Ehrgeiziges Ziel bis 2030 Tübingen will klimaneutral werden

Boris Palmer hat seinen persönlichen Zehn-Punkte-Plan zum Klimaschutz schon auf Facebook vorgestellt. Er schlägt eine autofreie Innenstadt vor und wünscht sich einen Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr. Foto: picture alliance/dpa

Der Oberbürgermeister Boris Palmer hat seinen persönlichen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt. Und der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, ein ambitioniertes Klimaschutzpaket zu schnüren.

Tübingen - Tübingen will bis 2030 klimaneutral werden. Der Gemeinderat hat am Montag einstimmig beschlossen, dass die Verwaltung ein Klimaschutzpaket erarbeiten und dem Gremium vorlegen soll. Ziel ist, den Energieverbrauch der Stadt weiter zu senken, bis 2030 soll er ohne CO2-Belastung der Umwelt erfolgen.

 

„Das ist ein ambitioniertes Ziel“, sagt der grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer. Er hält es aber für realistisch, die kommunalen Klimaschutzerfolge noch deutlich zu verbessern. „In einem Jahrzehnt haben wir die Pro-Kopf-Emissionen um knapp ein Drittel gesenkt.“ Tübingen sei bereits der Vorreiter im Land, brüstet er sich: „Keine einzige Stadt in Baden-Württemberg hat das geschafft.“

Die Klimaschutzoffensive zielt auf den Energiebereich, es geht um Strom, Wärme, Mobilität. „Die Klimaneutralität ist nicht total, wir erfassen rund 80 Prozent des Problems“, erklärt Palmer – man habe bewusst einen pragmatischen Ansatz gewählt. „Nicht betrachtet wird die Flugreise nach Mallorca oder das Schnitzel aus Argentinien.“

Palmer schlägt vor, die Zahl der Stadtwerke-Windräder zu vervierfachen

Zurzeit liegen die energiebedingten Emissionen für Tübingen bei rund sechs Tonnen pro Einwohner im Jahr. Etwa 40 Prozent der Emissionen entstehen bei der Stromerzeugung. Vor allem die Stadtwerke spielen für die CO2 -Neutralität eine zentrale Rolle. Der Ausbau des Ökostromanteils von derzeit 50 auf 100 Prozent wäre ein möglicher Baustein des Klimaschutzprogramms. Im Bereich Wärme liege der erneuerbare Anteil bei nicht einmal zehn Prozent, bilanziert Boris Palmer. Für die Umstellung müsse man die Zahl der Windräder im Eigentum der Stadtwerke vervierfachen. Denkbar sei auch die Produktion von Methan aus erneuerbaren Energien zur Einspeisung ins Erdgasnetz, das sogenannte Power-to-Gas-Verfahren.

Zehn-Punkte-Plan von Boris Palmer auf Facebook

Auf Facebook hat OB Boris Palmer bereits seinen persönlichen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt. Er setzt auf einen Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr und will ihn finanzieren durch höhere Gebühren für das Anwohnerparken. Der Oberbürgermeister spricht sich zudem für den Bau der noch zur Abstimmung stehenden Regionalstadtbahn aus.

Palmer befürwortet auch eine autofreie Tübinger Innenstadt und sogenannte Mikromobilitätsangebote, etwa Fahrräder und E-Roller. Des Weiteren sollten Holzbauten in der Stadt künftig Vorrang haben, weitere Solardächer entstehen, 1000 Bäume gepflanzt werden, und die Innenentwicklung Tübingens soll vor der Außenentwicklung vorangetrieben werden. Geringverdienern soll nach Palmers Plänen ein Klimazuschuss helfen.

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