Ehrenamtspreis Streuobstwiesen verlangen Einsatz

Von Julia Theermann 

Gleich vier Projekte teilen sich einen Platz auf der Liste der Nominierten für den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“. Alle vier haben eines gemeinsam: sie kämpfen für den Erhalt der Kulturlandschaft Streuobstwiesen.

Die Agendagruppe Streuobstwiesen im Kreis Esslingen kümmert sich das ganze Jahr über um rund 25 Streuobstwiesen mit Hunderten Bäumen. Foto: oh 4 Bilder
Die Agendagruppe Streuobstwiesen im Kreis Esslingen kümmert sich das ganze Jahr über um rund 25 Streuobstwiesen mit Hunderten Bäumen. Foto: oh

Kreis Esslingen - Streuobstwiesen gehören in der Region untrennbar zum Landschaftsbild. Um ihre Erhaltung kümmern sich in der Regel Privatpersonen und Vereine. Für den Ehrenamtspreis Starke Helfer hat die Jury in diesem Jahr daher gleich vier Bewerbungen ausgelost, die sich mit den Obstwiesen oder ihren Früchten befassen. Sie treten in der Liste der Nominierten gemeinsam auf.

Seit der Jahrtausendwende kümmert sich die Agendagruppe Streuobstwiesen im Kreis Esslingen um Grundstücke, die sonst verkommen würden. Die rund 20 Aktiven sind eine gemischte Gruppe, in der es auch einige wenige Mitglieder unter 40 gibt. Das ganze Jahr über pflegen sie insgesamt 25 Obstwiesen mit Hunderten von Apfel-, Birnen-, Mirabellen- und Zwetschgenbäumen.

Lebensraum für Fledermäuse und Spechte

„Die Hauptarbeit ist im Winter der Baumschnitt“, sagt Vogt. An rund zehn Terminen treffen sich die Ehrenamtlichen samstagmorgens, um die Bäume fit für die nächste Wachstumsperiode zu machen und sie von überflüssigen Trieben zu befreien. Im Sommer geht es ebenfalls samstags zum Obstsammeln. Die Gruppenmitglieder verarbeiten viele der Früchte, etwa zu Marmelade. Auch Dörren und Einkochen sind beliebte Methoden, um das Obst zu konservieren. Äpfel bringen die Ehrenamtlichen für Gewöhnlich zum Saften. Der Agendagruppe geht es neben der Erhaltung der Kulturlandschaft Streuobstwiese als Nahrungsspender und Naherholungsgebiet auch darum, verschiedenen Tierarten – beispielsweise Eidechse, Molch, Dachs, Fuchs, Fledermaus, Turmfalke und Specht – weiterhin einen Lebensraum zu geben.

Damit auch die kommenden Generationen Obstwiesen und die darauf geernteten Früchte genießen können, hat der Verein Onser Saft mit finanzieller Unterstützung der Mitgliedsgemeinden eine Baumpflanz-Aktion ins Leben gerufen. Der Verein hat sich der Erhaltung des landschaftsprägenden Streuobstbaus im Bereich Wendlingen, Köngen, Notzingen, Wernau, Hochdorf und Oberboihingen verschrieben. Im Rahmen der Pflanzaktion stellt Onser Saft jedem seiner Mitglieder in diesem Herbst Obstbäume mit Holzpfahl, Drahtgitter und Bindematerial zur Verfügung. Nicht kostenlos, aber zu einem günstigen Preis, wie der Vorsitzende Klaus Grüdl betont. „Dadurch, dass die Gemeinden sich beteiligen, wird es für unsere Mitglieder günstiger“, sagt er.

Obstbäume für alle

Bei der letzten Baumpflanz-Aktion sind fast 250 Bäume auf den Streuobstwiesen in der Region gepflanzt worden. Die erste solche Aktion hatte der Verein 2004 durchgeführt und danach alle drei Jahre wiederholt. Weil sich die Mitgliedsgemeinden an beteiligen, ist die Baumpflanz-Aktion nicht nur für die Mitglieder von Onser Saft gedacht. Jeder, der in einer der teilnehmenden Gemeinden lebt, kann Obstbäume bekommen. Maximal fünf Stück kann eine Person erwerben.

Der Erhaltung der Kulturlandschaft Streuobstwiese ist auch Ralf Hilzinger aus Altbach ein Anliegen – nicht nur im beruflichen Alltag. In seiner Freizeit bewirtschaftet er seine eigenen Wiesen und ist als Referent zum Thema für das Landratsamt unterwegs. Nachhaltigkeit ist für ihn eine Lebenseinstellung. Bei ihm gedeihe auch das einzige Vorkommen einer bedrohten Pflanzenart im Kreis Esslingen. Für die Agenda Streuobstwiesen kümmert er sich seit der Jahrtausendwende um den Unterwuchs auf zwei Streuobstflächen. Unter seiner Pflege seien die Wiesen inzwischen drei Viertel der Fläche mit Blumen bedeckt. Vorher seien es nur fünf Prozent gewesen.

Pflege für invalide Fledermäuse

Hilzinger plädiert dafür, dass die Menschen heute nicht über ihre Verhältnisse leben sollten, damit auch die nächste Generation noch die gleichen Bedingungen vorfindet. Jahrelang betreute er den Streuobstwiesen-Blütenwandertag. Dieser liegt allerdings momentan brach. Leidenschaftlich pflegt Hilzinger auch invalide Fledermäuse und verwaiste Fledermausbabys. Wegen seines vielfältigen Engagements rund um die Streuobstwiese wurde er für den Ehrenamtspreis vorgeschlagen.

Hanglage statt Muckibude – für Sven Siever und Sebastian Wolf aus Plochingen ist das inzwischen ganz normal. Seit knapp einem Jahr sind die 28 und 29 Jahre alten Männer auf einer rund 400 Quadratmeter großen Streuobstwiese aktiv. Und das oft mehrmals in der Woche. Sie bewirtschaften gemeinsam ein Stück Land, das noch vor 100 Jahren für den Weinbau genutzt wurde. Dabei setzen sie auf die Synergieeffekte von Obstbau und Bienenhaltung.

Bienen und Obst kombiniert

Ihnen ist es zudem wichtig, die Kulturlandschaft zu erhalten – beziehungsweise wiederherzustellen. Denn viele Grundstücke am Schurwaldhang sind komplett verbuscht, die Trockenmauern, die den Weinbauern einst zur Hangsicherung und als Wärmespeicher dienten, abgetragen. Auf ihrer Wiese haben sie die Mauer wieder aufgebaut – auch, um Tieren wie Eidechsen und Insekten ein Zuhause zu geben. Siever und sein Mitstreiter Wolf haben sich über einige Umwege kennengelernt. „Ich wollte mir Bienen anschaffen und war auf der Suche nach einem Platz“, sagt der 29-Jährige. „Meine Eltern haben dann ihre Bekannten gefragt, und so kam ich auf Sven.“

Die Theorie habe Wolf in Hohenheim gelernt und danach beim Imkerverein Leinfelden-Echterdingen über ein ganzes Jahr die Praxis erlernen gewollt. „Doch dann kam Corona“, sagt er. Schließlich habe er ein Webinar gefunden, das ihn in die Praxis eingeführt habe, und schließlich ein Volk gekauft. In diesem Jahr habe er bereits 24 Kilogramm Honig geerntet.




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