Ehrenamtspreis Filder-Zeitung Hervorragende Integrationsarbeit vor Ort

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Zwölf Projekte erhalten den Preis „Starke Helfer“ der Stiftung Kreissparkasse und der Filder-Zeitung. In diesem Jahr stand er unter dem Motto „Zusammen leben ohne Grenzen“.

Ein ganzer Saal mit Preisträgern und Gratulanten. Zwölf Initiativen und Einzelpersonen bekommen den Ehrenamtspreis. Foto: Malte Klein 16 Bilder
Ein ganzer Saal mit Preisträgern und Gratulanten. Zwölf Initiativen und Einzelpersonen bekommen den Ehrenamtspreis. Foto: Malte Klein

Filder - Sie sind da und hören zu, wenn Flüchtlinge ein offenes Ohr brauchen. Sie packen an, wenn Geflüchtete Möbel brauchen. Und sie geben ihre Erfahrungen beim Einleben auf der Filderebene und dem Schönbuch weiter. Gemeint sind die Preisträger des Ehrenamtspreises „Starke Helfer“, der alle zwei Jahre von der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und der Filder-Zeitung ausgelobt wird. In diesem Jahr stand der Preis unter dem Motto „Zusammen leben ohne Grenzen“.

Zwölf Initiativen und auch Einzelpersonen standen am Montag in der Filharmonie in Bernhausen im Mittelpunkt. Rüdiger Ott, der gemeinsam mit Judith Sägesser seit August die Redaktion der Filder-Zeitung leitet, führte durch den Abend und sprach mit ihnen über ihre Projekte und Aktionen.

Ein Preisträger will ein Teil seines Preisgelds spenden

Wie schnell und unbürokratisch Unterstützung in der Flüchtlingsarbeit funktioniert, erfuhr das Publikum am Montag live. Stellvertretend für die 120 Helfer des Arbeitskreises Asyl Filderstadt standen der Sprecher Werner Weinmann und einige seiner Mitstreiter auf der Bühne. Bärbel Bühner-Koscholke berichtete davon, wie sie Flüchtlingen hilft: „Ich war gerade gemeinsam mit einer Frau aus Afghanistan beim Frauenarzt. Sie erwartet nächste Woche Dienstag ihr Baby.“ Sie selbst sei schon ganz gespannt, sagte Bühner-Koscholke. „Ich fühle mich wie ein werdender Vater.“

Doch es gebe noch ein Problem: „Wir brauchen noch ganz dringend ein Kinderbett“, sagte sie. Da rief jemand von hinten aus dem Publikum: „Waldenbuch hat Kinderbetten.“ Doch damit nicht genug. Der gebürtige Afghane Mohammad Essa Ghabriyar, der für sein Engagement für geflüchtete Landsleute ausgezeichnet wurde, kündigte an, einen Teil seines Preisgeldes für die Mutter und das Neugeborene zu spenden. Ghabriyar war vor 30 Jahren selbst aus Afghanistan geflüchtet, als dort nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen Krieg herrschte. Nun lebt er in Echterdingen und hilft seinen Landsleuten. „Als ich damals herkam, hatte ich eine schwere Zeit. Ich war ganz alleine und bin immer wieder förmlich gegen eine Wand gelaufen.“ Deutschland sei ihm fremd gewesen. „Dadurch, dass ich den afghanischen Flüchtlingen Erfahrungen weiter gebe, sind sie zehn Jahre schneller bei der Integration, als ich damals.“ Ghabriyar dankte dem deutschen Volk und dem deutschen Staat, dass sie Flüchtlinge aufnehmen.

Jede Initiative leistet hervorragende Integrationsarbeit

Gharibyar, der Arbeitskreis Asyl Filderstadt und die anderen zehn Preisträger bekamen von Frank Dierolf, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, und Judith Sägesser jeweils eine Urkunde und 500 Euro überreicht. Dass alle den gleichen Betrag erhalten, war in diesem Jahr neu beim Ehrenamtspreis. Bisher hatte es nämlich erste, zweite, dritte und sonstige Preise gegeben. Dierolf begründete das in seiner Ansprache so: „Wir alle aus der Jury waren uns einig, dass jede Initiative hervorragende Integrationsarbeit leistet und alle die gleiche Wertschätzung verdienen.“ Für den Ehrenamtspreis hatten sich 19 Initiativen und Einzelpersonen beworben.

Dierolf ging in seiner Rede auch auf den bekannten Satz der Bundeskanzlerin Angela Merkel über Flüchtlinge ein, die sagte: „Wir schaffen das.“ Er warf die Frage auf, wie es gelingen könne, so viele Menschen zu integrieren, und gab gleich die Antwort: „Es sind die Bürgerinnen und Bürger vor Ort, die diesen Worten unserer Bundeskanzlerin ein Gesicht geben.“ Das Ehrenamt und auch die Preisträger erzeugten eine Kultur des Willkommenseins und würden Orte der Begegnung schaffen. „Ihr Einsatz ist von unschätzbarem Wert.“ Denn sie zeigten, dass Deutschland nicht nur ein Einwanderungsland ist, sondern auch ein Land der Solidarität und des freiwilligen Engagements.

Für den musikalischen Rahmen des Abends sorgten viele kleine Preisträger: der Kinderchor der Lindachschule in Stetten mit den Helfern Iris und Bernd Baltrusch. Bei ihnen singen auch Schüler mit Migrationshintergrund, die so ein Gefühl für die deutsche Sprache bekommen.

Auch wenn alle Preisträger gleichermaßen ausgezeichnet wurden, gab es für den Freundeskreis LE für Kriegsflüchtlinge noch eine ganz besondere Nachricht: Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne) übernimmt eine Patenschaft für die Gruppe.




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