25 Kinder treffen sich in zwei aufeinander folgenden Gruppen zum halbstündigen Singtreff im Lutherhaus. Weitere 15 Vorschulsänger kommen im Gemeindehaus Süd zusammen. Die aus nachvollziehbaren Gründen sogenannten „Südspatzen“ werden angeleitet von Clara Bohm, Marlies Goes und Fanny Wagner. Die drei 16-Jährigen engagieren sich ebenso wie das Lutherhaus-Trio bereits seit einigen Jahren als Mitglieder der Vaihinger Jugendkantorei. Clara und Julie etwa sind in den Chor hineingewachsen, seit sie als dreijährige Kindergartenfreundinnen das gemeinsame Singen entdeckt haben.

Tanzende und summende Kinder

„Musik hat viel mit Gemeinschaft zu tun“, umschreibt Clara Graulich einen der Gründe, weshalb selbst schon kleine Kinder gern zu eifrigen Chorsängern werden. Dabei erfordert das gemeinsame Singen durchaus Konzentration und Disziplin. Der schöne Kanon ginge sonst womöglich in einem zähen Stimmen-Brei unter.

Doch die Leitungsteams haben selbst Freude daran, ihre in der Jugendkantorei erworbenen musikalischen Fähigkeiten an die Kinder weiterzugeben. Dass dabei der Spaß für alle nicht zu kurz kommt, versteht sich. Die Reaktion der Zuhörer, die den einen oder anderen Spatzen-Auftritt beim Kinder- und Heimatfest, im Seniorenheim oder bei Gemeindefesten miterleben, ist ebenso positiv wie die Erfahrung der Eltern. Sie berichten von fröhlich singenden, tanzenden und summenden Kindern, die schon auf dem Heimweg beschließen, „gleich morgen wieder“ bei den Spatzen mitzuzwitschern.

Den Ton im Lutherhaus wird demnächst allerdings ein neues Team angeben: Julie Trick und Clara Graulich haben ihr Abitur in der Tasche und sind auf dem Sprung in die weite Welt: Clara will sich um philippinische Straßenkinder kümmern, und Julie hat vor, Kinder in Laos zu unterrichten. Zu ihren Fächern gehört – natürlich – Musik.

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