Ehrenamtspreis Stuttgarter des Jahres Die Hasen sind die guten Geister der Ringer

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Andreas und Katja Werft sind „Stuttgarter des Jahres“. Das Ehepaar ist im Förderverein für Ringkampfsport der SG Weilimdorf ständig im ehrenamtlichen Einsatz.

Katja und Andreas Werft sind die guten Geister bei den Weilimdorfer Ringern – sowohl hinter dem Tresen als auch auf der Matte. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt
Katja und Andreas Werft sind die guten Geister bei den Weilimdorfer Ringern – sowohl hinter dem Tresen als auch auf der Matte. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Jeder Verein braucht einen guten Geist. Der Förderverein für Ringkampfsport in Weilimdorf kann sich glücklich schätzen, denn er hat gleich zwei davon: Katja und Andreas Werft, „Die Hasen“, wie sie liebevoll genannt werden, stemmen so ziemlich alles hinter den Kulissen, was den Ringern bei den vielen Festen im Stadtteil zu einem guten Image verhilft, weil sie für Bewirtung und Programm sorgen.

Und das machen „Die Hasen“, mit unermüdlich guter Laune. Auch wenn es Katja Werft manchmal dabei zum Heulen ist: Sieben Zwiebelkuchen hat sie für den ­Weilimdorfer Herbst gebacken. „Fragen Sie nicht, wie ich ausgesehen habe.“ Aber die Einzelhandelskauffrau nimmt es mit Humor. Andreas Werft, der 130-Kilo-Mann, war lange selbst aktiver Ringer. Heute hält er als Technischer Leiter des Vereins die organisatorischen Fäden für alle Veranstaltungen in den Händen, sorgt für die Verträge mit der Stadt, die Hallenmiete, dafür, dass die Sanitäter zur Stelle sind.

Einmal in der Woche macht Andreas Werft mit der Ringerjugend das Krafttraining, und die ganz kleinen Nachwuchsringer im Kindergartenalter stehen auch unter seinen Fittichen. „Auf die übt die Ringermatte eine magische Anziehungskraft aus“, sagt er begeistert. Und wenn bei einem Wettkampf Not am Mann sein sollte, geht er selbst wieder in den Kampf, denn auf seinem Vereinshoody steht es Weiß auf Grün: „Werft wirft alle“.

Beruflich kocht Werft für vier private Kitas das Mittagessen für 120 Kinder und fährt es auch aus. „Für die Kinder bin ich der Essensmann“, sagt er schmunzelnd. Und vor allem seine selbst gemachten Maultaschen schätzen die Kleinen. Gleiches gilt auch für die Weilimdorfer, denn bei den örtlichen Festen werden am Bewirtungsstand der Ringer Werfts Echte serviert: 300 Stück liefert er mindestens.

Nach dem Kampf war es vollends um Katja Werft geschehen

Vor 20 Jahren wurden die Werfts ein Paar: In Leipzig in Sachsen sind sie sich in einer Diskothek über den Weg gelaufen. „Als ich noch ganz frisch verliebt war, hat er mich dort zu einem Wettkampf mitgenommen“, erzählt Katja Werft. Andreas Werft war damals noch Leistungssportler in der Ersten Bundesliga, und seine neue Freundin Katja war hin und weg. „Nach dem Kampf war es vollends um mich geschehen.“ Sie selbst sei völlig unsportlich, behauptet sie, dafür besitzt sie Organisationstalent, Kreativität und einen eisernen Willen.

Den hat Katja Werft erst kürzlich wieder unter Beweis gestellt, als es um die Zusammenstellung des Programms für das große, dreitägige Ringerfest am Vatertagswochenende ging. Da nämlich haben sich Katja Werft und noch weitere „Frauen vom Mattenrand“, wie sie sich nennen, überlegt, was sie als Höhepunkt der Veranstaltung setzen könnten. Ein Theater für Kinder, das würde gut passen und vielleicht sogar weiteren Zuwachs für den Verein bringen. Darin waren sich die Frauen einig.

Der Haken dabei: Die Gage der Kindertheater kann sich der Verein nicht leisten. „Dann machen wir es selbst“, entschied Katja Werft. „Das ist ja für uns alle Neuland“, sagt sie. Puppen, Kostüme und Bühnenbild bastelten die Vereinsfrauen selbst. „Das macht alles so viel Spaß. Wir sind ein toller Verein, wir lachen viel zusammen, und mein Mann und ich sind durch diese Gemeinschaft im Stadtteil angekommen.“ Die Puppen sind wegen Corona erst im September zum Einsatz gekommen, aber mit großem Erfolg.

Zwei Zufälle, die zu Glücksfällen wurd

Andreas Werft zog 2004 wegen der Arbeit von Leipzig nach Stuttgart. ­„Weilimdorf war Zufall, und dass es da einen Ringerverein gab, war der zweite Zufall“, erzählt er. Mit dem Kampf auf der Matte war er in der ehemaligen DDR aufgewachsen. „Mein Vater war schon Ringer und nahm mich einfach mit.“

Katja Werft folgte ihrem Mann ein halbes Jahr später nach Stuttgart. „Wenn ich mit dem Fahrrad von unserer Wohnung zum Markt fahre, bin ich manchmal drei Stunden unterwegs, weil ich so viele Leute auf dem Weg treffe“, erzählt sie. Sie und ihr Mann nehmen für die großen Feste Urlaub – klaglos, denn für andere da zu sein und so gemeinsame Sache mit den Freunden zu machen, macht ihnen großen Spaß.

Deshalb sind sie von der Jury zu Stuttgartern des Jahres gekürt worden. Nur wenn nach einem durchgearbeiteten Wochenende am Getränkeausschank jeder Muskel schmerzt, fragt sich Katja Werft schon manchmal, weshalb sie ihren Sonntag nicht lieber in einer Wellness-Oase verbracht hat. Aber ernsthaft würde sie diese Wahl nie treffen.




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